Faymann: Weniger Delogierungen

Trotz Zunahme von Familien mit Überschuldung

Wien (OTS) - 2004 konnte die Zahl der Delogierungen bei Wiener Wohnen gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent verringert werden. Gegenüber 2002 beträgt der Rückgang sogar 19 Prozent. Dieser erfreuliche Rückgang trotz der deutlich gestiegenen Anzahl von überschuldeten Familien beweist, dass die Delogierungsprävention der Stadt greift. Darüber informiert Wohnbaustadtrat Werner Faymann am Dienstag im Mediengespräch des Bürgermeisters.****

Sicherheit ist gerade beim Wohnen von besonderer Bedeutung. Nirgends leben Mieter so sicher, wie im Gemeindebau. Alle Gemeindemieter haben unbefristete Verträge und sie bezahlen die weitaus günstigsten Mietzinse (60 Prozent aller Gemeindemieter zahlen weniger als 2,77 Euro pro Quadratmeter). Eine Wiener Gemeindewohnung ist deshalb die bei weitem leistbarste und günstigste Wohnform.

Parallel dazu hat die Stadt Wien in den letzten Jahren ein dichtes Netz an Wohnunterstützungen aufgebaut. Etwa 42.000 Familien beziehen derzeit Wohnbeihilfe, das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahr 1999. Mit der Wohnbeihilfe in Gesamthöhe von heuer etwa 70 Millionen Euro wird für Menschen mit finanziellen Problemen oder sehr niedrigem Familieneinkommen ein Teil der Miete subventioniert. Darüber hinaus hilft die MA 15 Familien mit Mietbeihilfen und Heizkostenzuschuss aus. Wenn es trotz dieser Hilfen weiter zu größeren Mietzinsrückständen und zu einer Räumungsklage kommt und die Rückstände aus eigener Kraft nicht aufgebracht werden können, wird die Stadt aktiv und bietet die Hilfe der Delogierungsprävention an. Darüber hinaus bietet Wiener Wohnen großzügige Ratenvereinbarungen an.

In Fällen, wo der Mieter trotz all dieser Maßnahmen keine Miete bezahlt, bleibt der Stadt nichts übrig als nach dem gerichtlichen Delogierungsverfahren diese Delogierung auch durchzuführen. Aber auch nach einer Delogierung lässt die Stadt die Menschen nicht im Stich. Sie stellt gemeinsam mit Vertragspartnern wie Caritas, Volkshilfe oder der Heilsarmee insgesamt 2.400 Wohnplätze über die "Wohnungslosenhilfe" zur Verfügung.

Auch einer neuerlichen Zuweisung einer Gemeindewohnung steht eine frühere Delogierung nicht im Wege, wenn der Mietzinsrückstand aus der alten Wohnung beglichen worden ist.

Die Stadt hilft beim Wohnen, wo sie kann. Sie hat ein dichtes und wirkungsvolles Netz an Hilfen aufgebaut, das noch nie so engmaschig war wie heute. Zigtausenden Familien wird so geholfen, dass sie sich ihre Wohnung leisten können. Im Gemeindebau braucht kein Mieter, der einmal die Miete zu zahlen vergisst, Angst haben. Es kann aber nicht ohne Folgen bleiben, wenn jemand trotz all dieser Unterstützungen notorisch keine Miete bezahlt. Das würden weder die anderen Gemeindemieter noch Bewohner von privaten Althäusern, die oft das Doppelte oder Dreifache an Miete bezahlen, verstehen.

Fast 60% der Delogierten bezogen keine Wohnbeihilfe

2004 hat sich die Zahl der Delogierungen bei Wiener Wohnen auf 966 verringert. Das sind vier Promille aller 220.000 GemeindemieterInnen. Konkret heißt das, dass im Gegensatz zum Vorjahr 243 MieterInnen weniger delogiert werden mussten. Das System der Delogierungsprävention greift also. 856 MieterInnen mussten aus ihrer Wohnung ausziehen, weil sie ihren Mietzins nicht bezahlen konnten. 41,2 Prozent dieser 856 MieterInnen waren Wohnbeihilfeempfänger, die restlichen 58,8 Prozent
(= 498 MieterInnen) beanspruchten die Wohnbeihilfe nicht. 110 Mieterinnen und Mieter mussten von Wiener Wohnen wegen Verlassenschaften*, Nichtbenützung, erheblich nachteiliger Gebrauch oder unleidlichem Verhalten ihrer Wohnung verwiesen werden.

Delogierungen WIENER WOHNEN 2004:

durchgeführte Delogierungen 1.Qu. 2.Qu. 3.Qu. 4.Qu. Summe 2004 2004 2004 2004 Nichtbezahlung des Mietzinses 177 262 228 189 856 Verlassenschaften 14 11 11 12 48 sonstige Gründe 13 26 13 10 62 Summe 204 299 252 211 966 Wohnbeihilfeempfänger 358

*) Verlassenschaften: Delogierung aufgrund von Verlassenschaften bedeutet, dass niemand der Erbbegünstigten einen Anspruch auf die Wohnung hat oder dass es nach dem Tod des Mieters niemanden gibt, der die Wohnung zurück geben könnte.

Diese Zahlen weisen darauf hin, dass es sich bei der Mehrzahl der Delogierten nicht um Kleinstverdiener handelt, die sich die Gemeindebaumiete einfach nicht mehr leisten können. Ansonsten wäre der Anteil der Wohnbeihilfebezieher an den Delogierten höher. Vielmehr dürfte der Anteil von MieterInnen sehr hoch sein, die keinen Anspruch auf Wohnbeihilfe haben, weil ihr Einkommen die diesbezüglichen Grenzen überschreitet.

Der Österreichische Inkassoverband schätzt die Zahl der überschuldeten Haushalte in Wien auf etwa 130.000. Die durchschnittliche Höhe der Schulden beträgt rund 72.000 Euro. Ursache für die Schulden sind laut Inkassoverband überzogene Gehaltskonten und offene Handy-Rechnungen, zu hohe Leasingverträge, nicht bezahlte Versandhausrechnungen und nicht mehr leistbare Freizeitaktivitäten. Spätestens bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit sind diese Zahlungen nicht mehr leistbar.

Die Zahl der Privatkonkurse hat laut Schuldnerberatung Österreich im Jahr 2004 gegenüber dem Jahr zuvor um 25 Prozent zugenommen. Die Gesamtverschuldung der Haushalte mit akuten Zahlungsproblemen hat seit 2002 um 50 Prozent zugenommen.

Die Ursache dafür liegt in der Schere zwischen Einkommensentwicklung und Inflationsentwicklung, die sich in den letzten 5 Jahren deutlich zu Lasten der Einkommen geöffnet hat.

Hilfreiche Telefonnummern bei Schulden bzw. Mietproblemen:

o Mieterhilfetelefon: 4000-8000 o Schuldnerberatung: 330 87 35 o MAG ELF: 4000-8011 o Fachstelle für Wohnungssicherung (FAWÖS): 218 56 90 o MA 50-Wohnbeihilfe: 4000-74 880 o MA 15: 4000-85 485

(Schluss) gmp

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