Wirtschaftskammer Niederösterreich: Was Niederösterreichs Nachbarn von uns wollen!

Erstmals zeigt Wirtschaftskammer-Studie tschechische und slowakische Kundenwünsche auf:

Wien (OTS) - "Osteuropa-Touristen fühlen sich in Österreich benachteiligt!" Mit dieser Schlagzeile ließ dieser Tage die "ZiB 1" aufhorchen. Immer mehr Touristen aus Osteuropa würden sich "als Gäste zweiter Klasse" fühlen. Bemängelt wurde u.a., dass es auf Informationstafeln und Speisekarten keinerlei Hinweise in osteuropäischen Sprachen gebe, während Italienisch und Englisch sehr wohl zu finden seien.

Ausgangssituation
Die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) zeigt auf, dass es auch anders gehen kann. Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zum Thema "Verbraucherpotenzial in den tschechischen und slowakischen Grenzregionen" bringt nun erstmals ans Tageslicht, was Niederösterreichs Nachbarn wirklich von uns wollen.
"Die Wirtschaftskammer Niederösterreich hat sich in den vergangenen Jahren bereits intensiv mit den Themen Kaufkraftströme und Kaufkraftzuflüsse aus unseren Nachbarländern auseinandergesetzt. Mit durchaus positivem Ergebnis", stellt WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl fest. 2002 wurde erhoben, dass der Kaufkraftzufluss 476 Millionen Euro betrug. Nach einer Schätzung der OECD ist das doppelt so viel wie der Kaufkraftabfluss. Die Steigerung des Zuflusses liegt in einem Drei-Jahres-Vergleich bei 27 Prozent!
Durch den Ausfall der Mehrwertsteuer-Rückvergütung mit dem EU-Beitritt sowie den veränderten Handelsangeboten und Einkaufsgewohnheiten in Tschechien und in der Slowakei besteht nun die Gefahr einer dramatischen Verringerung der Kaufkraftzuflüsse -Experten schätzen bis 2010 um 20 Prozent - wenn Niederösterreich nicht sofort handelt.
"Das heißt: Ein besseres Kaufkraftmanagement ist ein Gebot der Stunde. Zumal auch die geopolitische Entwicklung rasant fortschreitet", sieht Zwazl sofortigen Handlungsbedarf. Die Studie über das Verbraucherpotenzial in den tschechischen und slowakischen Grenzregionen sei nun ein ganz wichtiger weiterer Schritt in die richtige Richtung, so die Präsidentin. Immerhin handle es sich dabei um rund 2,5 Millionen potenzielle Verbraucher in Tschechien und der Slowakei. Jährlich passieren 30 Millionen Personen in beiden Richtungen die tschechisch-niederösterreichische Grenze!

"Vitame vas" - "Willkommen Nachbar"?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie: Wer Geschäfte mit den Nachbarn machen will, muss neue Kommunikationsstrategien entwickeln. Sprachbarrieren abzubauen gehört selbstverständlich dazu. Und: "Wenn ich will, dass sich mein Nachbar als mein Gast und Kunde bei mir wirklich willkommen fühlt, dann muss ich zuerst einmal seine Lebensgewohnheiten und damit zusammenhängend seine Einkaufs- und Urlaubspräferenzen kennen", ist die Präsidentin überzeugt.

Erst dann könne man Angebot und Nachfrage entsprechend in Einklang bringen. Ganz wichtig sei es eben, die Nachbarn nicht nur besser kennen zu lernen, sondern sich mit ihnen - auf welche Art auch immer - besser verständigen zu können! Kleiner Tipp mit großer Wirkung: Ein Hinweisschild in der Muttersprache des Gastes am Geschäft, bei Preisauszeichnungen am Ortsrand könne oft schon Wunder wirken.
Laut Studie wird eine Reihe von Gelegenheiten (Einkauf oder touristische Attraktionen) zur Zeit gerade aus dem Grund nicht in Anspruch genommen, die Konsumenten in Tschechien oder in der Slowakei oft nur eine vage Vorstellung davon haben, was ihnen Niederösterreich eigentlich bieten kann.

Wie können Angebot und Nachfrage besser zusammen geführt werden? Durch gezieltere Information bei Kulturveranstaltungen, Abbau von Vorurteilen, Nutzung von Kommunikationskanälen, die richtige Wahl der Medien und Vernetzung des Kulturangebotes mit den Interessen des Handels und des Fremdenverkehrs wäre hier viel zu erreichen.
Zwazl: "Zudem muss ich auch wissen, welche Werbemittel im jeweiligen Land die Bevölkerung ansprechen. In Tschechien sind das beispielsweise Flugzettel. Der Medienkonsum - die jeweiligen Lese-und Sehgewohnheiten - spielen eine immens große Rolle."

Niederösterreichisches Regionalmarketing
Es gibt eine Reihe von Themen, die die Tschechen und Slowaken ansprechen können. Diese Studie beschäftigte sich mit ihnen ausführlich. Zu den grundsätzlichen Produkten für das niederösterreichische Regionalmarketing gehören zum Beispiel:
Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten des Landes (Burgen, Schlösser, Museen), Fahrradtouristik, Wein und Weinbau, Unterhaltungsaktivitäten (Aquapark, Tierpark, Themenparks). Generell: Niederösterreich als Region, die etwas für jede Alterskategorie bietet.
Die reale Entwicklung wird direkt davon abhängig sein, wie ein attraktives Angebot für die tschechischen Kunden der Region Niederösterreich entwickelt wird und auch wie wirkungsvoll sie sie kommunizieren kann.
Mehr Aufmerksamkeit sollte auch der Entwicklung der regionalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit über die Grenze gewidmet werden. So bietet sich etwa im Weinviertel der Aufbau eines grenzüberschreitenden Radwegenetzes an.
Überlegenswert ist weiters eine zielgerichtetere Marketingzusammenarbeit mit Wien. Als "Transitland" für den großstädtischen Massentourismus, könnte Niederösterreich durch attraktive Angebote für sich einen Nutzen ziehen.

Mit Qualität punkten
Eines zeigt die Studie ganz klar: Was auch immer unsere Nachbarn von uns wollen, es muss Qualität haben. Das trifft auf den Wellnessbereich genauso zu wie auf den Kultur- und Kunsttourismus oder auf ganz bestimmte Warengruppen: Dazu zählen Elektronik- und Sportgeräte, Gartentechnik, aber auch Nischenprodukte wie Winzerartikel.
Qualität ist aber auch überraschenderweise bei der Dienstleistung gefragt.
"Hier sind wir stark in Niederösterreich, hier bietet sich eine Chance. Denn hier sind unsere Gäste und Kunden auch bereit, Geld auszugeben", sieht die Präsidentin weitere Marktchancen für Niederösterreichs Wirtschaft.

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