Studie ARGE Breitband: Österreich vergibt mangels IKT-Strategie enorme Wachstumschancen

Wien (OTS) - Studienautor "Malik Management Zentrum St. Gallen" identifiziert zahlreiche politische Handlungsfelder für den IKT-Standort Österreich - ARGE Breitband Austria fordert daher überparteiliche Kraftanstrengung aller politischen Kräfte - zentraler IKT-Koordinator und Masterplan dringend erforderlich, um Standortattraktivität im internationalen Wettbewerb zu erhalten

Experten sind sich einig: Für rund die Hälfte des Produktivitätszuwachses in modernen Ökonomien ist Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) verantwortlich. Vor diesem Hintergrund und weil Österreich in internationalen IKT-Standortrankings immer weiter abrutscht, hat sich die ARGE Breitband Austria formiert, die aus elf der größten Unternehmen der österreichischen IKT-Branche besteht. Auf Basis einer wissenschaftlich abgesicherten Analyse des Status Quo durch Malik Management Zentrum St. Gallen hat die ARGE Breitband in den vergangenen Monaten nun in fünf Arbeitsgruppen konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Studie untersucht österreichische "Breitbandpolitik" als Teil der Standortpolitik

Die Studie dient vor allem dazu, durch eine tief gehende Beurteilung der österreichischen Breitbandpolitik und internationale Vergleiche Defizite in Österreich zu erkennen. "Maßnahmen müssen bei der Qualifikation der Arbeitskräfte, beim Ausbau der Infrastruktur in ländlichen Regionen sowie bei der Weiterentwicklung des technologischen Fortschrittes und der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen getroffen werden", erklärt Studienautor Dr. Martin Hagleitner, GF Malik Management Zentrum St. Gallen. "Wir haben vor allem auch international sehr genau analysiert, welche positiven Benchmarks existieren und warum uns einige Länder in den relevanten IKT-Indizes voraus sind."

Im Detail besteht laut Studie insbesondere bei folgenden Themen die Notwendigkeit gegenzusteuern:

  • Qualität der Ausbildung Die Qualität der Ausbildung der Arbeitskräfte und Techniker für die IKT-Branche muss drastisch verbessert werden.
  • Versorgung mit Breitband Mit rund 20% Anschlussdichte liegt Österreich im internationalen Mittelfeld. Dramatisch sind jedoch die im internationalen Vergleich geringen Wachstumsraten.
  • Arbeitsmarktflexibilität und Mobilität Telearbeit muss ausgebaut werden, da immer mehr Menschen über größere Distanzen zusammenarbeiten müssen. Dazu müssen die starren Arbeitsstrukturen rechtlich angepasst werden.
  • Forschung und Entwicklung Die Höhe der Forschungsgelder (in Prozent des BIP) liegen im EU-Durchschnitt, für Spitzenleistungen im IKT-Bereich sind jedoch zu wenig Mittel vorhanden und die Förderstrukturen sind zum Teil zu kompliziert.
  • Staatliche Regulierung Quasimonopole beschränken die Kunden in der Wahlfreiheit des Zugangs zu Content und der Zugang zu Archiven ist nicht geregelt.
  • Staatliche Förderung Die öffentlichen Förderungen für Breitband sind zu gering, um die Infrastrukturlücken im ländlichen Raum zu schließen.
  • Breitbandstrategie Österreich Österreich hat keine ausreichende Breitbandstrategie, die die Erreichung quantitativer und qualitativer Ziele durch die Definition von Maßnahmen und Budgets aufeinander abstimmt.

Konsequenz der Versäumnisse: Österreich liegt hinter den Spitzenländern zurück

Österreich konnte die vormals gute Position in unterschiedlichen IKT-relevanten Technologieindizes nicht halten. Insbesondere bei dem für internationale Investitionsentscheider so wichtigen Network Readiness Index ist Österreich 2004 vom 9. auf den 21. Platz zurückgefallen, während beispielsweise die Schweiz von Rang 16 auf den 7. vorgestoßen ist. Der Network Readiness Index definiert die IKT-Fitness eines Landes.

