Baustoffindustrie sieht Umsatzsteigerung 2004 mit gedämpftem Optimismus

Umsatz stieg 2004 um 6,5 Prozent - Erlöse stiegen nicht im selben Ausmaß - Beschäftigungsrückgang wurde gestoppt - vorsichtiger Optimismus in der Branche

Wien (PWK156) - "Wir sehen die deutliche Umsatzsteigerung in der Baustoffindustrie mit großer Freude, warnen aber vor übertriebenem Jubel", kommentierte heute Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes Stein- und Keramische Industrie der WKÖ, die soeben ausgewertete Konjunkturerhebung 2004. Die Umsätze stiegen im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent auf 3,03 Mrd. Euro. Natürlich überwiege insgesamt die Freude, aber "aufgrund der finanziellen Belastungen, die der Branche aufgebürdet werden, konnten die Erlöse nicht mit den Umsätzen Schritt halten", stieg Hennrich auf die Euphoriebremse. Am erfreulichsten für den Wirtschaftsstandort Österreich im Allgemeinen und die Baustoffindustrie im Speziellen sei, dass der seit 1997 bestehende kontinuierliche Beschäftigungsrückgang im vergangenen Jahr nahezu gestoppt werden konnte. Der Rückgang von 0,30 Prozent "ist eine statistisch kaum noch erfassbare Größe", freute sich Hennrich.

Hennrich präsentierte heute die Details aus der aktuellen Konjunkturerhebung des Fachverbandes Stein- und Keramische Industrie, an der sich 2004 insgesamt 191 Unternehmen beteiligten. Dies entspricht einem Repräsentationsgrad von 90,3 Prozent, gemessen an der Anzahl der in der Branche Beschäftigten.

Die Umsätze in der gesamten Branche entwickelten sich im vergangenen Jahr sehr positiv. Mit einem Umsatzplus von 6,50 Prozent gegenüber 2003, übersprang die Baustoffindustrie erstmals die 3 Mrd. Euro-Grenze. Der Gesamtumsatz lag 2004 bei 3,039 Mrd. Euro. "Keine einzige Teilbranche musste Umsatzrückgänge hinnehmen", hob Hennrich hervor.

Die stärksten Steigerungen verzeichneten die tiefbauorientierten Branchen (+13,41 %). Auch in allen anderen Sparten, vor allem der Beton- und Fertigteilindustrie, der Feinkeramischen Industrie und der Schleifmittelindustrie, gab es zum Teil erhebliche Zuwächse. Den Grund für die besonders großen Umsatzsteigerungen im Bereich Tiefbau ortete Hennrich darin, "dass dieser im vergangenen Jahr ein überdurchschnittliches Wachstum gegenüber der gesamten Bauwirtschaft hatte".

"Was uns alle besonders freut ist, dass wir den in der Branche seit 1997 bestehenden Beschäftigungsrückgang 2004 endlich Einhalt gebieten konnten", hob Hennrich hervor. Mit 14.006 Beschäftigten per 31.12.2004 betrug der Rückgang nur mehr 0,30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dass die Baustoffindustrie trotz der heute präsentierten Zahlen nicht in übertriebene Euphorie verfällt liegt darin begründet, dass die Erlöse nicht mit der Umsatzentwicklung Schritt halten konnten.

Hennrich nannte die dafür ausschlaggebenden Gründe:
Das Euro - Dollar Verhältnis wirkt sich sehr stark auf die tatsächlichen Erlöse bei exportorientierten Unternehmen aus. Durch den starken Euro sind die Umsätze höher als die tatsächlichen Erlöse. Die steigenden Rohstoff- und Energiepreise haben große Auswirkungen auf die Erlöse der Unternehmen.
Die zusätzlichen Belastungen durch das Road-Pricing schlagen sich 1:1 in höheren Transportkosten nieder.
Die hohen Umweltabgaben (Emissionshandel, Klimaschutz, Ökostrom) mindern die Erlöse entscheidend.
Die Umsatzsteigerung von 6,5 Prozent liegt auch zu einem entscheidenden Teil darin begründet, dass es im vergangenen Jahr 3 Arbeitstage mehr als 2003 gab. Allein diese Tatsache bewirkte 1,2 Prozent der Steigerung.

Fazit und Ausblick: Generalverkehrsplan und Emissionshandel prägen 2005.
"Insgesamt steht die Baustoffindustrie jedoch auf einer soliden Basis, auf die wir zuversichtlich bauen können", zog Hennrich eine Bilanz aus der Konjunkturbefragung des Fachverbandes und machte eine erste Vorschau auf 2005.

Der Generalverkehrsplan der Bundesregierung sieht 2,5 Mrd. Euro für Infrastrukturmaßnahmen vor. "Vor allem die Branchen Kies, Schotter und Transportbeton erhalten durch die Bauvorhaben im Bereich Straße und Schiene einen entscheidenden Schub", so Hennrich.

Der Hochbau hingegen leide im kommenden Jahr darunter, dass "die Wohnbaumaßnahmen auch im Jahr 2005 den tatsächlichen Bedarf nicht abdecken werden", bedauerte Hennrich. Anstelle des erforderlichen Neubaudarfs von 45.000 Wohneinheiten pro Jahr, werden 2005 nur 40.000 Wohneinheiten errichtet.

Die Standortfrage wird sich in den nächsten Wochen insbesondere den energieintensiven Unternehmen substanziell stellen. Vor allem die Kalk-, Zement-, Ziegel- und Feuerfestindustrie wird durch die aus dem CO2-Handel resultierenden Energieabgaben stark betroffen sein. "Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", betonte Hennrich abschließend. (us)

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