DER STANDARD-KOMMENTAR "Sittenbild mit Feldhase" von Claus Philipp

Klaus Albrecht Schröders Wille zum Erfolg schlägt denkwürdige Kapriolen - Ausgabe vom 2.3.2005

Wien (OTS) - Sollten die Produzenten der James-Bond-Filme neben einem neuen Hauptdarsteller demnächst auch einen attraktiven, toughen, charismatischen Gegenspieler mit Hang zur totalen Macht über den gesamten Erdball suchen - man lasse ihnen doch bitte eine Aufzeichnung des jüngsten Auftritts von Klaus Albrecht Schröder in Treffpunkt Kultur zukommen.

Selten erzählte einer selbstbewusster und hypnotisierender über internationale Tagungen mit Topexperten, modernstes Know-how, ultraprofessionelle Sicherheitsmaßnahmen und globale Vernetzungen. Man sah es förmlich vor sich, wie ein Lkw-Konvoi mit wertvollsten, hightechgeschützten Albertina-Kunstwerken durch Europa rollt, unter permanenter Luftüberwachung und in ständigem Kontakt mit niemand Geringerem als Klaus Albrecht Schröder, jenem Giganten, den sein Erfolg mitunter zwar bereits zu belasten beginnt - der aber gleichzeitig weiß: No way out! Wer sonst würde Österreich mit Topausstellungen beschenken, wenn nicht er?

Das war überhaupt das Totschlagargument Schröders: Wenn wir hier in Österreich Topkunstwerke importieren wollen, dann werden wir auch selber Topkunstwerke verleihen müssen! Ob das alle Topkunstwerke aushalten und ob man überhaupt Topkunstwerke auf Biegen und Brechen importieren wollen muss (früher fuhr man einfach in andere Länder, um welche zu sehen), steht zwar auf einem anderen Blatt. Aber über 800.000 Albertina-Besucher brüllen: Mehr! Und Klaus Albrecht Schröder? An eine Schuld seinerseits in der unsäglichen Feldhasen-und Rasenstück- Affäre "glaubt" er nicht.

Schuld sei bestenfalls die Spedition, wiewohl: selbstverständlich ein Topunternehmen! Schuld sei darüber hinaus, so Schröder, ein System, das über gut 16 Jahre hinweg die Verantwortung in die Hände von Topspeditionen gelegt hat - so als ob die Kunsttransporteure eigenhändig Ausstellungen in Madrid und Washington vereinbaren würden!

Das klingt alles ein wenig schräg? Gewiefte James-Bond-Seher wissen:
Wenn der manische Gegenspieler von Agent 007 so zu monologisieren beginnt, wähnt er sich in unmittelbarer Nähe zur totalen Weltmacht, und das unweigerliche explosive Ende kennt man ja - aber Österreich ist da wieder einmal anders.

In Österreich ist es mittlerweile fast normal, wenn sich zum Beispiel der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, in sein Auto setzt, um privat in Italien Saliera-Entführer zu jagen und dabei diverse Geschwindigkeitslimits zu überschreiten. In Österreich ist es völlig normal, dass Direktoren wie Seipel und Schröder mit den ihnen anvertrauten öffentlichen Räumen und Kunstwerken verfahren, als wären es ihre eigenen. Und es gilt zumindest für die zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer als völlig selbstverständlich, dass dieses Verhalten und diese grandiose Selbstüberschätzung mit Besucherquoten legitimiert werden.

Und so geht’s weiter: von einer Tretmine in die nächste. Mit selbstbewusstem Aufstampfen, um die Tretminen gegebenenfalls zu zertreten. Das wäre ja gelacht! Gesichtsverlust bei Kooperationspartnern im Prado? Vermutlich kein Problem! Jammert hier immer noch jemand über eine "schräge" Optik? Vielleicht muss man die Dinge nur "schräg" betrachten, damit sie wieder "normal" erscheinen! Wäre es denkbar, dass diese Sichtweise irgendwann zu gröberen Haltungsschäden führt? Egal! Solange man Erfolg hat, gibt einem der Erfolg Recht. Hinter uns die Sintflut!

Aber vor uns? Wenn die Casting-Agenten aus Hollywood Klaus Albrecht Schröder demnächst nicht die Tür einrennen und seinen Starallüren Rechnung tragen, und wenn er am Erfolg nicht vollends zu verzweifeln beginnt, dann hat er wohl durchaus berechtigte Hoffnung, irgendwann einmal Wilfried Seipel im KHM zu beerben. Und bis dahin wird man wohl auch "hochgespielte" Nebensächlichkeiten wie den jüngsten Feldhasen-Transport zu Hochsicherheitsgroßtaten zurechtevaluiert haben.

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