Rieder/Brauner: Bessere Jobchancen für Sozialhilfebezieher

750.000 Euro zusätzlich für WAFF-Programm "Jobchance" - Seit 1998: Für 1.500 SozialhilfeempfängerInnen ein neuer Job

Wien (OTS) - Mit dem Programm "Jobchance" hilft die Stadt Wien
einer auf dem Arbeitsmarkt besonders benachteiligten und besonders häufig von einer lang andauernden Ausgrenzung bedrohten Personengruppe - Menschen die von der Sozialhilfe abhängig sind. "Jobchance" unterstützt und begleitet die SozialhilfeempfängerInnen bei der oft mit Rückschlägen verbundenen Suche nach einer neuen Arbeitsstelle und sorgt dafür, dass die Teilnehmer die entsprechenden Qualifizierungen erhalten. Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder präsentierte gemeinsam mit Sozialstadträtin Mag. Renate Brauner und Mag. Fritz Meißl, dem Geschäftsführer des Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds (WAFF) die erfolgreiche Bilanz und die Eckpunkte der kommenden Ausweitung des Programms in einem Mediengespräch am Mittwoch.

"1.500 SozialhilfeempfängerInnen haben wir seit dem Programmstart im Jahr 1998 erfolgreich vermittelt. Allein im Jahr 2004 waren es 258. Diese Menschen sind nun nicht mehr auf die Sozialhilfe angewiesen und sorgen wieder selbst für ihren Lebensunterhalt. Der positive Nebeneffekt für die Stadt Wien: Mit dem Programm konnten seit 1998 abzüglich der Programmkosten zwei Millionen Euro an Sozialhilfegeldern gespart werden. Jetzt weiten wir dieses Programm aus und investieren zusätzlich 750.000 Euro für die Jahre 2005 und 2006. Für beide Jahre stehen damit mehr als 2,1 Millionen Euro für "Jobchance" und weitere Unterstützungsmaßnahmen für Sozialhilfebezieher zur Verfügung. Damit können wir das Betreuerteam um drei MitarbeiterInnen aufstocken, um 600 Sozialhilfeempfänger mehr auf dem Arbeitsmarkt integrieren und die Qualifizierungsarbeit insgesamt verbessern", erklärte Rieder.

"Wir in Wien wollen alle unterstützen, die Hilfe brauchen. Jede und jeder Einzelne soll die Chance erhalten, am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen zu können. Wir helfen, wo Hilfe notwendig ist, und wir fördern aktiv, dass die Menschen ihr Leben wieder selbstbestimmt führen können. Deshalb ist es uns ein zentrales Anliegen, arbeitsmarktpolitische Projekte speziell auch für SozialhilfeempfängerInnen anzubieten. Auch das trägt zum dichten sozialen Netz in dieser Stadt bei", so Sozialstadträtin Mag. Renate Brauner.****

Hintergrund für die Ausweitung von "Jobchance": Zahl der Sozialhilfeempfänger und der a-typisch Beschäftigten steigt stark

"Die Fortführung und Ausweitung des Programmes erfolgt nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der rasanten Zunahme an sogenannten "atypischen" Beschäftigungsverhältnissen. Sie führt dazu, dass immer mehr Personen im erwerbsfähigen Alter zwar einer regelmäßigen Beschäftigung nachgehen, das Einkommen daraus allerdings so gering ist, dass sie Sozialhilfeleistungen in Anspruch nehmen müssen. Insgesamt werden vor allem auch deshalb die Ausgaben für die Sozialhilfe in den nächsten Jahren weiter steigen. Allein die Anzahl der geringfügig Beschäftigten in Wien ist von 30.713 im Jahr 1997 auf 48.056 im Jahr 2004 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 50 Prozent. Im Jahr 2000 haben pro Monat 25.900 Menschen in Wien Leistungen der Sozialhilfe bezogen. Im Jahr 2004 lag dieser Wert bereits bei 48.000. Das entspricht einer Steigerung von 85 Prozent.

"Jobchance" ist eine gemeinsame Initiative des Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds (waff) und den für SozialhilfempfängerInnen zuständigen Stellen der Gemeinde Wien (MA 15 - Gesundheitswesen und Soziales). Eng kooperiert wird auch mit dem AMS (Arbeitsmarktservice). Infos zum Programm Jobchance gibt es bei den Sozialzentren der Stadt Wien bzw. beim waff (01) 217 48/0, waff@waff.at ; Internet: http://www.waff.at/

Mehr Geld, mehr Betreuer, neue Clearingstelle und neue Qualifizierungsmöglichkeiten

Mit den Sondermitteln in der Höhe von 750.000 Euro wird es möglich, das Jobchanceteam um drei weitere ArbeitsvermittlerInnen aufzustocken und bis Ende 2006 mindestens um 600 zusätzliche SozialhilfeempfängerInnen mehr bei der Suche nach einer Beschäftigung zu unterstützen. Während bisher nur Personen vermittelt wurden, die ausschließlich Sozialhilfe beziehen, sollen zukünftig auch sogenannte RichtsatzergänzungsempfängerInnen (Bezug sowohl von Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe als auch Sozialhilfe) durch Jobchance betreut werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass gerade diese Personengruppe in den letzten Jahren quantitativ zugenommen hat.

