Peymann sagt Menasse-Uraufführung ab - Kritik am Burgtheater

Entscheidung über seine Zukunft im Herbst

Wien (OTS) - Claus Peymann wird die Polit-Satire "Das Paradies der Ungeliebten" von Robert Menasse am Wiener Burgtheater nicht zur Uraufführung bringen. Wie der Direktor des Berliner Ensembles in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe erklärt, hat er ein entsprechendes Angebot der Burgtheater-Direktion abgelehnt: " Ich habe zwar mit größtem Vergnügen gelesen, welche Aufregung darum in Österreich entstanden ist. Aber ich kann da nicht helfen. Es ist Aufgabe des Burgtheaters, eine Auftragsarbeit entweder abzulehnen oder endlich herauszubringen. Ob es ein gutes Stück ist, will ich nicht entscheiden. Aber es hat Zündstoff, eine große Pointe und ein tolles Thema, allerdings ein spezifisch österreichisches. Deshalb war es für eine Koproduktion mit dem BE zu keinem Zeitpunkt ein Thema, und an anderes ist wegen meiner Verpflichtungen hier nicht zu denken. Aber ich danke Bachler für das Angebot."

Mit Kritik bedenkt Peymann die Entwicklung des Burgtheaters seit seinem Abgang. In NEWS sagte er zur Finanznot des Hauses und die Erhöhung der Eintrittspreise: " Das kann ich nicht beurteilen, weil es ein anderes Burgtheater geworden ist. Vieles von dem, was wir gemacht haben, ist aufgegeben. Gerade habe ich den neuen Bundestheaterbericht bekommen, ein Wurfgeschoß von zwei Kilo, nachdem wir ihn schon auf 80 Seiten abgeschmolzen hatte. Damit hatten wir über 150.000 Mark gespart. Jetzt bauen sich die alten, repräsentativen Formen wieder als majestätische Theaterkulisse auf. Das ist eben die Tragik: dass man etwas macht, und kaum ist man weg, ist es vergessen. Dass dafür das Geld nicht reicht - da vertraue ich Bachler. Das ist schließlich etwas, wovon er etwas versteht (das sollte ein Kompliment sein)."

Über seine eigene Zukunft - sein Berliner Vertrag endet 2007 -will er bis Herbst entscheiden. "Es wird von meinem geistigen und biologischen Zustand abhängen - und von meiner Lust. Es gibt auch ein Leben ohne Intendanz. Leute rollen mir rote Teppiche aus, damit ich bei ihnen arbeite, und davon abgesehen wollte ich schon als kleiner Junge einmal nach Brasilien, an den Nordpol oder Neuseeland. Ich war noch nie in Indien! Nicht ein einziges Mal im Winter in den Bergen! Die andere Entscheidung ist die der Stadt Berlin - und da gibt es viele Signale und viele Freunde, die sich ein Theater ohne Peymann nicht vorstellen können. Es kommen jetzt Neuwahlen, die mit einiger Sicherheit wieder von Bürgermeister Wowereit (SPD) gewonnen werden. Das geht in Ordnung, er hat viel dazugelernt. Ob Flierl (PDS) Kultursenator bleibt, ist hingegen ungewiss. Das sind halt diese Leute, hier Flierl, dort Morak - kein guter Sänger, kein guter Schauspieler, wird er halt Minister. Wer für nichts anderes zu gebrauchen ist, kommt in die Kulturpolitik."

Die Übernahme eines Theaters in Wien schließt er im NEWS-Gespräch aus - ihm sei von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny die "Josefstadt" angeboten worden, woran sich der Politiker "seltsamerweise nicht mehr erinnern" könne, er habe aber glatt abgelehnt. Er könne sich lediglich die Übernahme der Staatsoper vorstellen - "- als einmalige Rettungsaktion, um die Wiener endlich doch noch vor Holender zu retten."

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