Ost- und Südosteuropa: Eine der Top-Exportregionen Österreichs

Kesberg: Wir haben in dieser Region, bezogen auf das Ausfuhrvolumen, vier bis fünf Exportmärkte von derselben Bedeutung wie etwa China vor der Haustüre

Wien (PWK128) - Nach einer etwas verhalteneren Exportentwicklung
im Jahr 2003, zogen die österreichischen Ausfuhren im vergangenen Jahr wieder deutlich an. Der Export bleibt der Wachstumsmotor der österreichischen Wirtschaft und unter den Top-Exportdestinationen stechen die Länder Ost- und Südosteuropas hervor. "Bei ost- und Südosteuropa handelt es sich zwar um eine inhomogene Ländergruppe mit zum Teil hohen Einstiegsbarrieren, aber um einen unglaublich wichtigen Exportmarkt mit enormem Wachstumspotential", sagte Christian Kesberg, stellvertretender Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ, heute (Dienstag) auf einer Pressekonferenz. "Wir haben in dieser Region, bezogen auf das Ausfuhrvolumen, vier bis fünf Exportmärkte von derselben Bedeutung wie etwa China für unseren Außenhandel vor unsere Haustüre."

Das Ausfuhrplus in die 18 Länder der Region lag im Zeitraum Jänner bis November 2004 mit 16% über dem weltweiten Durchschnitt (+11%). Das Gesamtvolumen der Exporte machte 5 Milliarden Euro aus und entspricht in etwa dem Ausfuhrvolumen österreichischer Produkte nach Asien (5,2 Mrd Euro). Auch die Importe aus der Region legten mit 22,5% auf 3,6 Milliarden Euro gehörig zu. Das entspricht exakt dem Einfuhrwert aus Amerika (3,6 Mrd Euro). Damit die Exportstory in diese Region auch eine Erfolgsgeschichte bleibt, setzt die AWO gezielt Maßnahmen für österreichische Unternehmen. Die Schwerpunkte der AWO-Maßnahmen liegen in den Bereichen Infrastruktur, Umwelttechnik, Planungsexporte und Nahrungsmittel. Kesberg: "Die Bedeutung, die wir diesen Ländern beimessen, zeigt sich auch daran, dass wir dort mit sieben Außenhandelsstellen und weiteren sieben Marketingbüros vertreten sind und mehr als ein Zehntel der AWO-Mitarbeiter im Ausland hier für österreichische Unternehmen vor Ort tätig sind." Österreich ist in Rumänien, Kroatien, Serbien&Montenegro sowie in Bosnien-Herzegowina der größte Auslandsinvestor und wird in Kürze auch in Bulgarien die Nummer Eins sein. Hunderttausende Menschen sind in diesen Ländern bei österreichischen Unternehmen beschäftigt.

Nach Russland zeigten die österreichischen Ausfuhren 2004 eine große Dynamik und legten um 20,8% (I-II/04) auf 1,25 Mrd Euro zu. Importseitig gab es nur einen leichten Anstieg (+3% auf 1,24 Mrd Euro), was erstmals seit Jahren zu einer positiven Handelsbilanz führte. "Österreichische Unternehmen haben den Vorteil, dass sie schon zu Zeiten der Sowjetunion gute Geschäfte mit russischen Partnern machten, es muss aber dazu gesagt werden, dass Russland kein einfacher Markt ist und Unternehmen mit Erfahrungen in Osteuropa generell einen Vorteil bei einem Neueinstieg haben", betonte Hans Kausl, österreichischer Handelsdelegierter aus Moskau. Ein ähnlich schwieriger Markt ist die Ukraine, wie Handelsdelegierter Christian Gessl aus Kiew bestätigte: "Von Wien aus sind es nur 550km zur ukrainischen Grenze, eine kürzere Distanz als etwa nach Vorarlberg, und das Land ist gerade im Umbruch, was künftig die Chancen für österreichische Unternehmen deutlich verbessern sollte." Der politische Wille die Korruption und Schattenwirtschaft zu bekämpfen, sei jetzt klar erkennbar. Die ersten elf Monate 2004 zeigten ein gebremstes Exportwachstum von 1,7% (342 Mio Euro), die österreichischen Importe stiegen indes um 27,7% (315 Mio Euro).