Außerdem wird eine so genannte Clearingstelle eingerichtet. Ihre Aufgabe ist es, bei den TeilnehmerInnen gezielt eventuelle Vermittlungseinschränkungen festzustellen und entsprechend geeignete Unterstützungsangebote vorzuschlagen. Denn Erfahrung mit Jobchance zeigt, dass in vielen Fällen vor dem Beginn einer aktiven Arbeitsvermittlung häufig andere Probleme zusätzlich beseitigt werden müssen, die eine Jobvermittlung besonders schwierig machen. So zum Beispiel eine hohe Verschuldung des Teilnehmers. Oft ist es auch zielführend, den Teilnehmer zum Training für den Job in der Privatwirtschaft vorerst in einem gemeinnützigen und sozialökonomischen Beschäftigungsprojekt arbeiten zu lassen.

Die TeilnehmerInnen können ab 2005 auch über zwei neue Qualifizierungsprojekte, die im Rahmen des EU Programms EQUAL laufen, für den Job gerüstet werden. Das Equal-Programm "Generation 19+" ist insbesondere auf die Zielgruppe jugendlicher SozialhilfebezieherInnen ausgerichtet, die keine oder nur eine geringe Berufspraxis vorweisen können. Das Programm "Spurwechsel" stellt Trainings- und Praktikumsplätze, begleitendes Coaching und Qualifizierungsmaßmahmen für BezieherInnen von Sozialhilfe bereit.

Weiters werden auch die notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen geprüft, inwieweit auch SozialhilfeempfängerInnen zukünftig durch die waff-Tochter "Flexwork" bei der Arbeitsaufnahme unterstützt werden können.

Jobchance-Bilanz 1998 bis Ende 2004 im Detail: 1.537 SozialhilfeempfängerInnen erfolgreich vermittelt

Konkret haben über das Programm "Jobchance" im Zeitraum 1998 bis Ende 2004 1.537 SozialhilfeempfängerInnen (57,58% Männer, 42,42% Frauen) in insgesamt 1123 Betrieben eine neue Beschäftigung gefunden. Die Unternehmen verteilen sich insbesondere auf die Branchen Dienstleistungen (47,01%), Handel und Lagerung (17,89%), Gewerbe und Industrie (14,81%) und öffentlicher Dienst (7,35%). Alleine im Jahr 2004 sind 258 Personen vermittelt worden.

Auch im Hinblick auf die Einsparungseffekte (fiskalpolitische Effekte) konnte "Jobchance" die definierten Ziele übertreffen:
Fiskalische Effekte für die gesamte Laufzeit 1998 bis Ende 2004:

Gesamtersparnis an Sozialhilfe: 6.500.000 Euro abzüglich Gesamtkosten Jobchance: 4.500.000 Euro Nettoeinsparungseffekt: 2.000.000 Euro Fiskalische Effekte im Jahr 2004: Einsparung an Sozialhilfe durch Jobchance: 1.082.418 Euro abzüglich Projektkosten Jobchance: 696.950 Euro Nettoeinsparungseffekt: 385.468 Euro

So funktioniert Jobchance in der Praxis

Die SozialhilfeempfängerInnen werden von den Sozialzentren der Gemeinde Wien über die Unterstützungsmöglichkeiten durch "Jobchance" informiert. Die Voraussetzungen für eine Programmteilnahme sind einfach: Wiener SozialhilfeempfängerInnen, die älter als 18 Jahre sind, eine Beschäftigung suchen und keine besonders gravierenden Vermittlungshandicaps haben.

Im Mittelpunkt steht die individuelle Unterstützung von beschäftigungslosen SozialhilfeempfängerInnen auf ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt und zwar nach dem Prinzip der 1 zu 1 Vermittlung. Für jede Person wird gezielt ein grundsätzlich passendes Unternehmen gefunden. Das hat sowohl für die SozialhilfeempfängerInnen als auch für die Unternehmen entscheidende Vorteile: Neben den spezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten kommt es nämlich für eine erfolgreiche Integration ganz entscheidend darauf an, dass sich ein zukünftiger Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin tatsächlich mit allen Stärken und Schwächen im konkreten Aufgabenbereich, aber auch in der Unternehmenskultur bewähren kann.

