Rieder/Sima: Sichern nachhaltig Wiens Energieversorgung

Schwerpunkte 2005: Solaroffensive, Biomassekraftwerk, Wasserkraft, Windenergie und Versorgungssicherheit

Wien (OTS) - "Vor dem Hintergrund der liberalisierten
Energiemärkte hat eine verantwortungsbewusste und vernünftige Energiepolitik, wie sie die Stadt Wien betreibt, einen besonders hohen Stellenwert. Im Mittelpunkt stehen die Gewährleistung der Versorgungssicherheit, die Bereitstellung ausreichender Erzeugungskapazitäten, der sparsame Umgang mit der Energie auf der Erzeugerseite genauso wie auf der Verbraucherseite, und die Schonung von Umwelt und Ressourcen sowie kalkulierbare und faire Preise für die Kunden", erklärte Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder am Freitag bei einer gemeinsamen Medienkonferenz mit Umweltstadträtin Mag. Ulli Sima und Landtagsabgeordneten Peter Juznic.

Rieder, Sima und Juznic präsentierten beim Mediengespräch die energiepolitischen Schwerpunkte im Jahr 2005 mit besonderem Focus auf die erneuerbaren Energien. Vorgestellt wurde auch die Broschüre "Energie der Zukunft" . Sie enthält die Grundsätze, aktuellen Rahmenbedingungen und die Strategien für die Zukunft der Wiener Energiepolitik und wurde vom Arbeitskreis Energie des Sozialdemokratischen Klubs der Gemeinderäte unter der Leitung des anerkannten Energieexperten Univ. Prof. DI Dr. Reinhard Haas ausgearbeitet.

Schwerpunkt "Erneuerbare Energien" mit Solaroffensive

"Im Jahr 2005 setzen wir neben dem effizienten Umgang mit Energie und Energiesparmaßnahmen einen unserer energiepolitischen Schwerpunkte im Bereich der erneuerbaren Energien. Das Jahr 2005 steht unter dem Motto "Sonne für Wien", dabei soll den Wienerinnen und Wienern die Förderung für Sonnenenergie näher gebracht werden. Schon heute hat Wien die höchste Solarförderung Österreichs. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Ökostromanlagen in der Stadt. Wir werden diesen Weg der nachhaltigen Energieversorgung konsequent weitergehen", so Umweltstadträtin Mag. Ulli Sima.

Neben der Solaroffensive forciert die Stadt Wien mit dem neuen Biomassekraftwerk in Simmering oder dem Kleinwasserkraftwerk Nussdorf besonders umweltfreundliche Kraftwerke. Schon mit dem Kraftwerk Donaustadt, das im Jahr 2001 eröffnet wurde, hat die Wien Energie einen Meilenstein in Sachen effizienter und umweltfreundlicher Energieerzeugung gesetzt. Das hochmoderne Gas- und Dampfturbinenkraftwerk gilt als eines der effizientesten in Europa mit einem Gesamtwirkungsgrad von 85 Prozent bei gleichzeitiger Strom-und Fernwärmeerzeugung. Wien Energie beteiligt sich auch am Bau von Windkraftwerken. Aktuelles Beispiel dafür ist der Windpark Unterlaa, mit dessen Errichtung noch heuer begonnen wird.

Schwerpunkt: Versorgung und Erzeugungskapazitäten sichern

Langfristig wird Wien Energie auch den eingeschlagenen Weg beibehalten, alte Kraftwerksblöcke durch neue zu ersetzen, um einerseits die notwendigen Erzeugungskapazitäten zu sichern und damit möglichst unabhängig von Stromimporten zu sein und andererseits gleichzeitig den Wirkungsgrad älterer Kraftwerksblöcke entscheidend zu steigern. Entsprechende Machbarkeitsuntersuchungen für ein solches "Re-Powering" einzelner Kraftwerksblöcke am Standort Simmering werden heuer begonnen. Verlaufen die Untersuchungen positiv, dann könnte eine Realisierung im Jahr 2009 erfolgen.

Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit baut Wien Energie derzeit die sogenannte "380 kV-Nordeinspeisung", die über den Bisamberg nach Wien geführt wird - sozusagen als zweite "Nabelschnur" nach außen. Mit dem Bau wurde im Februar 2002 begonnen. Bis zum Sommer 2005 soll die Leitung in Betrieb gehen. Damit ist die Stromversorgung von Wien vor allem bei Spitzenlastzeiten im Winter auf Jahre hinaus gesichert. Außerdem kann bei Ausfall der größten Wiener Kraftwerksblöcke die Ersatzenergie über diese Leitung und das Verbundnetz nach Wien gebracht werden. Damit wird die Versorgungssicherheit für Wien entscheidend erhöht.

Wärme gewinnen mit Kraft der Sonne

Im KliP-Klimaschutzprogramm wurde das ehrgeizige Ziel definiert, bis 2010 in zusätzlichen 40.000 Wohneinheiten die Warmwasserbereitung mittels Sonnenkollektoren zu unterstützen. Das bedeutet eine Kollektorfläche von rund 300.000m2 zusätzlich. Die Wiener Umwelt wird damit um jährlich 47.000 Tonnen CO2 entlastet, ca. 1.500 Vollzeitarbeitsplätze gesichert und eine Steuerleistung von 34,5 Millionen Euro bis 2010 (davon 15 Prozent Kommunalsteuern) erbracht. Die Wertschöpfung beträgt 255 Mio Euro bis 2010 und der Energieertrag jährlich 105 GWh.

"Um noch mehr WienerInnen von der Solarenergie zu überzeugen, steht das heurige Jahr unter dem Motto Sonne für Wien. Die Bevölkerung soll über das Förderangebot der Stadt Wien umfassend informiert werden. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen, die dazu beitragen, den Solargedanken in Wien zu verbreiten, den Solarmarkt zu beleben sowie aktive Organisationen und Personen zu vernetzen" so Sima.

Auch in den Schulen werden bewusstseinsbildende Maßnahmen in Richtung erneuerbarer Energien gesetzt, mit einem "Solarkoffer" werden SchülerInnen über die ökologischen Vorteile der Sonnenenergie informiert. Den Ökostrombeirat - eine Einrichtung, die bewusstseinsbildende Maßnahmen, Schulprojekte, wissenschaftliche Projekte oder andere sinnvolle Maßnahmen zur Ökostromförderung vorschlägt - hat die Lehrmittelsammlung "Sonne und Co" kürzlich als sinnvolles Projekt für Schulen beurteilt. Mittels "Solarkoffer" werden künftig die Wiener Schülerinnen und Schüler ab 11 Jahren alles rund um die Sonnenenergie erfahren.

Strom aus Sonnenenergie: 277.000 Euro für sieben Projekte

Die Stadt Wien fördert Ökostromanlagen durch Investitionsförderungen zielgerichtet im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Im Februar 2005 hat der Wiener Ökostrombeirat sechs Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 79 kWp zur Förderung vorgeschlagen. Nach ihrer Fertigstellung werden diese sechs Anlagen jährlich 74.000 kWh - das ist etwa der Jahresbedarf von 20 Haushalten - Ökostrom produzieren. Eines dieser Projekte ist die Photovoltaikanlage der American International School in Salmannsdorf mit insgesamt 256 südlich ausgerichteten Photovoltaik-Modulen. Allein diese Anlage wird nach der Fertigstellung bei einer Leistung von 51,2 kWp jährlich 46.000 kWh Ökostrom erzeugen. Damit handelt es sich um die größte Photovoltaikanlage Wiens. Auch die Anlage von Arsenal Research auf den Paukergründen im 21. Bezirk wurde vom Beirat zur Förderung empfohlen. Die Module auf einer Fläche von 220 m2 dienen auch der Forschung. Die Wissenschafter unter-suchen im Rahmen eines EU-kofinanzierten Projektes unter anderem Lang-zeitverhalten der PV-Module. Für die sechs Photovoltaikanlagen und den "Solarkoffer" der ARGE Erneuerbare Energie Wien stehen insgesamt 277.000 Euro zur Verfügung. Mit den Projekten wird ein Investvolumen von rund 836.000 Euro ausgelöst.

