Boltz: "Stromwettbewerb läuft nicht so, wie wir uns das vorstellen"

"Qualität des Unbundling entscheidend für funktionierenden Wettbewerb" - Zweiter E-Control-Zwischenbericht in der Endausarbeitung

Wien (PWK149) - "Es bedarf noch großer Anstrengungen, bis der österreichische Elektrizitätsmarkt jene Wettbewerbsfähigkeit aufweist, die die Kunden in Österreich verdienen", stellte der Geschäftsführer der Energie Control GmbH, DI Walter Boltz, heute, Mittwoch, im Rahmen der Tagung "Energiepolitik & Wirtschaftsstandort" im Haus der Wirtschaft fest. Schwachstellen ortete Boltz vor allem im unzureichenden "Unbundling", in der Verunsicherung der Kunden und den verschiedenen Erschwernissen für Mitbewerber.

Als mögliche Maßnahmen sieht Boltz dementsprechend ein effektives Unbundling, also die tatsächliche Trennung von Netz und Vertrieb wie bei einer eigentumsrechtlichen Trennung. Die Frage sei allerdings, ob dies bei der jetzigen Eigentümerstruktur überhaupt möglich ist. "Die Qualität des Unbundling ist nach bisherigen Erfahrungen entscheidend für einen funktonierenden Wettbewerb", hielt Boltz fest.

Gleiche Informationen für alle Mitbewerber könnten nach Ansicht des Stromregulators durch eine Art zentraler Zählpunktsdatenbank mit einfachem Zugriff auf Kundendaten, elektronischer Lesbarkeit aller Daten durch alle Marktteilnehmer und Übermittlung der Zählerdaten an alle Lieferanten herbeigeführt werden. Chancengleichheit müsste auch für Lieferanten ohne Kraftwerke bestehen. Ergänzend dazu müsste es mehr Rechte für Kunden und eine Stärkung der Glaubwürdigkeit der Mitbewerber geben, heißt es in der von Boltz präsentierten E-Control-Branchenuntersuchung. Der zweite E-Control-Zwischenbericht befinde sich in der Endausarbeitung, kündigte Boltz an.

Die vorliegende Branchenuntersuchung stellt die starke Konzentration der österreichischen E-Wirtschaft heraus. Die fünf größten Unternehmen haben demnach, je nach Kundengruppe, zwischen 75 und 90 Prozent Marktanteil. Bemerkenswert, so Boltz, sind auch die geringen Wechselquoten und die hohen Preisdifferenzen bei Kleinkunden. Da die Wechselgefahr aus Sicht der Lieferanten sehr gering ist, können hohe Margen offenbar leicht untergebracht werden. Auch gebe es kaum Werbeaktivitäten der Wettbewerber. Ausländische Anbieter müsste man, so Boltz, überhaupt "mit der Lupe suchen". Ihr Anteil liege derzeit bei einem Prozent und tendiere gegen Null.

Die von WKÖ-Generalsekretär-Stv. Reinhold Mitterlehner eingeleitete und vom Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik, Stephan Schwarzer, moderierte ganztägige Veranstaltung befasst sich im weiteren Verlauf mit der aktuellen Marktentwicklung (Florian Haslauer, A & T Kearney), mit der Entwicklung der Marktpreise und den Auswirkungen auf den Strompreis (Christian Kern, Vorstand der Verbund-APT), mit der Transparenz am Strommarkt (Barbara Schmidt, Leiterin der Schlichtungsstelle der Energie Control GmbH), Fragen der industriellen Eigenstromerzeugung (Andreas Glatzer, CMOÖ) und den Möglichkeiten und Herausforderungen für den Stromeinkauf im liberalisierten Elektrizitätsmarkt. (hp)

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