"In Rumänien hat vor drei Jahren, nach der zehnjährigen ‚Schrecksekunde’ seit der Revolution, ein regelrechter Boom begonnen, der sicher noch einige Zeit anhalten wird", erwartet Walter Friedl, Handelsdelegierter in Bukarest. Österreich hat seit 1990 über 3 Mrd Euro in Rumänien investiert und hält derzeit klar Platz 1. Insgesamt sind bereits 3.500 Firmen mit österreichischer Kapitalbeteiligung in Rumänien registriert. Die Einführung einer Flat-Tax für Gewinne und Einkommen in Höhe von 16% per 1. Jänner 2005 steigert die Attraktivität des Investitionsstandortes und Rumänien erzielte im Vorjahr mit über sieben Prozent das höchste Wirtschaftswachstum Europas. Die Exporte legten im Beobachtungszeitraum um 14,6% (1,1 Mrd Euro) und die Importe um 15,1% (629 Mio Euro) zu. Der österreichische Außenhandel mit Bulgarien legte im vergangenen Jahr kräftig zu. Die Exporte steigerten sich um 31,4% (354 Mio Euro). Gleichzeitig nahmen die Importe um 28,7% zu (187 Mio Euro). Hermann Ortner, Handelsdelegierter aus Sofia: "In den ersten drei Quartalen 2004 lag Österreich mit einem Investitionsvolumen von 450 Mio Euro an der Spitze. Im Rahmen der derzeitigen wirtschaftlichen Dynamik und auch dank umfangreicher internationaler Fördermittel bieten sich für österreichische Unternehmen gute Geschäftsmöglichkeiten sowohl im Zulieferbereich als auch für Investitionen und diese Chancen werden auch nach dem EU-Beitritt 2007 weiter bestehen."

Die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Kroatien entwickeln sich bereits seit Jahren positiv. Die Exporte sind um 18,5% (1,1 Mrd Euro) und die Importe aus Kroatien um 49% (543 Mio Euro) gestiegen. Der Handelsbilanzüberschuss zählt weiterhin zu den höchsten, die Österreich im Außenhandel weltweit erzielt. "Kroatien ist ein erweiterter Heimmarkt für Austrounternehmen. Das zeigt sich einerseits darin, dass Österreich der Top-Auslandsinvestor ist und andererseits darin, dass man an jeder Ecke in den Städten österreichische Firmen sieht - von Banken bis zum Lebensmittelhandel", berichtete Peter Hasslacher, Handelsdelegierter in Zagreb.

Serbien&Montenegro und Bosnien-Herzegowina sind auf Grund ihrer politischen Entwicklung der Vergangenheit schwierigere Märkte, Österreich ist aber, auch aus seinen historisch traditionell guten Beziehungen, hervorragend in beiden Märkten positioniert. "Schon fast jeder Serbe hat ein Konto bei einer österreichischen Bank", sagte Herbert Preclik, Handelsdelegierter in Belgrad. Die Exporte nach Serbien legten um 8,9% (376 Mio Euro) zu, die Importe um 37% (103 Mio Euro). Nach Bosnien machte das Exportplus 6,9% (206 Mio Euro) und das Importplus 60,1% (72 Mio Euro) aus. Das Exportvolumen nach Bosnien entspricht etwa jenem nach Indien. Für beide Länder spricht, dass österreichische Unternehmer besser mit der Mentalität zurechtkommen als etwa die deutsche oder niederländische Konkurrenz. Robert Luck, Handelsdelegierter in Sarajewo: "Bosnien ist aber kein Markt für Newcomer. Redundante Entscheidungsebenen in Gesetzgebung und Verwaltung und auch ein unüberschaubares Steuer- und Abgabensystem, das derzeit zwar einer grundlegenden Reform unterzogen wird, sind die Hauptprobleme und fordern einige Erfahrung im Auslandsgeschäft." Sehr gute Chancen bieten sich aber in beiden Staaten im kommunalen Infrastrukturbereich, insbesondere aber auf dem umwelttechnischen Sektor, wo es einen immensen Nachholbedarf gibt, oder bei der Sanierung und dem Ausbau des Straßennetzes. (BS)

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