NÖ Industriekonjunktur: Sprunghafte positive Entwicklung, aber Arbeitsmarkt braucht Flexibilisierung und Deregulierung

Konjunkturbarometer erholt sich: +35 - Präsident Zimmermann: Jetzt Arbeitszeitflexibilisierung umsetzen und Lohnnebenkosten senken

Wien (OTS) - Mag. Norbert Zimmermann, Generaldirektor der Berndorf AG und Präsident der IV-Landesgruppe Niederösterreich, stellte am Dienstag, 22. Februar, gemeinsam mit Mag. Johannes Elsner, Sprecher des Vorstandes der Eybl International AG, die Ergebnisse der NÖ Konjunkturumfrage für das 4. Quartal 2004 in St. Pölten vor.
In diesem Quartal hat das Niederösterreichische Konjunkturbarometer einen Sprung auf +35 (zuletzt 16) gemacht, damit hat es den Bundesdurchschnitt von 29 überholt. "Das Ergebnis ist erfreulich -wir bemerken endlich in den aktuellen niederösterreichischen Einschätzungen klare Hochkonjunktur-Signale, wie in den vergangenen Umfragen sind die Zukunftserwartungen der Unternehmen allerdings skeptisch bis negativ", erklärte Zimmermann. Diese Skepsis zeigt sich vor allem beim erwarteten Beschäftigtenstand in sechs Monaten (-10) und der erwarteten Ertragssituation in sechs Monaten (sogar -25). "Das lässt sich dadurch erklären, dass die produzierenden Unternehmen derzeit ihre Kapazitäten voll ausnützen können, die Auftragsbücher voll sind und vor allem der Export boomt. Deshalb erwarten viele, dass es von nun an wieder bergab geht", so Zimmermann.
Die derzeitige Ertragssituation ist in einem Riesensprung von +22 auf nunmehr +46 geklettert, die Auslandsaufträge haben sich von -9 auf sogar +58 geradezu explosionsartig gesteigert.

Am Beispiel der Automobilzuliefererindustrie erläuterte Mag. Johannes Elsner, Sprecher des Vorstandes der Eybl International AG: " Heuer erwarten wir weiter einen Verdrängungswettbewerb für alle Klassen. Punktuelle Wachstumssegmente wie ,Nischenmodelle’ können das Absatzniveau nur geringfügig beeinflussen. Daher ist die Neuorientierung der wissensbasierten Zulieferkette voll im Gange." Das Erfolgrezept des Unternehmens sei seine absolute Kundenorientierung mit der Schlüsselkompetenz Advanced Design. Heuer orientiert man sich strategisch an den internationalen Standards, für 2005/06 strebt das Unternehmen an, "best of class" unter den europäischen Autozulieferern für Textilerzeugung/Konfektion/Interieur zu werden. "Als Hauptindikator für den zukünftigen Erfolg unseres sowie auch anderer Unternehmen sehen wir die Innovation bzw. die Innovationskraft", betonte Elsner.

Durch Flexibilisierung und Deregulierung Arbeitsmarkt stärken!

Nach dem Arbeitsmarktgipfel vergangene Woche erläuterte Zimmermann das aktuelle Forderungsprogramm der IV: "Die erfolgversprechendste Beschäftigungspolitik ist eine wachstumsorientierte Standortpolitik! Das Jubiläum ,60 Jahre 2. Republik’ ist auch eines von 60 Jahren, in denen unser Wirtschaftsstandort mehr und mehr - teilweise unsinnig -reguliert wurde. Wir fordern zur Erleichterung anstehender Investitionen eine Deregulierungsoffensive in Bund und Ländern. Der Staat muss den Bürgern und Unternehmen signalisieren, dass er sich als Dienstleister versteht."
Die Unternehmen brauchen ein optimales Umfeld für Wachstum und Expansion, damit sie Arbeitsplätze schaffen und erhalten können. Elsner sieht in der Arbeitszeitflexibilisierung den Schlüssel zu mehr Beschäftigung: "Die jetzt für 2005 erwartete Konjunktur reicht für eine Trendwende am Arbeitsmarkt nicht aus. Allerdings würden die Einsparungen durch eine Arbeitszeitflexibilisierung, wie wir sie vorschlagen, zwischen 900 Mio. Euro und 1,1 Mrd. Euro betragen - das hätte die Wirkung einer Beschäftigungsmilliarde!" Kernpunkte des Konzepts von IV und WKÖ sind hier die Erhöhung der täglichen Normalarbeitszeit von 8 auf 10 Stunden, der Höchstarbeitszeit von 10 auf 12 Stunden, die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 60 Stunden sowie ein Durchrechnungszeitraum von 2 Jahren.

