Prammer zu Einkommensentwicklung bei Frauen: Politik ist gefordert

Wien (SK) Als "Luxus, den sich Österreich eigentlich nicht leisten darf", bezeichnete die Zweite Nationalratspräsidentin und SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch mit SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter die Tatsache, dass jede zweite Frau in Österreich den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der "Babypause" nicht schafft. "Frauen haben ein Recht darauf, auf eigenen Beinen zu stehen und ein eigenes Einkommen zu haben", betonte Prammer. Der verschärften Situation am Arbeitsmarkt müsse man mit Maßnahmen wie Wiedereinstiegsmillionen (100 Mio. Euro)für Qualifikation, flexible Arbeitszeitmodelle, die die Autonomie der Eltern stärken, einem Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und einer Stärkung von Vollzeit-Arbeitsverhältnissen sowie Frauenstiftungen begegnen. ****

"Man muss immer bedenken, wenn sich zehn Frauen auf einem Platz befinden, sind vier davon teilzeitbeschäftigt. Dass sich das auf die Einkommensskala niederschlägt, ist klar", sagte Prammer. Die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende sieht sich durch Umfragen bestätigt, dass Frauen lieber Vollzeit erwerbstätig wären, hätten sie die Unterstützung durch geeignete Rahmenbedingungen. Dass die aktuellen Statistiken nicht mehr "teilzeitbereinigt" sind, begrüßt Prammer; sie würde sich - um ein realistischeres Bild zu erhalten - sogar wünschen, die Erwerbsquoten nach Vollzeit-Arbeitsplätzen anzuführen.

Selbst bei den Beamtinnen hat sich die Situation verschlechtert. Dadurch, dass es im öffentlichen Bereich keine Neuaufnahmen mehr gibt und der Aufholprozess der Frauen noch nicht abgeschlossen sei, sei es "logisch", dass sich dies auf die Einkommenssituation niederschlägt. Vor allem die mittlere leitende Ebene sei außer Kraft gesetzt worden, ein Bereich im öffentlichen Dienst, der von viele Frauen nach einer höheren Qualifikation angestrebt wurde.

Die Steuerreform 2005 habe die Einkommensschere noch verschärft. Bei den von der Steuerreform vor allem begünstigten Einkommensgruppen handelt es sich um solche, bei denen man "Frauen mit der Lupe suchen muss".

Um bessere Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, müsse man "das Rad nicht neu erfinden", so Prammer. Ein Blick nach Skandinavien würde genügen, dort hätten Menschen mit kleinen Kindern große Arbeitszeitautonomie. "Nicht um den Ausstieg, wie die Regierung das propagiert geht es, sondern um die Möglichkeit des größtmöglichen Entgegenkommens des Arbeitgebers", so Prammer. Ist es den Eltern möglich, relativ frei über ihre Arbeitszeit zu verfügen, können diese auch länger arbeiten, haben eine größere Arbeitsplatzzufriedenheit und schließlich höhere Produktivität. Die Wirtschaft würde dabei kaum Schaden nehmen. "Mir ist nicht bekannt, dass die schwedische Wirtschaft vor die Hunde geht", begründete Prammer, und Matznetter assistierte: "Im Gegenteil!"

Prammer betonte als wirksame Maßnahme zur Förderung der Frauenerwerbstätigkeit und Verbesserung der Chancen für Wiedereinsteigerinnen die Frauenstiftungen. So gebe es große Anstrengungen der SPÖ, eine österreichweite Stiftung ins Leben zu rufen. "Im Bezirk Steyr gibt es seit vielen Jahren die einzige Frauenstiftung in ganz Österreich, die sich sehr bewährt hat." Es handle sich dabei um eine besonders effektive Form der Kooperation zwischen Arbeitsvermittlung, Qualifizierung und Unternehmen - "Wien hat mit dem WAFF ähnliches", so Prammer.

Abschließend forderte Prammer mehr Förderungen der Geschlechtssensibilität bereits im Kindergarten, um Mädchen und Buben für atypische Berufe zu interessieren. (Schluss) up

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