Die Kehrseite der Paradiese

Kampagne der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" anlässlich der Internationalen Tourismusbörse ITB

Berlin (OTS) - Anmoderationsvorschlag:

Trauminseln, Idylle unter Palmen, Touristenparadies. Das ist das Image der Malediven. Gerade nach dem Tsunami wirbt das Inselreich wieder verstärkt um europäische Touristen. Viele Hotelbesitzer, Reiseveranstalter und sogar der Tourismusminister des Landes sind nach Berlin zur ITB gekommen. Besonders jetzt nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004 habe sie neue Einnahmen nötiger denn je. Doch was die meisten Touristen nicht wissen: Dieses Paradies hat eine Kehrseite. Die Inselgruppe wird seit nunmehr 27 Jahren autoritär von Präsident Gayoom regiert. Wer immer sich gegen den Präsidenten oder seinen Clan stellt muss mit schweren Strafen rechnen. Mit ihrer

Kampagne: "Die Kehrseite der Paradiese" will die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" auf Missstände aufmerksam machen, die nicht nur auf den Malediven an der Tagesordnung sind. Astrid Frohloff, Vorstandsmitglied von "Reporter ohne Grenzen":

O-Ton 1 Astrid Frohloff, Vorstandsmitglied von Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen"

Wir richten unseren Fokus insbesondere auf die Länder Kuba, Tunesien, Malediven, Vietnam und Myanmar, also ehemals Birma. Das sind Länder in denen uns aufgefallen ist, dass die Pressefreiheit dort systematisch unterdrückt wird. Das sind gleichzeitig Urlaubsländer, die insbesondere bei Deutschen Urlaubern sehr sehr

beliebt sind. Und vielen ist nicht klar, insbesondere bei den Malediven und bei Tunesien, dass eben dort hinter den Kulissen eine ganz andere Wirklichkeit herrscht.

Moderator:

Der Malediver Ibrahim Lutfy ist Herausgeber des Online-Magazin Sandhaanu. 2001 hat er den elektronischen Newsletter gegründet und in seinem Artikeln immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Korruption angeprangert. Seit 27 Jahren regiert Präsident Gayoom das Inselreich autoritär. Er ließ die Macher von Sandhaanu verhaften und zu lebenslangen Haftstrafen verurteilen. Mit internationaler Hilfe konnte Ibrahim Lutfy fliehen. Heute lebt er in der Schweiz und gibt von dort aus seinen Newsletter weiter heraus. Seine Arbeit hat etwas verändert.

O-Ton 2Ibrahim Lutfy, Journalist aus den Malediven

"There is no press freedom, Virtually there isn't any sort of press freedom until three years ago. Since we laid this foundation, press freedom is gaining ground and things are improving. People are able to talk, people are able to write. There is no independent newspaper. All 3 dailys, which are either directly controlled by the government or president or his friends and relatives. So we don't have any way to express our satisfaction or dissatisfaction through media, local media. The only way we can do it is over internet, over a website over a magazine like Sandhaanu or over radio which has been run by UK organisation which is called friends of Maledives."

Übersetzung:

Bis vor drei Jahren gab es auf den Malediven überhaupt keine Pressefreiheit. Aber seit wir den Boden bereitet haben, gibt es Ansätze einer Pressefreiheit. Die Menschen trauen sich zu reden, zu schreiben. Aber es gibt keine unabhängigen Zeitungen. Alle drei existierenden Zeitungen werden entweder direkt von der Regierung kontrolliert oder vom Präsidenten und seinem Clan. Auf dem Malediven haben wir also keine Chance, unserer Unzufriedenheit Luft zu machen. Der einzige Weg ist das Internet, durch Newsletter wie Sandhaanu oder

über eine Radio-Talk-Show, die von London aus gesendet wird.

Moderator:

Auch in Tunesien werden die Menschenrechte nicht eingehalten. Zensur und Misshandlungen sind an der Tagesordnung. Erst vor drei Tagen wurde ein Anwalt in einem Gericht brutal zusammengeschlagen. Die Journalistin Sihem Bensedrine macht solche Fälle in ihrem Internet-Magazin "Kalima" öffentlich. Dafür wird sie verfolgt und gedemütigt.

O-Ton 3 Sihem Bensedrine, Journalistin aus Tunesien

« J'ai fait la prison. J'ai été emprisoneé par M. Ben Ali pour ma liberté d'expression et je vous assure, j'ai souffert davantage à l'extérieur de la prison que dans la prison. Ca a été vraiment la pire des souffrances que J'ai vécu à l'extérieur. Avec cette pieuvre que vous attrape dans toutes ses tentacules qui vous étouffent qui vous enlèvent votre respiration votre oxygène quotidien. Quand vous ouvrez la fenêtre le matin vous avez les flic qui sont là `a mettre leur nez dans toutes vos fenêtres et vous vous sentez assailli. »

Übersetzung:

Ich war im Gefängnis. Präsident Ben Ali hat mich verhaften lassen, weil ich mein Recht auf Meinungsfreiheit wahrgenommen habe. Ich versichere Ihnen, am meisten habe ich in der Zeit gelitten, in der ich offiziell "frei" war. Aber ich wurde rund um die Uhr überwacht. Das war das allerschlimmste, was ich je erlebt habe. Es ist als wenn tausend Arme einem die Luft abschnüren würden. Wenn man zum Beispiel am morgen ein Fenster öffnet, sieht man in das Gesicht eines Polizisten. Sie sind einfach überall. Man lebt wie unter Belagerung.

Moderator:

Inzwischen lebt Sihem Bensedrine die meiste Zeit des Jahres mit ihrer Familie in Hamburg. Doch jedes Mal, wenn sie nach Tunesien zurückkehrt, wird sie wieder bedroht. Die Tatsache, dass sie eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit genießt, hat bisher Schlimmeres verhindert. In diesem Sinn ist auch die Kampagne von Reporter ohne Grenzen zu verstehen.

O-Ton 4 Astrid Frohloff, Vorstandsmitglied von Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen"

"Wir sagen ausdrücklich, dass wir nicht zum Boykott aufrufen. Wir wollen nicht den Spaß am Urlaub machen verderben. Wir wollen Urlauber dafür sensibilisieren, das es hinter dieser schönen heilen Urlaubswelt auch noch eine andere Realität gibt. Wir wollen auch Reiseveranstalter nach Möglichkeit sensibilisieren, dass sie auf die Wahrung der Menschenrechte in ihren Urlaubsländern achten und wir wollen die Medien auch darauf aufmerksam machen und um Mithilfe bitten, denn nur öffentliche Aufmerksamkeit ist der Schutz für inhaftierte Journalisten.

Vorschlag zur Abmoderation:

Moderator: Mehr Informationen erhalten Sie im Internet auf der Seite: www.reporter-ohne-grenzen.de. Dort können Sie auch elektronisch Petitionen zu den einzelnen Ländern unterzeichnen.

ACHTUNG REDAKTIONEN:

Das Tonmaterial ist honorarfrei zur Verwendung. Wir bitten jedoch um einen Hinweis, wie Sie den Beitrag eingesetzt haben an desk@newsaktuell.de.

Originaltext: Reporter ohne Grenzen e.V.

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