Ettl: Europäische Textilindustrie braucht mehr Hilfe im globalen Wettbewerb

Auslaufen des Welt-Textilabkommens könnte Zahl der Arbeitsplätze halbieren

Wien (SK) Engagement und kreative Lösungen zur Unterstützung der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie fordert Harald Ettl, SPÖ-Europaabgeordneter und Mitglied der Ausschüsse für Wirtschaft und Soziales, von der EU-Kommission. Hintergrund ist das Auslaufen des Welt-Textilabkommens. Mit dem Ende dieses Abkommens, so Ettl in seiner Eigenschaft als weltweiter Vizepräsident der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeitervereinigung, sei der globale Textilmarkt frei gegeben worden. Verbleibende Handelsbeschränkungen seien gefallen. ****

"Für die europäische Textilindustrie steht deshalb zu befürchten, dass sich die Zahl der Beschäftigten von derzeit 2,7 Millionen Menschen in den nächsten Jahren um die Hälfte reduzieren wird." Im Gegenzug werde China seinen Anteil am Welt-Textilmarkt wahrscheinlich von 20 auf 50 Prozent steigern. Deshalb werde heute das Europäische Parlament an die EU-Kommission eine Anfrage richten, mit welchen Begleitmaßnahmen die europäische Textilindustrie unterstützt werden kann.

Ettl: "Eine Analyse der Situation existiert bereits. Nun wollen wir von der Kommission Vorschläge für konkrete Aktionen. Denn sich nur auf den Standpunkt zu beschränken, dass Europas Textilindustrie 10 Jahre Zeit hatte, um sich auf den Wandel einzustellen, ist angesichts der drohenden Arbeitsplatz-Verluste zu wenig."

Für den Europaabgeordneten ergibt sich aus der alarmierenden Situation vor allem eine Konsequenz: Der mächtigen Konkurrenz vor allem aus China müsse eine intelligente Arbeitsteilung zwischen Grundstoff-produzierenden Ländern einerseits und der Europäischen Union andererseits entgegen gestellt werden. "Die Nutzung von Synergien zwischen Europa und unseren weltweiten Handelspartnern ist ein Gebot der Stunde. Wir brauchen ein wesentlich besseres Lieferketten-Management sowie eine bessere Koordinierung zwischen den Schwellenländern und der EU. Außerdem muss sich Europa noch stärker als bisher auf hochtechnische Textil-Spezialprodukte konzentrieren", so Ettl.

Weiters seien in den EU-Staaten (v.a. in den hauptbetroffenen Ländern Spanien, Italien, Griechenland und Portugal) flankierende Maßnahmen zur Unterstützung des unvermeidlichen wirtschaftlichen Umbaus, eine Adaption der Förderregime und ein effizientes Monitoring-System notwendig.

Mit China wiederum sei es wichtig, gemeinsam einen "Notbrems-Mechanismus" zu installieren. Ettl abschließend: "Auch China muss ein Interesse an funktionierenden Marktbeziehungen haben. Deshalb wäre es vernünftig, bei exorbitanten chinesischen Exportzahlen wieder Reglementierungen einzuführen. Die Türkei und Argentinien sind diesen Weg bereits gegangen. Allerdings droht hier ein Konflikt mit China vor der WTO. Europa sollte deshalb auf jeden Fall eine einvernehmliche Lösung suchen." (Schluss) ps/mm

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