EuroRAP soll Fünfstern-Straßen für Österreich möglich machen 2

BMVIT, ASFINAG, KfV und ÖAMTC haben eine detaillierte Risikoanalyse des hochrangigen Straßennetzes durchgeführt

Wien (ÖAMTC-Presse) - Autobahn ist nicht gleich Autobahn. Auf der Süd Autobahn zwischen Graz Webling und Graz West sind Lenker österreichweit am sichersten unterwegs. 50 Mal höher ist das Risiko, in einen schweren Unfall zu geraten, auf der Inntal Autobahn: Der gefährlichste Autobahnabschnitt Österreichs liegt zwischen Haiming und Ötztal. Das haben BMVIT, ASFINAG, KfV und ÖAMTC bei einem gemeinsamen Pilotprojekt im Rahmen von EuroRAP (European Road Assessment Programme), gefördert durch den österreichischen Verkehrssicherheits-Fonds, herausgefunden.

EuroRAP wurde als Initiative zur Hebung der Verkehrssicherheit von europäischen Automobilclubs und Straßenverwaltungen gegründet. Ziel des Programms ist, die Straßensicherheit in ganz Europa systematisch und einheitlich zu bewerten und zu verbessern. Jährlich sterben über 50.000 Menschen auf den Straßen der 25 EU-Länder. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl einer mittelgroßen österreichischen Stadt wie St. Pölten oder Wels. Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Verkehrstoten in der EU halbiert werden. Dieses Ziel haben sich sowohl die EU-Kommission als auch zahlreiche nationale Regierungen gesetzt. "EuroRAP ist eine treibende Kraft, um dieses Ziel zu erreichen. Denn wir brauchen eine gründliche Verbesserung der Straßeninfrastruktur in Europa", sagt John Dawson, Chairman von EuroRAP. "Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Vermeidung von Unfällen mit Toten und Schwerverletzten."

EuroRAP als neues Instrument in der Verkehrssicherheitsarbeit

Auch im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie ist man davon überzeugt, dass Verkehrssicherheit bei der Infrastruktur beginnt: "Das EuroRAP Projekt ist ein gutes Beispiel für das neue Dienstleistungsbewusstsein des Verkehrsministeriums, weil die Betriebs- und Nutzungssicherheit der Straßen immer mehr in den Vordergrund tritt", sagt Staatssekretär Mag. Eduard Mainoni. "Jetzt kann man gezielt jene Strecken herausgreifen, die ein erhöhtes Unfallrisiko darstellen und gemeinsam mit der ASFINAG gezielte Verbesserungsmaßnahmen suchen und umsetzen."

Im Kuratorium für Verkehrssicherheit sieht man EuroRAP als Teil eines Maßnahmenbündels aus Unfallhäufungsstellen-Management, Road Safety Inspection, Road Safety Audit und Road Safety Impact Assessment. Nach KfV-Schätzungen könnte die Zahl der Verkehrstoten durch all diese Maßnahmen um bis zu 150 verringert werden. "Die Sicherheitsratings für das Straßennetz lenken die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf potenzielle Gefahrenstellen und sollen zu entsprechend vorsichtiger Fahrweise animieren. Für die Straßenerhalter kann sich eine Priorisierung ergeben, in welchen Bereichen rasch Maßnahmen ergriffen werden müssen", sagt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit.

90 Prozent des Autobahnnetzes zwischen "geringem" und "mittlerem" Risiko

Im EuroNCAP-Crashtest, den der ÖAMTC mit seinen Schwesterclubs durchführt, sind fünf Sterne ein begehrtes Ziel der Automobil-Hersteller. "EuroRAP soll es möglich machen, dass man künftig mit Fünfstern-Autos auch auf Fünfstern-Straßen fahren kann", betont ÖAMTC-Generalsekretär Dkfm. Hans Peter Halouska.

Mit der Pilotstudie von EuroRAP ist das österreichische Autobahnnetz erstmals einer detaillierten Risikoanalyse unterzogen worden. Auf Basis der Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten in den Jahren 2000 bis 2003 bekam jeder Abschnitt im ASFINAG-Netz eine Bewertung zugewiesen. Das ergab eine Risikobeurteilung für insgesamt 405 Straßenabschnitte: 33 Abschnitte erhielten das Prädikat "Sicherste Straßen". 357 Abschnitte weisen "geringes bis mittleres" oder "mittleres" Risiko auf. Problematisch sind 15 Abschnitte, für die "mittleres bis erhöhtes" Unfallrisiko gilt. Kein einziger Abschnitt wurde gefunden, auf dem ein hohes Unfallrisiko besteht. "Wir erwarten, dass die laufenden und geplanten Sanierungen und Ausbaumaßnahmen auf unseren Autobahnen und Schnellstraßen rasch zu einer deutlichen Verbesserung des Sicherheitsniveaus führen", so Halouska weiter.

Maßnahmen zur Hebung der Verkehrssicherheit im Autobahnnetz

"Trotz der positiven Ergebnisse im Rahmen von EuroRAP sieht die ASFINAG noch großes Verbesserungspotenzial im Bereich der Verkehrssicherheit auf Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich", sagt Harald Dirnbacher, Pressesprecher der ASFINAG. "Mit den Ergebnissen aus EuroRAP ist für uns eine wichtige Ausgangsbasis gegeben, um das ASFINAG-Sicherheitsmaßnahmen-Programm in einer nach Prioritäten gereihten Form umsetzen zu können. Diese Maßnahmen reichen von der Road Safety Inspection über eine weitere Beschleunigung des Vollausbau-Programms bis zu einer weiteren Optimierung der Sicherheit in Tunnels und Baustellen."

Sicherheits-Checks am untergeordneten Netz besonders wichtig

Fünfstern-Autobahnen in Österreich sind das erste EuroRAP-Ziel, in Zukunft sollen aber auch Risikoanalysen im untergeordneten Netz stattfinden: 85 Prozent aller Verkehrsunfälle in Österreich ereignen sich auf Freilandstraßen und in Ortsgebieten. Autobahnen sind im Schnitt fünf bis sieben Mal sicherer als Straßen im untergeordneten Netz. Deshalb ist es wichtig, die im Pilotprojekt gewonnenen Erkenntnisse so rasch wie möglich auf den Landesstraßen-Netzen umzusetzen. "Wir laden sämtliche Bundesländer ein, ihre Straßen den international standardisierten Sicherheits-Checks zu unterziehen und so einen deutlichen Impuls in der Verkehrssicherheitsarbeit zu setzen", sagt DI Roman Michalek, der Projektleiter von EuroRAP-Österreich, abschließend.

Aviso an die Redaktionen:
Grafiken zu den EuroRAP-Ergebnissen gibt es im ÖAMTC-Foto-Service unter http://www.oeamtc.at/presse/.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

Rückfragen & Kontakt:

ÖAMTC Pressestelle
Tel.: (01) 711 99-1218
pressestelle@oeamtc.at
http://www.oeamtc.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP0002