Neuer ZIT-Call: 2 Mio. Euro für innovative Dienstleistungen

WWFF-Rießland: Dem Potenzial zum Durchbruch verhelfen

Wien (OTS) - Das ZIT Zentrum für Innovation und Technologie, die Technologietochter des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), hat einen neuen Förderwettbewerb ausgerufen: Mit dem Call "Innovative Services Vienna 2005" werden erstmals in der europäischen Technologieförderung innovative Entwicklungen aus dem Dienstleistungsbereich gefördert. Gemeinsam mit WWFF-Geschäftsführer Bernd Rießland präsentierte ZIT-Geschäftsführerin Edeltraud Stiftinger am Mittwoch in einem Pressegespräch den neuen Call, der mit 2 Millionen Euro dotiert ist. Die eingereichten Projekte werden von einer internationalen Expertenkommission unter dem Vorsitz des WIFO-Experten Dr. Hannes Leo bewertet. Der neue Call ist Teil des neuen Wiener Technologieförderprogramms "ZIT 05 Plus", dessen ehrgeiziges Ziel WWFF-Chef Rießland auf den Punkt brachte: "Wir wollen dem Potenzial zum Durchbruch verhelfen."

In modernen Großstädten sind bereits 80 Prozent aller Jobs dem Dienstleistungssektor zuzurechnen. Dieser ist freilich ein weites Feld und reiche "vom Fußpfleger bis zur Softewareentwicklerin", so Stiftinger. Dem ZIT gehe es um die Förderung innovativer und wissensintensiver Dienstleistungen - sie sind zu einem wesentlichen Standortfaktor im internationalen Wettbewerb geworden und liefern einen beachtlichen Beitrag zum BIP. Ihr Anteil am Dienstleistungsangebot in Großstädten steigt sehr rasch. 10 Prozent aller Jobs fallen in den Bereich innovativer Dienstleistungen, Tendenz steigend. Gerade in Wien ist in den letzten Jahren ein eindrucksvolles Wachstum dieses Sektors festzustellen. Zwischen 1996 und 2003 kam es bei der Beschäftigungsentwicklung in diesem Sektor zu einer Steigerung von über 90 Prozent. Beispiele für innovative Dienstleistungen sind etwa die Entwicklung von electronic banking, innovative Applikationen für SMS-Anwendungen oder neue Methoden zur Erhebung von Kundenwünschen für den Handel.

Bisher seien innovative Dienstleistungen von der Förderpolitik nicht beachtet worden. Dies, so Stiftinger, liege in erster Linie daran, dass die EU substanzielle Förderungen nur für den Bereich Forschung und Entwicklung vorsehe. "Beim Stichwort Forschung denkt man nicht als erstes an innovative Dienstleistungen: Ist von Forschung die Rede, denkt man an ein Reagenzglas und nicht an ein Buchhaltungsprogramm, das auch ich verstehe", so Stiftinger. Auch die Dienstleistungsunternehmen selbst hätten sich beim Thema F&E bislang nicht wirklich angesprochen gefühlt. Stiftinger appelliert darum eindringlich an Wiener Unternehmen, die an der Entwicklung hochwertiger Dienstleistungen arbeiten, sich an das ZIT zu wenden:
"Wir prüfen für Sie, ob ihre Projekte in unseren Call passen."

Während der Bund Forschung auf sehr hohem Niveau fördere, gehe es dem ZIT als regionale Förderstelle in erster Linie darum, dass noch mehr Betriebe in F&E investieren. "Wir setzen unsere Schwellen bewusst ein wenig tiefer, um möglichst viele Wiener Betriebe mit unseren Angeboten zu erreichen. Konkretes Ziel ist die Steigerung der unternehmerischen Forschungsaktivitäten in Wien um ein Drittel bis 2008.

Für den neuen Call "Innovative Services Vienna 2005" stehen insgesamt 2 Millionen Euro zur Verfügung. Für die besten Projekte sind Zuschüsse bis zu maximal 250.000 Euro möglich. Die drei Erstgereihten erhalten zusätzlich Preisgelder. Wie bei allen ZIT-Calls werden die Förderungen nach dem Wettbewerbsprinzip vergeben. Eine internationale ExpertInnenjury unter dem Vorsitz von WIFO-Experten Dr. Hannes Leo beurteilt die Projekte. Die Einreichfrist läuft bis 4. Mai 2005. Detaillierte Informationen zur (elektronischen) Einreichung gibt es im Internet unter http://www.zit.co.at/ .

Rießland: Brauchen mehr Wettbewerbsgeist!

