Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen von Arbeitszeitflexibilisierung gleichermaßen profitieren

Wien (OTS) - Der ÖAAB veranstaltete heute, Dienstag, im Rahmen der Zukunftsplattform "plattform21" eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wann hört der Beruf auf und wann beginnt die Freizeit -Arbeitszeitmodelle im 3. Jahrtausend". Am hochkarätig besetzten Podium konnte Abg.z.NR Christine Marek als Vorsitzende der Focusgruppe "Arbeitszeit - Freizeit - Eigenzeit" die Geschäftsführerin der Frequentis GmbH, Sylvia Bardach, den Generalsekretär der IV, Mag. Markus Beyrer, die Vorsitzende der ÖAAB-Frauen, Abg.z.NR Dr. Gertrude Brinek, den deutschen Arbeitszeitberater Lars Herrmann, den Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, Abg.z.NR Karlheinz Kopf und den Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Arbeiterkammer Wien, Dr. Josef Wöss, begrüßen. ****

Marek hob hervor, dass der ÖAAB sicher keiner einseitigen Lösung zum Nachteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zustimmen werde. Entscheidend sei viel mehr, und das sei auch anhand zahlreicher Beispiele sichtbar, dass das Thema Arbeitszeitflexibilisierung sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber gleichermaßen betreffe. "Man muss sich auch über neue Lösungsmöglichkeiten, beispielsweise Vertrauensarbeitszeit, Gedanken machen", so Marek. Erfreut zeigte sich die Nationalratsabgeordnete darüber, dass der ÖAAB im Wirtschaftsbund beim Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" einen Mitstreiter gefunden habe, da auch diese Frage bei der Flexibilisierungsdebatte unbedingt beachtet werden müsse.

Als quasi "Best-Practice" Modell stellte die Geschäftsführerin von Frequentis, Sylvia Bardach, das in ihrem Unternehmen etablierte Modell der Vertrauensarbeitszeit vor. "Wir sind ein Unternehmen mit 90 Prozent Exportquote, und da ist von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität, schon alleine aufgrund der Zeitverschiebung, erforderlich", erklärte Bardach, die auch darauf hinwies, dass es bei derartigen Modellen von entscheidender Bedeutung sei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Vorgesetzen sehr eng kommunizierten und ein großes gegenseitiges Vertrauen vorhanden sei.

Der Berliner Arbeitszeitberater Lars Herrmann, der auch zahlreiche österreichische Unternehmen in dieser Frage berät, stellte das Modell der Vertrauensarbeitszeit näher vor. Voraussetzung für die Umsetzung dieses Modells sei, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine große Eigenverantwortung mitbringen und andererseits auch die Führungskräfte dieses Vertrauen in ihre Mitarbeiter hätten. "Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sich mit dem Ziel, das vom Arbeitgeber vorgegeben worden ist, voll identifizieren können und den Zeitplan kennen, der für die
Zielerreichung vorgeben worden ist", erklärte Herrmann.

Für den Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Mag. Markus Beyrer, ist die Frage der Flexibilisierung der Arbeitszeit entscheidend für den Wirtschafsstandort Österreich und für die Wettbewerbsfähigkeit. "Um die nächsten 7 bis 10 Jahre erfolgreich ‚überstehen’ zu können, müssen wir hier entscheidende Schritte setzen", so Beyrer. Es müsse verhindert werden, dass Betriebe in andere Länder abwanderten oder sich erst gar nicht in Österreich niederließen. "Dazu bedarf es gemeinsamer Handlungen", erklärte der IV-Generalsekretär.

Die Vorsitzende der ÖAAB-Frauen, Abg.z.NR Dr. Gertrude Brinek, strich in ihrem Statement hervor, dass "vor allem Frauen beim Thema Flexibilisierung ihre Bereitschaft zur Flexibilität unter Beweis stellen mussten und auch heute noch müssen". Brinek wies darauf hin, dass 88 Prozent der Frauen als oberste Priorität einen sicheren und guten Job haben wollten. Dies müsse vor allem im Hinblick auf weitere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Denkanstoss sein, der einen entscheidenden Beitrag zur Flexibilisierung darstelle.

Für Abg.z.NR Karlheinz Kopf, den Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, sei es entscheidend, dass es unbedingt zu einer Effizienzsteigerung komme müsse. Aber auch die demographische Entwicklung müsse einem zu denken geben, denn "in den nächsten Jahren wird es einen gravierenden Mangel an Facharbeitern in Österreich geben", so Kopf. Er unterstütze auch die Forderungen der Industriellenvereinigung, denn "auch wenn der Wirtschaftsbund zu einer großen Anzahl Klein- und Mittelbetriebe vertritt, sind sehr viele darunter, die Zulieferer oder Dienstleister von Industriebetrieben sind und somit von einer Abwanderung von Industriebetrieben natürlich sehr stark betroffen sein würden", stellte Kopf klar.

Der Leiter der Abteilung Sozialpolitik der AK-Wien, Dr. Josef Wöss, zeigte sich von der in der Öffentlichkeit geführten Debatte zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung insofern enttäuscht, als dass "hier nur über eine effektive Lohnkürzung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diskutiert wird. Wenn die Wirtschaft davon spricht, 1 Prozent der Lohnsumme einsparen zu wollen, ist das insgesamt eine Milliarde Euro, die dann an Kaufkraft in Österreich verloren geht", so Wöss. Ob die Wirtschaft dies wirklich wolle, sei eine andere Frage. Wenn man davon spreche, die Arbeitszeit zu erhöhen, müsse man auch bedenken, welche Auswirkungen dies auf den Gesundheitsschutz, die Freizeitplanung und die allgemeine Planbarkeit der Arbeitszeit haben würde.

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