ARBÖ: Partikelfilter - Große Unsicherheit wegen der neuer Strafsteuer

Umfrage des ARBÖ-Klubjournals FREIE FAHRT bei Autohändlern zeigt großes Informationsdefizit auf

Wien (OTS) - Obwohl im Parlament bereits im Vorjahr beschlossen, gibt es im Autohandel derzeit noch ein großes Informationsdefizit über das Bonus-Malus-System für Diesel-Neuwagen. "Das Wissen bei den Autohändlern ist noch schwach ausgeprägt. Wenn sich das nicht schleunigst bessert, werden die Autokäufer noch stärker verunsichert als sie es schon sind", fasst Leo Musil, Chefredakteur des ARBÖ-Klubjournals FREIE FAHRT zusammen.

In einer Mystery-Telefonumfrage bei Autohändlern in allen neun Bundesländern haben ARBÖ-Informationsdienst und die FREIE FAHRT-Redaktion Auskunft über die umstrittene Strafsteuer verlangt. Getestet wurden Händler der meistverkauften Marken Österreichs: VW, Opel, Renault, Ford, Peugeot, Mazda, Audi, Skoda, Toyota, Fiat und BMW. Pro Marke wurde jeweils ein Händler im Ballungsraum und einer im eher ländlichen Gebiet befragt. Die Anrufer erkundigten sich nach Modellen mit Dieselmotoren und Partikelfilter-Ausstattung bzw. wollten im Detail alles über Fristen, Bonus und Strafsteuer wissen.

Resultat: Trotz des durchwegs freundlichen Tons, variierte der Wissenstand beträchtlich. Die Mehrheit der Verkaufsberater gerieten bei gezielten Fragen ins Schwimmen und erwies sich im Detail als nicht sattelfest. Einige Händler behaupteten tatsachenwidrig, dass die Medien falsch informieren und das geplante Bonus-Malus-System noch gar nicht beschlossen sei.

"Unsere Umfrage erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist eine Momentaufnahme, die nachdenklich macht", meint Musil und empfiehlt eine rasches Ausbessern dieser großen Informationslücke im Interesse von Konsumenten und Autohandel. "Ungenaue Informationen verunsichern die ohnehin schon verunsicherten Autokäufer."

Einige Autoimporteure wie Citroen, Peugeot und BMW haben bereits rasch auf die neue Situation reagiert und bieten jetzt schon 300 Euro als Bonus, obwohl der eigentliche Bonus erst ab 1. Juli 2005 kommt.

Die meist gestellten Fragen und Antworten hat der ARBÖ übersichtlich zusammengestellt:

* Ich fahre einen VW-Golf ohne Partikelfilter. Muss ich Malus zahlen? Nein, denn das neue Bonus-Malus-System gilt nur für Diesel-PKW und ausschließlich für Neuwagen, die erstmals in Österreich zugelassen werden. Für alle anderen Fahrzeuge, also für Benziner oder schon zugelassene Diesel-PKW ändert sich nichts!

* Soll ich mit dem Autokauf warten?
Kommt ganz darauf an, ob sie einen großen (über 80 kW/110 PS) oder kleineren Wagen kaufen wollen. Für kleine Fahrzeuge (bis 80 kW/110 PS) ändert sich 2005 steuerlich nichts, sondern erst ab Jänner 2006. Für größere Fahrzeuge tritt das Bonus-Malus-System schon heuer, ab Juli 2005 in Kraft. Ist das von Ihnen gewünschte Modell mit Partikelfilter ausgestattet, kann es sich lohnen bis Juli zuzuwarten, denn ab diesem Zeitpunkt gibt es einen Bonus von 300 Euro. Er zahlt sich aber auf alle Fälle aus, jetzt schon beim Autohändler nachzufragen, denn bestimmte Automarken wie Citroen, Peugeot und BMW übernehmen für ihre Kunden schon jetzt den Bonus.

* Was bedeutet eigentlich Bonus-Malus-System?
Wenn ein Auto erstmals in Österreich zugelassen wird, muss man die "Normverbrauchsabgabe" zahlen, die sogenannte NoVA. Diese zahlt man nur einmal in einem Autoleben, entweder wenn das Auto neu gekauft oder selbst aus dem Ausland importiert wurde. Für große Diesel-PKW (über 80 kW/110 PS) mit Partikelfilter zahlt man ab 1. Juli 2005 um 300 Euro weniger NoVA (Bonus). Gleichzeitig muss für große Diesel-PKW ohne Partikelfilter eine höherer NoVA gezahlt werden. Dieser Malus beträgt 0,75 Prozent der Bemessungsgrundlage und kann zunächst maximal 150 Euro ausmachen. Ab Juli 2006 steigert sich der Malus auf 1,5 Prozent der Bemessungsgrundlage oder maximal 300 Euro.

Dieselbe Regelung gibt es ab Jänner 2006 für kleinere Diesel-PKW. Allerdings steigert sich der Malus von maximal 150 schon ein halbes Jahr später, ab Juli 2006 auf 300 Euro.

* Warum spricht man von Strafsteuer?
Gerade die in Österreich am meisten gekauften Automodelle sind derzeit noch nicht mit Partikelfilter ausgestattet. Insbesondere in der Mittelklasse fehlt es an Angeboten. Die Autohersteller werden für die Umstellung noch Zeit brauchen, es gibt auch Engpässe bei der Auslieferung von Partikelfiltern. Solange der Markt aber nicht genug Automodelle mit Partikelfilter anbieten kann, sind die Konsumenten gezwungen den Malus zu schlucken. Da beim Autokauf der Kaufpreis das entscheidende Kriterium ist, können sich nur wenige Autokäufer ein teureres Modell mit Partikelfilter leisten.

* Warum sollen ausgerechnet Diesel-PKW durch einen Bonus gefördert werden?
Der Bonus von 300 Euro hilft nur, einen Teil der Mehrkosten abzudecken, die mit einem Partikelfilter verbunden sind. Die Mehrkosten für einen Partikelfilter bewegen sich zwischen 440 und 1.050 Euro pro Fahrzeug. Durch den Partikelfilter kann es zu einem höheren Treibstoffverbrauch um drei bis sechs Prozent kommen. Und es nicht auszuschließen, dass manche Fahrzeuge dadurch in eine höhere NoVA-Klasse fallen und man für sie einen höheren Prozentsatz an NoVA zahlen muss als für einen Diesel-PKW ohne Partikelfilter.

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