Reanimation im Spital: Studie ortet Mängel bei Wiederbelebungsmaßnahmen

Mehr als die Hälfte der Bettenstationen hat keine manuellen Defibrillatoren - Experten fordern bessere Schulung von Spitalsangehörigen

Wien (OTS) - Erstmals belegt eine aktuelle Studie Mängel bei Notfällen in Spitälern wie plötzlichem Herzstillstand. Demnach verfügt zwar mehr als die Hälfte der österreichischen Krankenanstalten über ein organisiertes Herzalarm- beziehungsweise Notfallteam. Allerdings gibt es in nur 35 Krankenanstalten (von 114) medizinische Alarmierungskriterien für lebensbedrohliche Erkrankungen der Patienten. Zudem verfügen 54 Prozent der Bettenstationen über keinen manuellen Defibrillator. Die Ärztekammer fordert nun regelmäßige Schulungen aller Mitarbeiter in Basisreanimationsmaßnahmen, die Bereitstellung halbautomatischer Defibrillatoren in ausreichender Zahl sowie eine bessere notfallmedizinische Dokumentation.****

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

- Mehr als die Hälfte der österreichischen Krankenanstalten (jenen, die an der Befragung teilgenommen haben; Rücklaufquote: 41 Prozent) verfügt über ein organisiertes Herzalarm- beziehungsweise Notfallteam. Dieses wird meist nicht nur bei Kreislaufstillstand, sondern auch bei anderen Notfällen alarmiert. Allerdings gibt es nur in 35 Krankenanstalten definierte pathophysiologische (medizinische) Alarmierungskriterien für lebensbedrohlich erkrankte Patientinnen und Patienten.

- 90 Prozent der Krankenanstalten bestätigen das Eintreffen eines organisierten Notfallteams innerhalb von vier Minuten. Die Bandbreite liegt zwischen 30 Sekunden und zehn Minuten.

- Zu 86 Prozent ist an den normalen Bettenstationen in Österreichs Spitälern eine standardisierte Notfallausrüstung vorhanden. Bei 54 Prozent der Bettenstationen ist jedoch kein manueller Defibrillator sofort verfügbar.

- In fast allen Krankenanstalten, die an der Umfrage teilgenommen haben, werden regelmäßig Reanimationsschulungen angeboten. In vielen Spitälern ist die Teilnahme sogar verpflichtend, jedoch nur in 20 Prozent der Fälle steht dafür auch ein eigenes Budget zur Verfügung.

- Die einzelnen Berufsgruppen werden in unterschiedlichem Ausmaß geschult, obwohl die Leitlinien des Internationalen Wiederbelebungsrates (ILCOR) seit 1997/98 eine Schulung des gesamten Krankenanstaltenpersonals in Basisreanimation inklusive AED (halbautomatischer Defibrillator) empfehlen.

- Innerklinische Reanimationen werden in Österreich - bis auf wenige Einzelfälle - unzureichend dokumentiert. Auswertungen und somit Informationen über das Überleben der Patientinnen und Patienten sind eine Rarität. Nur vier österreichische Krankenanstalten können definitiv angeben, wie viele reanimierte Patienten das Spital lebend verlassen.

Fehlermanagement und Dokumentation fehlen

Die Kritik der Ärztekammer setzt demnach auch am unzureichenden Fehlermanagement sowie an der mangelhaften Dokumentation bei innerklinischen Reanimationen an: "Wir wissen nicht, wie viele Patienten tatsächlich einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand in Spitälern überleben, geschweige denn, in welchem körperlichen oder geistigen Zustand sie das tun", betont der Präsident der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner. Betroffene Ärztinnen und Ärzte verfügten dadurch über keine persönliche Rechtssicherheit. Und es gebe bis dato auch keine Grundlage, auf der man Verbesserungsmaßnahmen fordern könnte. Dorner freut sich aber über die ausgezeichnete Rücklaufquote der Studie und die engagierten Kommentare der Kolleginnen und Kollegen in den Krankenanstalten.

Positive Aspekte aus der Studie trotz Mängelauflistung in bestimmten Bereichen zieht auch Walther Helperstorfer, Präsident der Ärztekammer für Burgenland und Referent für Notfall- und Rettungsdienst sowie Katastrophenmedizin der Österreichischen Ärztekammer. Helperstorfer rechnet es den teilnehmenden Krankenanstalten und der dort tätigen ärztlichen und nicht ärztlichen Kollegenschaft "hoch an, dass sie den Mut zu dieser Befragung und zur Transparenz hatten". Die Offenheit zeuge von "Problembewusstsein und dem Willen, nicht alles beim Alten zu belassen".

Nicht alle Spitalsärzte hätten nämlich eine notfall-beziehungsweise intensivmedizinische Ausbildung. "Das diplomierte Pflegepersonal hat zwar meist das richtige "G'spür" für Notfallpatienten, doch wir dürfen es wohl nicht dem subjektiven Feeling jedes Einzelnen - egal, ob Pflege- oder ärztliches Personal -überlassen, ab wann ein Patient in Lebensgefahr ist." Dies entspreche nicht den wissenschaftlich-notfallmedizinischen Erkenntnissen, so Helperstorfer. (bb/hpp)

(Forts.)

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