Die MitarbeiterInnen von Jobchance betreuen ihre KundInnen durchgängig vom Eintritt in die Maßnahme bis zur Aufnahme einer Beschäftigung. Jobchance unterstützt aber sogar über die erfolgreiche Vermittlung hinaus, wenn es in der Folge doch zu Problemen im neuen Job kommt. Sollte das Dienstverhältnis aufgelöst werden, wird die aktive Betreuung durch Jobchance wieder aufgenommen.

Die wesentlichen Problemstellungen, die im Rahmen des Vermittlungsprozesses bearbeitet werden, reichen vom mangelnden Selbstwertgefühl, Unsicherheit über die persönlichen Stärken und Schwächen, Ängsten in Bewerbungssituationen bis hin zu massiven Schulden. Vor einem Vermittlungsversuch werden aber auch die Anforderungen des Unternehmens, die Unternehmenskultur und die allgemeinen Rahmenbedingungen sorgfältig analysiert.

Jobchance Teilnehmer "1.500" arbeitet bei ISS Facility

Eines jener Unternehmen, die auf Jobchance-Teilnehmer setzen, ist die ISS Facility Services, eine international renommierte Service- und Reinigungsfirma, die in über 41 Ländern 270.000 Mitarbeiter beschäftigt. Hier hat auch der Teilnehmer "1.500" den Wiedereinstieg in den Job geschafft. Seit 3. Mai 2004 ist er für das Unternehmen als Fensterputzer tätig. Dazu Herr Kouba, Personalchef der ISS-Firmenniederlassung in Wien: "Uns geht es in erster Linie darum, zuverlässige und gute Mitarbeiter zu haben. Dass unser neuer Mitarbeiter lange Zeit ohne Job war und deshalb Sozialhilfe bezogen hat, ist für uns sekundär. Ausschlaggebend war, dass er ins Team passt und er diesen Job gerne und gut macht. Außerdem sind wir der Meinung, dass gerade junge Leute mit einer schwierigen Ausgangssituation neue Chancen verdienen. Wir haben für Jugendliche daher sogar eine eigene Sozialbetreuerin in der Firma."

Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik arbeiten zusammen

Der waff ist zwar nicht grundsätzlich als Instrument der Sozialpolitik konzipiert, sondern im Kern auf die Förderung der beruflichen Entwicklungschancen von Wiener ArbeitnehmerInnen und die Kooperation mit dem AMS Wien im Rahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik ausgerichtet. Gerade der Sozialhilfebereich zeigt jedoch, dass Menschen im erwerbsfähigen Alter in eine Situation kommen können, die sie nicht zuletzt auf Grund fehlender Unterstützungsmöglichkeiten durch die Arbeitslosenversicherung zur Inanspruchnahme von Sozialhilfeleistungen der Gemeinde Wien zwingt. Gleichzeitig sind viele dieser Menschen durchaus in der Lage, mit einer professionellen Unterstützung wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und ihren Lebensunterhalt aus einer unselbstständigen Beschäftigung zu sichern. Jobchance setzt genau an diesem Punkt an und zielt einerseits auf die grundsätzlich dauerhafte Integration von SozialhilfeempfängerInnen in Unternehmen des Arbeitsmarktes ab. Andererseits sollen die Ausgaben für das Projekt durch die Einsparungen an Sozialhilfe zumindest kompensiert werden. Beide Ziele haben wir mit "Jobchance" voll erreicht, so WAFF - Geschäftsführer Fritz Meißl zur Philosophie des Projekts.

Jobchance als Best-Practices von den United Nations ausgezeichnet

Die ausgezeichnete Kooperation mit den Sozialzentren der Gemeinde Wien und das Prinzip einer Partnerschaft sowohl gegenüber der arbeitsuchenden Person als auch gegenüber dem jeweiligen Unternehmen ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis von "Jobchance"! Jobchance hat damit wohl nicht zufällig auch internationale Anerkennung gefunden: Das "Best Practices Programm" der UN-Habitat unterstützt die Durchführung der UN-Habitat Agenda und der Local Agenda 21 zur Verbesserung städtischer Lebensbedingungen durch Wissens- und Erfahrungsaustausch. Ein Hauptprodukt des "Best Practices Programms" ist eine Datenbank mit über 1.600 überprüften Lösungsvorschlägen aus über 140 Ländern. Im Bereich "Ökonomie und Arbeit" ist Jobchance eines von vier von UN-Habitat geprüften und ausgezeichneten Projekten in Wien. (Schluss) gaw/brc

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Tel: 01/217 48-318
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