Prammer: Bessere Kinderbetreuung auch für Unternehmerinnen dringend nötig

Wien (SK) "Frauen müssen oft besser sein, um bestehen zu können. Frauen müssen die besseren Ideen und die besseren Konzepte haben", so die Zweite Präsidentin des Nationalrates, SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer am Freitag bei einer Veranstaltung mit dem Thema "Quo vadis Unternehmerin - eine Standortbestimmung". Im Rahmen der Veranstaltung berichteten auch betroffene Unternehmerinnen und Christine Bauer-Jelinek, Gründerin und Vorsitzende der "Initative für Mikro-UnternehmerInnen" über die Situation von Unternehmerinnen. "Der Blick hinter die Statistik zeigt, dass die Situation von selbständigen Männern und Frauen doch sehr unterschiedlich ist", so Prammer. ****

Unternehmerinnen würden vor den gleichen Probleme stehen, wie unselbständig tätige Frauen, so Prammer. "Die Frage ist immer: Was tun, wenn ich auch eine Familie haben möchte oder auch Mutter sein möchte." Vor allem, da Unternehmerinnen in Österreich hauptsächlich Kleinstunternehmerinnen seien, stelle sich die Frage, wie man Beruf und Kind vereinen könne. "Frauen stehen oft vor der Frage, ob und wie sie ihr Unternehmen weiterführen können", betonte Prammer. Deshalb sei die Kinderbetreuung ein ganz zentrales Thema. "Auch hier bedarf es öffentlicher Einrichtungen mit entsprechenden Öffnungszeiten", führte Prammer aus.

Außerdem würden Frauen viel schwieriger an Start- und Risikokapital kommen. "Und das, obwohl statistisch belegt ist, dass Frauen die verlässlicheren Rückzahlerinnen sind", argumentierte Prammer. Dies sei nicht nur bei der Gründung, sondern auch beim Ausbau der Unternehmen ein großes Problem. Auch beim Kindergeld gebe es klare Probleme, weil die Zuverdienstgrenze und das Problem des schwankenden Einkommens gerade Selbstständige immer vor die Gefahr stellen würden, das gesamte Geld zurückzahlen zu müssen.

Als weiteres Problem nannte Prammer, dass Frauen sehr klar nur in drei Branchen - Gastgewerbe, Handel, Tourismus - zu finden seien. "Das sind auch die Branchen, wo mit großer Wahrscheinlichkeit das Einkommen sehr gering ist. Wir müssten also mit Maßnahmen auch bei der Berufswahl ansetzen", betonte Prammer.

Bauer-Jelinek ging darauf ein, warum Frauen sich für die Selbstständigkeit entscheiden würden. "Viele Frauen vermuten, dass durch die steigende Flexibilität die Vereinbarkeit von Beruf und Familie steigt. Oft stehen Frauen dann vor den selben, auch noch verschärften, Probleme", sagte Bauer-Jelinek. Ein weiterer Grund sei ein völlig neuer Typus von Unternehmer - die "sozialen Unternehmerinnen". Diesen gehe es darum, ein neues Verhältnis mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu haben. Oftmals würden rechtliche Vorschriften sogar übererfüllt. "Das Problem ist, dass das nicht selten in der Selbstausbeutung der Unternehmerinnen mündet", hielt Bauer-Jelinek fest, die auch sagte, dass die größte Sorge der Unternehmerin die Angst vor Krankheit - der eigenen oder der der Kinder - sei.

Als bestehende Gefahren nannte Bauer-Jelinek das Problem, dass Frauen unter die Armutsgrenze rutschen würden und, das Einkommen auf den Stundeneinsatz umgelegt, deutlich unter jedem Kollektivvertrag liegen würden. "Selbst wenn Frauen Aufträge in der selben Branche erhalten, verdienen Frauen weniger. Der Druck auf Frauen ist enorm", so Bauer-Jelinek. Frauen müssten besser verhandeln, dies sei aber nur über Schulungen möglich, die sich Unternehmerinnen oft nicht leisten könnten. Wichtig sei es, dass es zu deutlich besseren sozialen Absicherungen komme und eine steuerliche Erleichterung geschaffen werde, forderte Bauer-Jelinek.

Martina Haslinger, Gastronomin aus Wien, stellte aus ihrer persönlichen Erfahrung dar, wie schwierig es gerade im Gastgewerbe sei, Kinderbetreuungseinrichtungen zu bekommen. Außerdem wünschte sich Haslinger, dass das Wochengeld an Unselbstständige angepasst werde. Barbara Panosch, die Leiterin eines Büros für Gebäudetechnik in Salzburg, zeigte auf, wie wichtig auch flexible Kinderbetreuungseinrichtungen seien. Die Fremdenführerin Anita Ligl betonte, wie riskant es für sie sei, wenn ihr Kind erkranke, da dann das Einkommen völlig ausfalle. Außerdem gebe es große Schwierigkeiten mit der Sozialversicherung, die in dem saisonellen Gewerbe oft schwer aufzubringen sei. "Eine Verbesserung wäre der Ausbau der Betriebshilfe und ein Sozialversicherungswesen, dass an das Einkommen angepasst sei", so Lidl. (Schluss) js

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