"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Krise, die nächste" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 10. März 2005

Innsbruck (OTS) - Die Freiheitliche Partei steht vor einer möglichen Spaltung. Das sind nicht Erfindungen übel meinender Beobachter des Politischen, sondern Ankündigungen von Zuständigen, namentlich des langjährigen Obmannes und nunmehrigen einfachen Mitgliedes der FPÖ, Landeshauptmann Jörg Haider. Der Spaltpilz gedeiht in den Kellern der FPÖ seit ihrer Gründung prächtig, aber kaum jemand hat das diesfalls unnütze Gewächs so gepflegt und gehegt wie eben Jörg Haider. Wenn er sich nun mokiert, dramatisch ins Geschehen einschaltet und droht, die Situation mit seinen Methoden zu retten, dann erntet Haider, was er selbst gesät hat.
Die Freiheitlichen sind in ihrer Geschichte geprägt von zweierlei Charakteristika: Es gab und gibt einen nationalen und einen liberalen Flügel, sie war stets mehr eine Partei der Persönlichkeiten und weniger des Programmes. Da gehören Krisen zum Alltag.
Haider selbst hat wiederholt verdiente FPÖ-Funktionäre schwerst attackiert, etwa seinen Förderer Mario Ferrari-Brunnenfeld. Friedhelm Frischenschlager und Heide Schmidt zogen in den achtziger Jahren aus der FPÖ aus, gründeten das Liberale Forum. Susanne Ries-Passer, Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler räumten vor drei Jahren ebenfalls entnervt das von Haider beherrschte blaue Spielfeld. Weitere Namen von Personen, die sich eben wegen Haider die Freiheit nahmen, die danach benannte Partei zu verlassen, sind lieferbar.
Das Taktieren mit Parteitagen und Vollmachten ist ein altes Spiel. Nichts, überhaupt nichts, ist an der gegenwärtigen inneren Situation der FPÖ neu. Sie ist nur drauf und dran, ihr Mandat als ein in mancherlei Hinsicht notwendig gewesenes politisches Korrektiv ebenso zu verspielen wie ihren Vertrauensvorschuss als Regierungspartei. Ob sie ihre alten Probleme mit den altbekannten Methoden lösen kann, ist mehr als fraglich.

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