Rolle der NGOs: Anwaltschaft für sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit

Replik auf Aussagen im heutigen Standard-Artikel "Dritte Welt, nicht NGOs entwickeln"

Wien (OTS) - Der Artikel von Christoph Prantner im heutigen
Standard und die darin zitierten Aussagen von Georg Lennkh, ehemaliger Leiter der Sektion Entwicklungszusammenarbeit im BMaA und Aufsichtsratsvorsitzender der ADA, fordern AGEZ - Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit und die Österreichische EU-Plattform der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen zu einer Klarstellung bezüglich der Rolle der NGOs und der Kritik an der Entschuldung des Iraks heraus.

Der ehemalige Sektionsleiter verkennt offenbar völlig die bedeutende Rolle, die NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit spielen. Zum einen: Die Arbeit der NGOs ist kein Selbstzweck, sondern vom Gedanken der "Anwaltschaft" für benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der "Dritten Welt" geprägt. Den NGOs geht es darum - und sie nehmen diese Aufgabe in verschiedenen Ländern wahr -, lokale Initiativen bei ihren Bemühungen um bessere Ernährung, Zugang zu sauberem Wasser, sozialer Sicherheit, Infrastruktur, sowie bezüglich der Einhaltung der Menschenrechte zu unterstützen und auf diese Weise zu "Entwicklung" beizutragen. Der besondere Wert der Arbeit der NGOs liegt - gerade auch im Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen, die als Akteure der EZA derzeit hoch im Kurs stehen -in ihrem direkten Zugang zur Basis und zu Organisationen der Zivilgesellschaft. Das wird international anerkannt und darin liegt auch eine der Stärken der österreichischen EZA mit ihrem vergleichsweise hohen Anteil an NGO-Projekten.

Zum anderen: Es ist Konsens unter allen AkteurInnen der EZA, dass es zusätzlicher Mittel bedarf, um die von der internationalen Staatengemeinschaft formulierten Millenniumsentwicklungsziele zur Halbierung der Armut bis 2015 zu erreichen. Die Entschuldung des Iraks als einen Anstieg der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zu verkaufen, ist allerdings ein Spiel mit gezinkten Karten. Die NGOs treten seit Jahren für einen Schuldennachlass der schwer verschuldeten Entwicklungsländer ein, weil das tatsächlich Budgetspielräume schaffen kann. Sie kritisieren aber die Einrechnung der Entschuldung von Exportförderungen an die vormalige Diktatur im Irak und daraus resultierender Zinsen als Entwicklungszusammenarbeit. Zusätzlich zu Entschuldungsmaßnahmen -die immer nur punktuelle Maßnahmen sind - braucht es jedoch eine dauerhafte Aufstockung des EZA-Budgets. Österreich steht hier unter Druck, das 0,7-%Ziel zu erreichen, nicht zuletzt dank des jahrelangen Engagements der NGOs für dieses Ziel, hinter das sich nun auch die EU gestellt hat.

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