WirtschaftsBlatt Kommentar vom 5.3.2005: Aufwachen!Es gibt Jobs im Wartezustand - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Weil die monatliche Veröffentlichung von Arbeitslosenstatistiken allein noch keine Medizin gegen Arbeitslosigkeit ist, hat das WirtschaftsBlatt am Freitag in einem ersten grossen Artikel in die Gegenrichtung geblickt: Welchen Betrieben gelingt es, trotz Hochlohnniveau den Personalstand auszubauen? Darüber wird noch viel zu berichten sein, denn viele und vor allem auch kleinere Betriebe sind gut unterwegs. Anders wäre die zumeist übersehene oder auch totgeschwiegene Tatsache nicht erklärbar, dass immer mehr Personen einen Job haben - im Februar um 31.305 mehr als ein Jahr davor.
Auf dem Weg zu einem höheren Beschäftigungsniveau ist jede Idee willkommen, der individuelle Einfall genau so wie das unorthodoxe Experiment einer Institution, die Steuerungskraft hat.
Dem Chef der Tiroler Arbeiterkammer, Fritz Dinkhauser, hat es noch nie an Courage gemangelt, Ungewöhnliches zu denken und das auch noch laut zu sagen. Er muss nicht immer Recht haben, aber er liegt insofern richtig, als er unablässig versucht, aus den durch Behörden, Institutionen, Zuständigkeiten und Kategorien gepflasterten Weg auszubrechen und zu schauen, was es sonst noch gibt.
Seine AK ist gemeinsam mit dem Tiroler Zukunftszentrum dabei, menschliche und unternehmerische Potenziale in Tirols Wirtschaftsregionen zu aktivieren. Die Methode ist sensationell, weil sie so simpel ist. Nach längeren Vorbereitungen und Studien, denen weitere Untersuchungen folgen werden, ist das Zukunftszentrum in der Lage, interessierten Arbeitnehmern eine so genannte "Kompetenzenbilanz" zu erstellen. Das kostet diese 100 Euro und ermöglicht im besten Fall die Erschliessung ungenützter Potenziale und Fähigkeiten - sei es am bisherigen Arbeitsplatz oder an einem neuen oder sogar in einer anderen Branche.
Und weil sich für die AK Tirol die Wirtschaft nicht auf Arbeitnehmer reduziert, sondern die Unternehmer dazu gehören, ist auch für diesen Bereich eine Potenzial-Studie unterwegs: Was könnten Tirols Handwerker und sonstige produzierende Unternehmen leisten, wenn sie im Rahmen einer "Entwicklungspartnerschaft" und unter Bejahung kreativwirtschaftlicher Ziele ihre Kräfte mobilisieren?
Dinkhauser erhofft sich für seine Grenzüberschreitung dauerhafte Schützenhilfe aus mehreren Richtungen, zum Beispiel vom Wirtschaftsministerium. Es geht um neue Arbeitsplätze, nicht um den Ausgleich gremialer Eifersüchteleien.

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