Maßnahmenkatalog der ARGE Breitband an die Politik zur Behebung der Defizite

Auf Basis der Studie hat die ARGE Breitband dringend notwendige Maßnahmen erarbeitet und an die Bundesregierung übergeben. Eine Weitergabe an und Diskussion mit allen Parteien hat bereits stattgefunden bzw. wird in Kürze erfolgen. Dazu gehört insbesondere:

Breitband und Gesellschaft

  • Einführung gezielter Aus- und Weiterbildungsprogramme (evtl. über E-Learning-Plattform) für Frauen in IT-gestützten Berufen während der Karenzzeit. Verankerung flexibler Arbeitszeitmodelle im Arbeitsrecht, um Frauen nach der Karenz den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern.
  • Ausbau von Telearbeitsplätzen durch volle steuerliche Absetzbarkeit von IT-Heimarbeitsplätzen.

Ländlicher Raum

  • Gesetzliche Maßnahmen für Ausbau nachhaltiger Infrastruktur, z.B. verpflichtende Leerverrohrung bei Straßen und Wegebau, einheitliches Wegerecht für unkomplizierte Grabungsarbeiten, einheitliche Bauvorschriften und transparente Genehmigungsverfahren für Masten, Satellitenschüsseln etc.
  • Generierung und Förderung lokalen Contents

Private / Haushalte als Nutzer

- Schaffung von attraktivem Content für Private durch Öffnung und Darstellung von staatlichen Archiven, Bibliotheken oder Museen. Schaffung von finanziellen Anreizen für Menschen mit niedrigerem Einkommen sowie die Überprüfung einer attraktiveren Fortsetzung der ausgelaufenen steuerlichen Absetzbarkeit von Breitbandanschlüssen.

Bürger und Government

  • Schaffung eines zentralen Gesundheitsportals für alle Bürger und Leistungsträger mit Zugriff auf alle Gesundheitsanwendungen ("mein Gesundheitsakt im Netz").
  • Schaffung eines zentralen Portals mit einmaligem Login zu allen Verwaltungsanwendungen.

Breitband und Wirtschaft

  • Zusätzliche Förderung von Telearbeitsplätzen durch Schaffung der entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen, insb. durch rechtliche Gleichstellung der Telearbeiter mit typisch Beschäftigten über Kollektivvertrags-Regelungen hinaus.
  • Zentrale Bündelung sämtlicher IKT-Themen und Bereiche auf Regierungsebene durch einen IKT-Koordinator mit Budgetverantwortung.

Dringender Handlungsbedarf 2005 : ARGE fordert IKT-Koordinator und Masterplan

"Die ARGE Breitband hat in den vergangenen Wochen mit den erarbeiteten Maßnahmen den Dialog mit hochrangigen Wirtschaftsexperten und politisch Verantwortlichen gesucht und eine Reihe intensiver Gespräche absolviert", berichtet Ing. Mag. Rudolf Fischer, COO Wireline von Telekom Austria und Initiator der ARGE. "Nun ist es notwendig, dass den Worten rasch Taten folgen. Vor dem Hintergrund der Komplexität und Wichtigkeit des Themas fordern wir die sofortige Einrichtung eines zentralen IKT-Koordinators, der als von der Regierung eingesetzter Ansprechpartner für alle IKT-Belange fungieren soll. Dieser soll in weiterer Folge einen IKT-Masterplan erarbeiten, der die österreichische IKT-Strategie bis 2010 detailliert festhält. "Zur tatkräftigen Mitarbeit am IKT-Masterplan ist die ARGE Breitband Austria mit ihrem umfassenden Know How jederzeit gerne bereit."

Über die ARGE Breitband Austria

Die ARGE Breitband Austria besteht aus elf der größten Unternehmen der österreichischen Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT). Die Plattform repräsentiert fast zwei Drittel des 13,4 Mrd. Euro schweren österreichischen IKT-Marktes und beschäftigt rund 36.000 Mitarbeiter. Die Partner in der ARGE Breitband Austria sind Alcatel Austria, Cisco Systems Austria, HP Österreich, IBM Österreich, Kapsch CarrierCom AG, Microsoft Österreich, SAP Österreich, Siemens AG Österreich, Telekom Austria, UPC Telekabel und Tele2/UTA.

Rückfragen & Kontakt:

Hochegger|Com, Koordinator der ARGE Breitband
Mag. Martin Kratky
Tel.: 01/505 47 01/DW 33

Studie + Broschüre können angefordert werden unter:
argebreitband@hochegger.com

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