Jede 3. Frau entscheidet sich nach Frauenhausaufenthalt für ein Leben ohne gewalttätigen Partner

Dachorganisation der Frauenhäuser veröffentlicht Gewalt-Statistik 2004

Wien (OTS) - 2.767 Frauen und Kinder haben in Österreich im Jahr 2004 in 24 Frauenhäusern Schutz und Unterkunft gefunden. Das entspricht in etwa den Zahlen vom Vorjahr, wie aus der jüngsten Statistik des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser hervorgeht. Jede dritte Frau hat sich nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus für ein Leben ohne den gewalttätigen Partner entschieden. Um diesen Schritt zu erleichtern, helfen die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen bei der Wohnungs- und Jobsuche. Günstige Wohn-möglichkeiten sind aber vor allem im ländlichen Bereich Mangelware.

Ein Viertel kehrt zurück zum Misshandler

26 Prozent der Frauen, die 2004 in einem autonomen Frauenhaus gewohnt haben, sind nach dem Frauenhaus-Aufenthalt allerdings wieder zum Misshandler zurückgekehrt. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Manche Frauen wollen sich trotz der Gewalt, die sie erlebt haben, (noch) nicht von ihrem Partner trennen, andere sind abhängig vom Einkommen des (Ehe-)Mannes. Zurückgehen bedeutet aber nicht zwingend die Fortsetzung der Gewalt: Schon ein kurzer Aufenthalt im Frauenhaus, sowie die Gewissheit, dass sie dort Schutz und Unterstützung finden, kann die Position der Betroffenen stärken.

Prekäre Situation für Migrantinnen

Frauenhäuser stehen für alle weiblichen Gewaltopfer offen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion. Frauen, die nicht in Österreich geboren sind, befinden sich jedoch in einer besonders prekären Situation, wenn sie von ihren Ehemännern misshandelt werden:
Viele sind in ihrem Aufenthaltsstatus abhängig vom Gewalttäter und können sich deshalb nicht trennen. Sie sind gezwungen, die Misshandlungen zu ertragen. Die Mitarbeiterinnen der autonomen österreichischen Frauenhäuser verlangen deshalb die Änderung der gesetzlichen Bestimmungen für Migrantinnen in Österreich. Dazu gehört die Forderung nach einem eigenständigen Aufenthaltsstatus für Frauen, die im Rahmen der Familien-zusammenführung hergekommen sind, einem uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt sowie dem Anspruch auf Sozialleistungen.

Fehlende gesetzliche Absicherung

Die Finanzierung der Frauenhäuser ist Sache der Länder und wird meistens über einjährige Subventionsverträge geregelt. Oberösterreich, die Steiermark und das Burgenland sind bislang die einzigen Bundesländer, in denen die Finanzierung durch eine gesetzliche Regelung gesichert ist. In Wien sind alle vier Frauenhäuser durch die Stadt abgesichert. Am 3. März wird in Kapfenberg das zweite steirische Frauenhaus neben Graz eröffnet.

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser

In der Dachorganisation der autonomen Frauenhäuser sind derzeit 24 Einrichtungen in ganz Österreich vernetzt: Frauenhaus Amstetten, Burgenland, Dornbirn, Graz, Hallein, Innsbruck, Innviertel, Klagenfurt, Lavanttal, Linz, Mistelbach, Neunkirchen, Pinzgau, Salzburg, Steyr, St. Pölten, Villach, Vöcklabruck, Wels, Wien (vier Frauenhäuser) und Wr. Neustadt. Der 1988 gegründete Verein ist Träger für die Informationsstelle gegen Gewalt, das europäische Netzwerk WAVE Women Against Violence Europe sowie die Frauenhelpline 0800/222 555.

Rückfragen & Kontakt:

Die Gesamtstatistik sowie weitere Informationen:
Informationsstelle gegen Gewalt, Daniela Almer
Tel. 01/544 08 20,
informationsstelle@aoef.at
www.aoef.at/start.htm

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