Wie der Hase läuft

"Presse"-Glosse von Norbert Mayer

Wien (OTS) - Viele halten ihn für ein possierliches Tier, doch Lepus europaeus wird von Gelehrten als gemeiner Feldhase bezeichnet. Das sollte zu denken geben. Die Sippschaft schlägt Haken. Einem dieser Tricks ist der Direktor der Albertina beinah zum Opfer gefallen.
Klaus Albrecht Schröder hat das Kunststück der plötzlichen Richtungsänderung nachahmen wollen und einen Salto geschlagen. Dürers "Feldhase", dozierte der Direktor bald nach seinem Antreten in der größten Grafiksammlung der Welt, sei so unschätzbar und dabei so fragil, dass man ihn nur einmal in 25 Jahren ausstellen dürfe. Danach müsse dieser Weltmeister im Sprint zur Erholung für eine Generation ins Depot. Das war ein genialer Werbe-Trick, der sich rasch bewährte. Hunderttausende wollten das Vieh bei der Dürer-Schau im Herbst 2003 sehen, die letzte Chance sozusagen für die alten Hasen unter den Kunstfreunden. Lepus europaeus musste für ein Jahr in den Schatten, Schröder sonnte sich im Glanz der Besucher-Rekorde.
Doch der Haken dabei: Wundersamerweise hatte die erklärte Ruhephase des Hasen eine kurze Halbwertszeit. Bald hieß es fünf statt 25 Jahren, dann schlugen zwei geplante Sonderausstellungen im Ausland zu Buche. Ist also immer Hasen-Saison? Das verwirrt. Was sagen die Fachleute? Die streiten. Was sollte Schröder sagen? Man könnte doch eilig ein Geständnis expedieren: Der Hase ist haltbarer als so manche Sensationsmeldung aus den Museen.

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