WENN DER EINBRECHER ZWEI MAL KLINGELT

Einbruchdiebstahl in Wohnobjekten im letzten Jahr um 68,6% gestiegen. Leichtgläubigkeit und fehlende Zivilcourage öffnen Langfingern Tür und Tor.

Wien (OTS) - Einbruchdiebstahl gehört in Österreichs Wohnhausanlagen scheinbar schon zum Alltag. 2002 wurden in ganz Österreich 8931 Fälle gemeldet, 2004 hat sich diese Zahl beinahe verdoppelt: 17461 Mal haben im letzten Jahr ständig benutzte Wohnobjekte zugeschlagen. Besonders alarmierend ist die Situation in Wien, denn hier haben sich die registrierten Fälle von 4691 im Jahr 2002 um mehr als das Zweifache auf 11613 erhöht. Sind die Einbrecher in den letzten zwei Jahren derart raffiniert geworden oder steckt eine viel einfachere Erklärung dahinter?

Das Institut für technische Sicherheit (ITS) ging dieser Frage mit einer Feldstudie auf den Grund. Und das Ergebnis zeigt, dass es leider die Hausbewohner selbst sind, die sich keine großen Gedanken über ihre eigene und noch weniger über die Sicherheit anderer machen. "Unsere Untersuchung zeigt, dass Eigeninitiative das beste Mittel ist, um sich und andere vor Diebstahl zu schützen. Denn die meisten Einbrecher wenden ganz simple Tricks an", betont DI Bernhard Noll, Leiter des ITS. "Aufmerksamkeit und Kleinigkeiten wie einfach die Haustür zusperren sind am effektivsten."

Einbruch auf Nachfrage

Getestet wurden 201 Mehrfamilienhäuser (keine Neubauten) vom ersten bis in den neunten Wiener Gemeindebezirk. Bei jedem zweiten Haus (69 Prozent) war es mühelos möglich, ins Stiegenhaus zu gelangen. Oft stand die Haustüre einfach offen (23 Prozent) oder die geschlossene -aber unversperrte - Tür ließ sich ohne Probleme öffnen (20 Prozent). In 17 Prozent der Häuser wurde den potenziellen Dieben sogar von einem Bewohner, der gerade das Haus verließ, ohne nachzufragen die Tür offen gehalten. Einbruch auf Nachfrage ist scheinbar die wirkungsvollste Methode: Bei 10 Prozent wurde die Tür nach Anläuten ohne Benutzen der Gegensprechanlage sofort geöffnet. In 30 Prozent der Fälle ließen sich die Bewohner von ganz banalen Einlass-Bitten überrumpeln. Am häufigsten genügte der Satz "Ich bringe Werbematerial, lassen Sie mich hinein", um sich unerwünschten Zutritt zu verschaffen (40,5 Prozent). 33,5 Prozent drückten auf den Türöffner, wenn angeblich ein Paket für eine andere Wohnung gebracht wurde und 26 Prozent ließen sich von einer Blumenlieferung für jemanden anderen erweichen. Vor allem am Vormittag und frühen Nachmittag, wenn die meisten Nachbarn arbeiten, Lieferungen und Postzustellungen erwartet werden, sind die Menschen leichtgläubiger. Deshalb waren 83 Prozent der Eindringversuche auch bis 14 Uhr erfolgreich.

Wenig Interesse an gemeinsamer Sicherheit

Niemand weiß besser über die Vorgänge in einem Mehrfamilienhaus Bescheid als der Hausmeister. Gerade in Wien ist aber die Zahl der Hausbesorger in den letzten Jahren stark gesunken und deshalb fehlt in den meisten Anlagen jemand, der auch ein wachsames Auge auf hausfremde Personen wirft. Beunruhigend ist aber vor allem die Tatsache, dass scheinbar das Interesse an der eigenen unmittelbaren Umwelt und den darin lebenden Mitmenschen drastisch sinkt. Nur bei neun Prozent der untersuchten Häuser wurde der Eindringling überhaupt danach gefragt, was oder wen er sucht.

Einfache Maßnahmen - mehr Schutz

Man braucht nicht erst ausgeklügelte Alarmanlagen und Sicherheitssysteme zu installieren, um den Dieben und Einbrechern einen Riegel vorzuschieben. Einfache vorbeugende Maßnahmen und gesundes Misstrauen können einiges vermeiden. "Über zwei Drittel der Einbrecher sind so genannte Spontantäter", weiß Noll. "Eine offene Haus-, Keller- oder Bodentür ist deshalb geradezu eine Einladung zur Straftat. Die Tür auch tagsüber zusperren und nicht nur zuziehen ist ein effektives Gegenmittel." Wenn jemand klingelt, kann das auch eine Anwesenheitskontrolle sein. Daher niemals öffnen ohne nachzufragen, wer ins Haus will. Auch Informationen über Nachbarn, vor allem über ihre An- und Abwesenheitszeiten, sollten niemals an fremde Personen weitergegeben werden. Und wenn Fremde im Haus sind, macht man es im Zweifelsfall am besten wie die Hausmeister: Einfach ansprechen!

Institut für technische Sicherheit - Schutz Haus

Das Institut für technische Sicherheit - Schutz Haus, kurz ITS, beschäftigt sich als Teil des Kuratorium für Schutz und Sicherheit mit der effektiven Prävention von Bränden, Einbrüchen und Diebstählen, sowohl im privaten als auch im unternehmerischen Bereich. ITS entstand aus der 1945 gegründeten Zentralstelle für Brandverhütung und wirkt heute an der Gestaltung nationaler und internationaler Normen- und Richtlinien mit. Zusätzlich führt ITS Abnahmen und Revisionen von Brandschutzanlagen sowie die Überprüfung von Alarmanlagen durch.

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