"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Hase und die Igel oder: Ein Wettlauf zum Fettnapf" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 02.03.2005

Graz (OTS) - In der bekannten Geschichte vom Wettlauf zwischen
Hase und Igel(n) obsiegen Letztere: Sie treten heimlich zu zweit an und sind jeweils immer schon am Ziel, wenn der Hase eintrifft.

Im Fall des Dürer'schen "Feldhasen" (siehe auch Seiten 58/59) sind mehrere Igel zugange. Und die sind im Rennen um den ersten Platz am Fettnapf.

Da ist einmal Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, der mit dem Bild-Verleih zwar der üblichen Praxis folgte, mit dem provokativ späten Ansuchen an das Bundesdenkmalamt und seinen tagelangen Schweigesekunden in der Vorwoche seine durchaus zahlreichen Gegner überreizt hat.

Da ist das Bundesdenkmalamt, das ohne Zweifel streng nach Vorschrift gehandelt hat, aber offenbar ein Kronjuwel des Weltkulturerbes nicht von einem durchschnittlichen Impressionisten unterscheiden kann. Bei einer Adresse wie Prado und einem Künstler wie Dürer sind massive Reaktionen zu erwarten, wenn es zu Konflikten kommt. Also hätte man von vornherein eine kompetente Ministerin mit einbeziehen müssen, die ja ihr Placet hätte geben können. - Oder hatte man mit Schröder wegen des Albertina-Umbaues noch eine Rechnung offen?

Bleibt noch Elisabeth Gehrer, deren aktuelle Reaktion allerdings geeignet ist, Kompetenzverdacht weitgehend auszuräumen: Mit dem Spruch, der Feldhase könne im Prado bleiben, aber bitte nur vier Wochen. Geht es noch peinlicher?

Wie schon zuvor Pisa ist auch dieser Fall geeignet, jahrelange Versäumnisse des Gesetzgebers bzw. des Museumsministeriums aufzudecken.

Zum einen stammen die meisten Denkmalschutzbestimmungen aus einer Zeit, in der ganz andere, in der Tat gefährliche Transportbedingungen herrschten. Zum anderen ist der seinerzeit relativ gemächliche Museumsbetrieb mit dem quotengeilen Konkurrenzkampf der heute halb privaten Häuser nicht vergleichbar. Wer keine Meisterwerke verleiht, kriegt keine geliehen. Wer keine Meisterwerke zeigt, wird vom Publikum gemieden. Und von den Medien ebenso.

Längst wären auf politischer Ebene Taten fällig: etwa eine Anpassung der Gesetze an die Technik von heute. Und mehr noch, ein klarerer Auftrag an die Museumsleiter, worin ihre eigentlichen Aufgaben bestehen. Nach jahrelanger Sammelei und Schatzhüterei sind sie nämlich ins Gegenteil geschlittert: Bilanzen und Besucherzahlen dominieren über den Bildungsauftrag. Worin auch immer dieser bestehen mag.

Dies alles neu zu definieren ist der Auftrag an die Politik. ****

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