Matznetter: "Die Steuerreform ist männlich"

Selbstständige Frauen haben es schwerer

Wien (SK) "Von der, vom Finanzminister als 'größte Steuerreform aller Zeiten' bejubelten Steuerreform profitieren vor allem Männer. Diese Steuerreform ist männlich", so SPÖ-Budgetsprecher und Spitzenkandidat des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes für die kommenden WKÖ-Wahlen, Christoph Matznetter am Freitag in einer Veranstaltung mit der Zweiten Präsidentin des Nationalrates und SPÖ-Frauenvorsitzenden, Barbara Prammer, mit dem Titel "Quo vadis Unternehmerin - eine Standortbestimmung". Frauen hätten es trotz größten Einsatzes sehr schwer. "Unternehmerinnen erwirtschaften fast 40 Prozent weniger Einkommen als ihre männlichen Kollegen und erhalten auch 50 Prozent weniger Pension", stellte Matznetter fest. Die Steuerreform würde diesen Unternehmerinnen nichts bringen - "die WKÖ kümmert sich aber um diese Unternehmerinnen nicht", kritisierte Matznetter. ****

112.000 Unternehmen in Österreich würden von Frauen geführt. Dies sei in etwa ein Drittel der WKÖ-Mitglieder und damit liege Österreich über dem EU-Durchschnitt von 27,5 Prozent. "71 Prozent dieser Unternehmerinnen sind Mütter; ein Viertel davon ist alleinerziehend", führte Matznetter aus. Knapp 80 Prozent aller Unternehmerinnen würden die Kinderbetreuung selbst übernehmen. "Und obwohl Frauen unter großem Aufwand diese vierfach Belastung -Betriebsführung/Haushalt/Kind/Rechnungswesen - meistern, verdienen sie fast 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen", so Matznetter weiter. Grund dafür sei, dass sich Unternehmerinnen hauptsächlich in drei Branchen - Tourismus, Handel und Gastgewerbe -finden würden. Darüber hinaus sei es so, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Frauen ungünstig behandeln würden.

Während das Medianeinkommen der selbstständigen Männer jährlich 13.024 Euro ausmache, würden Frauen nur 7.446 Euro verdienen. "Selbstständige Frauen verdienen auf dem Niveau schlechtverdienender Unselbstständiger. Mehr als die Hälfte verdient so wenig, dass sie überhaupt keine Steuern zahlen", betonte Matznetter. Die Steuerreform bringe diesen Frauen genau 0 Cent. "Durch den Wegfall der Investitionszusatzprämie werden sie sogar noch bestraft", kritisierte der SPÖ-Budgetsprecher. "Die Steuerreform ist männlich", hielt Matznetter fest und erklärte, dass von den, vom Finanzminister genannten, 1,1 Milliarden Euro 100 Millionen für die Gruppenbesteuerung, 25 Millionen für die Versicherungswirtschaft und die restlichen 975 Millionen für die bisher Körperschaftssteuer zahlende Betriebe ausgeschüttet würden. "Von 92.000 Veranlagungsfällen bezahlen 1.584 Unternehmen knapp 80 Prozent der KöSt. Diese 1.584 Unternehmen sind die Profiteure der KöSt-Senkung", legte Matznetter klar. Bei den betroffenen Unternehmen zeige sich auch, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsräten fünf Prozent, der Anteil bei den Geschäftsführer- und Vorstandsposten sogar weniger als drei Prozent betrage. "Die Begünstigten sind männlich; diese Steuerreform ist männlich", betonte Matznetter.

Die Einkommensschere würde sich aber auch im Ruhestand nicht verbessern. Sie würde sich im Gegenteil sogar noch verschärfen. Die durchschnittliche Pension der selbstständigen Frauen betrage 682 Euro. "Die Steuerreform bringt aber auch erst eine Senkung für Pensionen über 1.000 Euro", so Matznetter, der als Befund festhielt:
"Der Gesellschaft ist es offenbar nicht wichtig, die Leistungen der Frauen zu honorieren."

Matznetter kritisierte auch die Wirtschaftskammer, die diese Steuerreform begrüßt hatte und an der Regierungspropaganda teilgenommen habe. "Und das, obwohl ein Drittel der Mitglieder Unternehmerinnen sind, die von dieser Steuerreform überhaupt nichts haben", so die Kritik Matznetters. Deshalb wäre es notwendig, das diese Steuerreform aufgerollt und neu zusammengesetzt werde. "Es braucht wirkliche Entlastung für die KMU's." Diese hätte sofortige Verbesserung für die Verteilung der Steuerreform zwischen Männern und Frauen zur Folge. Außerdem solle man wieder eine Investitionsprämie einführen. "Wichtig wäre es auch, die Zuverdienstgrenze beim Kindergeld aufzuheben. Unternehmerinnen sollen wählen können, ob sie den derzeit zwangsweise auf 2,5 Jahre verteilten Gesamtanspruch in einem kürzeren Bereich abrufen wollen", stellte Matznetter abschließend fest. (Schluss) js

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