Spatenstich für neues Biomassekraftwerk im April 2005

Ab Mitte 2006 wird auf dem Gelände des Kraftwerks Simmering ein mit Biomasse befeuerter Kraftwerksblock in Betrieb gehen. Die geplante Leistung wird bei rund 62 MW liegen. Um die ökologischen Vorteile des Biomasse-kraftwerks zu steigern, wurden bei der Dimensionierung höchste Technologiestandards berücksichtigt. Jährlich können durch die Verbrennung von CO2-neutraler Biomasse 144.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Pro Jahr werden

bis zu 200.000 Tonnen Waldhackgut und Rinde verbrannt. Die Brennstoffversorgung ist durch einen langjährigen Liefervertrag mit Österreichs größtem Waldbesitzer und Rohholzlieferant - der Österreichischen Bundesforste AG - abgesichert. Das Biomassekraftwerk wird jährlich rund 45.000 Haushalte mit Strom und 12.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Mit dem neuen Waldbiomasse-Kraftwerk leistet Wien Energie einen wesentlichen Anteil zur Erreichung des Ökostromziels in Österreich. Bis 2008 sollen vier Prozent des Stroms aus neuen erneuerbaren Energiequellen und 9 Prozent des Stroms aus Kleinwasserkraft erzeugt werden.

Kleinwasserkraftwerk Nussdorf wird derzeit gebaut

Wien Energie baut derzeit am Beginn des Donaukanals direkt in der Wehranlage unterhalb der Schemmerlbrücke Wien Nußdorf ein neues Kleinwasserkraftwerk. Nach Fertigstellung im Sommer 2005 wird das Kraftwerk jährlich etwa 24,6 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, womit etwa 10.000 Wiener Haushalte mit sauberster Energie versorgt werden können. Unter Wasser sorgen 12 Matrixturbinen für eine optimale Ressourcennutzung. Die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf ca. 15 Millionen Euro. Das Projekt wurde im Februar mit dem Climate-Star 2004 ausgezeichnet. Dieser Preis wird vom Klimabündnis, dem europäischen Städtenetzwerk zum Klimaschutz, ausgezeichnet. Wien Energie betreibt noch drei weitere Kleinwasserkraftwerke in Opponitz, Trumau und Gaming.

Neuer Windpark in Unterlaa

Im 10. Bezirk westlich und östlich vom Verbund-Umspannwerk wird ein neuer Windpark mit 5 Windkraftanlagen errichtet. Betreiber ist die "WINDNET Windkraftanlagenbetriebs GmbH & Co KG", an der WIENSTROM zu 85 Prozent beteiligt ist. Insgesamt werden fast 8,7 Millionen Euro in das Projekt investiert. Die fünf Windräder haben eine gemeinsame Leistung von 7,8 MW und werden pro Jahr 13,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit können rund 5.500 Haushalte mit Strom versorgt werden. Derzeit werden die Fundamente errichtet. Die Windräder sollen sich bereits ab Herbst 2005 drehen. Weiters beteiligt ist die Wien Energie an Windkraftanlagen im burgenländischen Gols/Pama.

Wärme aus dem Lainzer Tunnel heizt Schule

Seit Februar 2004 wird die Sportmittelschule der Stadt Wien in Hadersdorf mit Erdwärme aus dem Lainzer Tunnel beheizt. Dafür hat die Stadt Wien einen Anerkennungspreis beim Wettbewerb "Energieprofi 2004" erhalten. Die Nutzung von Erdwärme hilft, den Einsatz von Primärenergie und damit den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu verringern. Pro Jahr werden rund 200 MWh Wärme über eine Wärmepumpe aus dem Tunnel in die Schule transportiert. Das spart jährlich etwa 25 000 m3 Erdgas und damit mehr als 10.000 Euro. Die jährlichen Emissionen an CO2 verringern sich um etwa 30 Tonnen. (Schluss) gat/vor

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