In Österreich gebe es jede Menge Exzellenz - "diesem Potenzial wollen wir zum Durchbruch verhelfen", unterstrich WWFF-Geschäftsführer Rießland. Das heimische Problem sei nicht ein Mangel an neuen Ideen oder Forschergeist - "unsere Schwachstelle liegt bei der marktgerechten Verwertung und gewinnbringenden Umsetzung dieser Ideen. Uns fehlt die Kraft, unsere Ideen zum Produkt zu machen", so Rießland. Dafür gebe es auch in der heimischen Geschichte viele Beispiele: Die erste Nähmaschine der Welt hat der Tiroler Josef Madersperger 1814 gebaut - auf den Markt gebracht hat sie jedoch ein Amerikaner namens E. Howe. Ferdinand Porsche konstruierte während des Kriegs in Gmünd in Kärnten den ersten "Porsche-Sportwagen". Produziert wurde der Wagen dann allerdings nach dem Krieg in Stuttgart-Zuffenhausen. Auch dass Österreich heute eine bedeutende Zulieferindustrie habe, passe in dieses Bild: "Wir stehen in der zweiten Reihe und sichern mit unserer Exzellenz den Spielern in der ersten Reihe ihren Platz."
Die Wurzel dieser "Umsetzungsschwäche" sieht der Chef des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds zum einen in einer allgemeinen "De-Kommunikation", zum anderen seien in Österreich Wettbewerbs- und Unternehmergeist sowie Risikobereitschaft nicht sonderlich stark ausgeprägt. Dies seien aber, wie auch internationale Studien beweisen, wesentliche Antriebskräfte, um eine Idee zum Produkt zu machen. Laut einer Studie von "European Values Study Survey" aus dem Jahr 2000 seien die negative Einstellung der Bevölkerung zu Wandlungsprozessen sowie eine hohe individuelle Risikoaversion wesentliche Hindernisse für Innovationsprozesse. Die Aussage, "ich nehme eine entsprechende Tätigkeit nicht auf, wenn sie mit dem Risiko des Scheiterns verbunden ist", beantworten 55 Prozent der ÖsterreicherInnen mit Ja. Damit liegt Österreich in Sachen Risikoverweigerung auf Platz 2 hinter Deutschland.

Das ZIT setze mit seinem neuen Technologieförderprogramm "ZIT 05 Plus" bei diesen Österreich-spezifischen Defiziten den Hebel an. Networking, interdisziplinäre Kommunikation und Wissenstransfer werden ebenso gefördert wie Wettbewerbsgeist und öffentliche Bewusstseinsbildung über die Bedeutung von F&E. Denn eine positive Einstellung zu Forschung und Technologie stimuliert die Nachfrage nach innovativen Produkten, führt zu Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Entwicklungen und eröffnet Verständnis für technologiepolitische Maßnahmen. Das, so Rießland, lasse sich an der Dauer ablesen, die zwischen Markteinführung einer neuen Technologie und der Marktdurchdringung liegt. Diese Zeitspanne variiere innerhalb Europas stark: Während die Marktdurchdringung in Dänemark 3,8 und in Schweden 4,3 Jahre benötigt, müssen in Österreich 5,9 Jahre vergehen, ehe eine neu eingeführte Technologie den Markt durchdringt. Bei allen einzelnen ZIT-Förderschienen gilt außerdem das Wettbewerbsprinzip -"unser Beitrag, um den Wettbewerbsgeist anzukurbeln", so Rießland.

Netzwerke und Kooperationen: Gemeinsam besser sein!

Wesentlich im F&E-Bereich sind Kooperationen. Sie fördern die wirtschaftliche Prosperität der GeschäftspartnerInnen und ermöglichen durch das Teilen von Know-how positive Synergieeffekte. Besonders erfolgreich verlaufen Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, weil dort der viel beschworene Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft voll zum Tragen kommt. Die Mehrzahl der vier neuen ZIT-Förderschienen tragen diesem Gedanken Rechnung:

Mit dem Programm "Technologienetzwerke" werden Aktivitäten von Wirtschaft, Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und anderen Akteuren unterstützt, die zum Entstehen und erfolgreichen Bestehen von Netzwerken und Cluster in spezifischen Technologiefeldern oder an örtlichen Schwerpunkten (z.B. lokale Technologiezentren) beitragen. Das neue Programm "Vienna Spots of Excellence" unterstützt mehrjährige enge Forschungskooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die Programmschiene "F&E-Public" fördert Projekte, welche die Öffentlichkeit über neue Technologien informieren und dazu beitragen, Technologieängste abzubauen. Mit dem Programm "Innovationssupport" fördert das ZIT Aktivitäten, die der Forschung und Entwicklung vor- oder nachgelagert sind, wie etwa bei komplexeren Forschungsvorhaben oder der Umsetzung von Forschungsergebnissen auf dem Markt. Gefördert werden etwa Projekte zur Anbahnung von Partnerschaften, die Kooperation mit Ausbildungseinrichtungen oder die Implementierung innovativer Strategien in den Bereichen Produktion, Marketing oder Vertrieb.

2005 Jahr stehen dem ZIT knapp 20 Millionen Euro für die Förderung forschungsorientierter Unternehmen und Einrichtungen in Wien zur Verfügung. Damit wurde das Förderbudget im Vergleich zu 2004 um 17 Prozent gesteigert. (Schluss) ml

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