Skiurlaub mit Rechtsfolgen

Schmerzensgeld, Schadensersatz & Co: Das Institut Sicher Leben informiert über Unfälle auf der Piste, Haftungsfragen und rechtliche Konsequenzen

Wien (OTS) - Pistenspaß ohne Reue? Bei mehr als acht Millionen Menschen, die jährlich auf Österreichs Pisten unterwegs sind, sind Unfälle leider auch bei den besten Vorsätzen nie völlig zu vermeiden. Jährlich verunglücken laut Statistik des Instituts Sicher Leben rund 86.000 Skifahrer und Snowboarder, 65.000 von ihnen so schwer, dass sie sogar im Spital behandelt werden müssen. Dem Freizeitwert beraubt, stellt sich nach der schmerzvollen Erfahrung auch noch die Frage: Wer haftet?

Haftung beim Einzelunfall: Schadensersatz vom Sportfachhandel möglich

90 Prozent aller Unfälle auf der Piste sind Stürze ohne Einwirkung anderer Wintersportler. Sie resultieren meist aus Übermut sowie Wahrnehmungs- und Fahrfehlern. Ohne Fremdverschulden auch keine Haftungsfrage - jeder so Verunglückte kann sich nur an der eigenen Nase fassen. Mit einer Ausnahme: Löst eine Bindung grundlos oder im entscheidenden Fall nicht aus, haftet der Sportfachhandel. Voraussetzung ist natürlich, dass man nicht selbst die Bindung justiert, sondern einen Profi ans Werk gelassen hat. Dieser kontrolliert die Bindung auf Basis der Ö-Norm ISO 11088 (bei Leihskiern ISO 13993) und trägt in ein Prüfprotokoll alle wesentlichen Daten wie Auslösewerte, Geschlecht, Gewicht, Können und Datum ein. Mit Unterschrift gilt das Dokument als Beweis vor Gericht. "Wer vor der Saison sein Gerät nicht warten lässt oder selbst an der Bindung herumschraubt, riskiert bei einem Unfall nicht nur den körperlichen Schaden, sondern trägt auch die finanzielle Verantwortung für sein Tun! Ein Prüfprotokoll vom Fachmann sichert ab: Falls die Bindung dann nicht ordentlich funktioniert, kann man Schadensersatz verlangen", erläutert Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts Sicher Leben.

Haftung bei Kollisionen: FIS-Regeln gelten als Maßstab für die Gerichte

Bei den acht Prozent der Unfälle, die auf Zusammenstöße zwischen Pistenbenutzern zurückzuführen sind, gilt generell der Grundsatz: Wer andere schädigt, haftet. Maßstab sind in diesem Fall die so genannten FIS-Regeln, die sich als Verhaltensstandard im Wintersport etabliert haben. Sie sind zwar - mit Ausnahme in Vorarlberg - nicht gesetzlich verankert (d.h. wer diese Regeln nicht befolgt, wird nicht bestraft, solange es zu keinem Unfall kommt), die Judikatur hat sie aber als Normen anerkannt und prüft bei Gericht, wer welchen Grundsatz missachtet hat. Auf Basis der FIS-Regeln wird demnach über Schuld und Unschuld entschieden. "Was zahlreiche Wintersportler nicht wissen:
Viele Haushaltsversicherungen decken auch die Haftpflicht für Schäden, die ein Haushaltsangehöriger einem anderen Menschen zufügt. Das gilt auch für Ski- und Snowboardunfälle - solange man einen Zusammenstoß nicht böswillig oder aufgrund grober Fahrlässigkeit verursacht hat", so Kisser. "Fahrerflucht ist nicht nur gesetzeswidrig und moralisch verwerflich, sondern mit einer Versicherung auch sinnlos."

Haftung bei Hindernissen: Seilbahnen nur verantwortlich für atypische Gefahren

Einem Mangel an der Skipiste fallen lediglich zwei Prozent aller verunglückten Wintersportler zum Opfer. Aber nur in wenigen Fällen können sie sich auf die Verkehrssicherungspflicht (wer öffentliche Wege ermöglicht, muss auch für eine angemessene Sicherheit auf diesen Wegen sorgen) der Seilbahnen berufen und so Schadensersatz verlangen. Das betrifft aber nicht "typische Gefahren": Ein Skifahrer oder Snowboarder muss beispielsweise damit rechnen, dass die Piste rutschig ist, Buckeln hat oder Bäume am Rand stehen. Hier sind gesunder Menschenverstand und Eigenverantwortung gefragt. So genannte atypische Gefahren müssen jedoch von den Seilbahnen entschärft werden, ansonsten haften sie bei Unfällen. Dazu zählen neben verborgenen Absturzstellen und Lawinen auch künstlich errichtete Hindernisse wie Schneekanonen oder Seilbahnstützen. Außerdem müssen die Pisten markiert werden, damit Wintersportler erkennen können, wie weit der Einflussbereich der Seilbahnen reicht. "Die Unfallquote bei Wegunfällen ist aber gering, weil die Seilbahnen hier meistens sehr gewissenhaft tätig sind", urteilt Kisser. "Wichtiger ist es folglich, vor dem Urlaub zu überprüfen: Habe ich ein aktuelles Prüfprotokoll für die Bindung? Und was deckt meine Versicherung?"

Pistenregeln im Westentaschen-Format

Wer sich Gesetzestexte, Gerichtstermin und Gezanke ersparen möchte, sollte einige Tipps beachten: Jährliche Kontrolle der Bindung und Kanten durch ein Fachgeschäft, regelmäßige Pausen und Verzicht auf Alkohol sowie Beachtung der Pistenregeln sorgen für mehr Sicherheit beim Wintersport. Für alle, die sich nur noch dunkel an die zehn Gebote des Wintersports erinnern, hat Sicher Leben gemeinsam mit anderen Institutionen eine praktische Minibroschüre aufgelegt, die u.a. unter www.sicherleben.at/safer-snow-more-fun abgerufen werden kann.

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Institut "Sicher Leben"
Doreen Kallweit M.A.
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