Jetzt auch Lohnnebenkosten senken!

Österreich hat in den vergangenen Monaten einige Wachstumsbremsen durch die Steuerreform, die Förderung und Neustrukturierung der Forschungs- und Entwicklungspolitik sowie die Entlastung bei den Lohnnebenkosten für ältere Arbeitnehmer gelöst. Nun tritt die IV für die Senkung der Lohnnebenkosten als nächsten Schritt ein, meinen Zimmermann und Elsner unisono: "Mindestens 0,2 Prozentpunkte beim Unfallversicherungs-Beitrag und eine deutliche Senkung der Beiträge zum Insolvenz-Ausfallgeld-Fonds würden die Arbeitskosten in Österreich konkurrenzfähiger machen." Elsner erklärte am Beispiel seiner Branche: "Der internationale Vergleich zeigt, wie groß die Unterschiede der Lohnkosten an unseren Standorten sind: Die Bandbreite reicht von 34 Euro/Stunde in Deutschland, über 25,09 Euro in Österreich, 18,24 Euro in Spanien, bis zu 3,50 Euro in Ungarn, 2,06 Euro in der Slowakei oder nur 1,66 Euro in Rumänien."

Die Einschätzungen der NÖ Industriebetriebe im Detail:

Die derzeitige Geschäftslage hat sich bedeutend verbessert - von +30 auf +68 im Saldo. Einen Riesensprung macht die Einschätzung des derzeitigen Auftragsbestands: Nach +1 im Vorquartal ist er nun bei +59 - ein Zeichen für einen wirklichen Boom in den antwortenden Betrieben. Vor allem die Auslandsaufträge tragen zu diesem Wachstum bei: Nach -9 jetzt eine Steigerung auf +58.

Für die nähere Zukunft bleiben die Aussichten gemischt: Für das kommende, teilweise bereits laufende Quartal erwarten saldiert nur +3 % der Unternehmen eine höhere Produktionstätigkeit (etwas weniger als zuletzt). Die Produktionskapazität wird nach Ansicht einer Mehrzahl der Unternehmen in den nächsten 3 Monaten wieder leicht ansteigen (+11 nach -7 im Vorquartal). Um die Nulllinie pendelt der Beschäftigtenstand in den vergangenen Umfragen: Nach +4 liegt dieser Wert jetzt mit -10 wieder deutlich im Minus.

Die Erwartung der NÖ Industrie für höhere Verkaufspreise ist mit +9 (nach +13) im Saldo wiederum leicht gesunken - ein Zeichen für den scharfen internationalen Wettbewerb, der die Unternehmen zu Einsparungen (etwa beim Personal) zwingt. Die Erwartungen für die Geschäftslage in sechs Monaten stagnieren bei +2 um den Nullpunkt. Während die derzeitige Ertragssituation ausgezeichnet ist - mit +46 ergab sich hier wieder eine deutliche Verbesserung - bleibt die Verunsicherung der Unternehmen vor allem bei der erwarteten Ertragssituation in sechs Monaten: Mit -25 (nach -19 im Vorquartal) ist dieser Wert wieder gefallen.

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