WirtschaftsBlatt Kommentar vom 15.3.2005: Klagenfurt stinkt uns gewaltig - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - In Klagenfurt geht es zwar nur um "ein kleines Provinzstadion", wie Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner kürzlich im Fernsehen meinte, trotzdem fliegen dort ganz schön die Fetzen. Verständlich: Wenn es um einen 60-Millionen-Euro-Auftrag geht, möchte weder der Europa-Konzern Strabag noch der österreichische Markt-Leader Porr gern Zweiter sein. Und selbstverständlich ist es beiden unbenommen, alle Rechtsmittel auszunutzen, die sie für das Erreichen ihres Ziels für tauglich halten.
Wie die Beschwerden, Klagen und Gegenklagen ausgehen werden, ist natürlich schwer vorherzusagen, wenn man die Details des Falles nur aus den Zeitungen kennt (auch wenn dort schon mehr Details zu lesen waren, als für den Verlauf eines Vergabeverfahrens förderlich ist). Trotzdem sei eine Vorhersage gewagt: Der wahrscheinlichste Ausgang ist, dass alle Rechtsmittel zurückgezogen werden und sich Porr und Strabag den Auftrag brüderlich teilen. Das ist ja offensichtlich das, was Landeshauptmann Jörg Haider den "Wiener Strizzis" abtrotzen möchte. Und wir können Gift darauf nehmen, dass der Bau dadurch nicht billiger wird.
Ginge es nicht um ein Projekt, das extrem unter Zeitdruck steht und von dessen Gelingen Österreichs Prestige abhängt, wäre es natürlich das Gescheiteste, die bisherigen Vergabeschritte zurückzunehmen und das ganze Projekt ordentlich neu auszuschreiben - getrennt nach Planung und Bau, wie es sich gehört. Denn ein Gutteil der Probleme, die entstanden sind - von der behaupteten "Vorbefasstheit" des Porr-Architekten bis zu unklaren Feilschereien um den Baupreis -, wäre in einem ordentlichen, getrennt ausgeschriebenen Verfahren gar nicht erst aufgetreten.
Nehmen wir also die Mehrkosten, die bei diesem Projekt unvermeidlich sein werden, als Lehrgeld. Und nehmen wir als Lehre daraus mit, dass auch in Kärnten ein ordentliches, nach europäischen Regeln ablaufendes Vergabeverfahren besser (und vor allem für uns alle als Auftraggeber kostengünstiger) ist als irgendwelche landestypischen Sonderregelungen, die offenbar dazu führen sollen, dass derjenige den Auftrag bekommt, den der Landeshauptmann dafür als würdig erachtet. Sobald gesichert ist, dass das Stadion vor Eröffnung der EM fertig ist, sollten wir aber jedenfalls alles daran setzen, einen möglichst grossen Teil unseres Lehrgeldes von jenen zurückzubekommen, die dafür verantwortlich sind, dass da mit unser aller Steuergeld geschludert wurde.

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