Müssen Patienten wirklich hungern?

Wien (OTS) - Auf seinem 22. Ernährungskongress am 24. und 25. Februar 2005 befasst sich der "Verband der Dipl. DiätassistentInnen & Ernährungsmedizinischen BeraterInnen" mit den Möglichkeiten und Grenzen der Diätetik im Rahmen der Gastroenterologie. Dabei werden Themen wie Mangelernährung, Sinn und Unsinn in der Diättherapie sowie der Einfluss der Psyche auf den Verdauungstrakt angesprochen.

Erkrankungen des Verdauungstraktes umfassen verschiedenste Krankheitsbilder - von entzündlichen Prozessen wie beispielsweise Morbus Crohn, Colitis ulcerosa bis hin zu schweren onkologischen Erkrankungen. Die richtige Ernährungstherapie spielt bei der Behandlung eine wesentliche Rolle. Deshalb kommt der fundiert ernährungsmedizinisch ausgebildeten Berufsgruppe der Dipl. DiätassistentInnen und ernährungsmedizinischen BeraterInnen enorme Bedeutung zu.

"Wir unterscheiden uns von allen anderen ernährungstätigen Berufsgruppen dadurch, dass wir in der Ernährungsmedizin speziell im Bereich der Therapie tätig und als Einzige dazu gesetzlich befugt sind. Vor allem Erkrankungen des Verdauungstraktes sind oftmals mit 'Nahrungsverzicht' verbunden, der aber nicht immer sein müsste," macht Andrea Hofbauer, Vorsitzende des Berufsverbandes, den Betroffenen Mut. Sei es im Bereich von Krebserkrankungen, z.B. während einer Chemo- oder Strahlentherapie, oder vor und nach chirurgischen Eingriffen - die Nahrungsaufnahme, das Essen & Trinken können für die Patienten zum Leidensweg werden. Auch Schluckstörungen, Reflux, Gastritis, Nahrungsverwertungsstörungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Durchfall, Verstopfung, Leberzirrhose, Pankreatitis, chirurgische gastrointestinale Eingriffe, etc. - all diese Erkrankungen sind meist mit erheblichen Ernährungsproblemen verbunden. Diese reichen vom Nicht-essen-können bis hin zu Problemen der Nährstoffaufnahme. Gewichtsabnahme, Mangelernährung und vor allem eine Einschränkung der Lebensqualität können die Folge sein.

Da Patienten aufgrund ihrer Erkrankung oftmals eine sehr eingeschränkte Nahrungsmittelauswahl haben, ist Mangelernährung ein besonders häufig auftretendes Problem. Bei 20 - 50 % aller Patienten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden, sind mit Anzeichen einer Mangelernährung zu rechnen. Eine Studie aus den USA belegt, dass das Risiko einer Mangelernährung in nicht-universitären Krankenhäusern bis zu 82% beträgt.

Eine vergleichbare Untersuchung in einem Wiener Pflegeheim weist mit 73% ein ähnlich hohes Resultat auf. Dazu kommt, dass in der Regel falsche Ernährungsempfehlungen gegeben werden. Besonders bei Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes sind spezifische "Schonkostformen" noch immer Tradition - obwohl ernährungsmedizinisch bewiesen ist, dass diese Empfehlungen längst überholt sind. Ebenso werden Patienten vor und nach operativen Eingriffen unnötigerweise "Hungerstrecken" ausgesetzt.

Drastisch ist die Situation besonders bei Krebspatienten: Das Fortschreiten einer Krebserkrankung kann Patienten, die daran leiden anfälliger für die Toxizität einer Strahlen- oder Chemotherapie machen. Vieler dieser Patienten versterben an Ursachen, die durch Mangelernährung hervorgerufen werden eher als am Tumor. Kachexie ist bei mindestens 20 % aller Krebspatienten für den Tod verantwortlich.

Neue Therapieformen, die eine gute Ernährung der Patienten ermöglichen, werden derzeit kaum in die Praxis umgesetzt.

Hauptursachen für Ernährungsprobleme im Krankenhausbereich sind die Nichtbeachtung der Ernährungssituation des Patienten beim Eintritt und während des Aufenthaltes in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie der Mangel an DiätassistentInnen, um eine entsprechende Ernährungstherapie rechtzeitig durchführen zu können. Durchschnittlich fallen auf eine DiätassistentIn mehr als 200 Patienten.

Ein einfach durchzuführendes Ernährungsscreening und eine entsprechende Therapie würden den Patienten viel Leid und der Volkwirtschaft enorme Kosten sparen. Durch eine nicht beachtete Mangelernährung können sich die Spitalsaufenthaltskosten verdoppeln, bei schweren Komplikationen fallen sogar die vierfachen Kosten an! Annamaria Eisenberger, leitende Diätassistentin am Universitätsklinikum Graz, fasst zusammen: "Mangelernährung während einer Erkrankung führt zur Beeinträchtigung der Immunabwehr, verzögert den Heilungsprozess, erhöht das Risiko für schwere Komplikationen und schafft gesteigerten Bedarf an qualifizierter Pflege. Deshalb ist es ein zentrales Anliegen des Verbandes, die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Diätassistenten, Ärzten und anderen Gesundheitsberufen durch die Bildung von Ernährungsteams zu fördern."

Rückfragen & Kontakt:

Verband der Dipl. DiätassistentInnen & Ernährungsmedizinsichen
BeraterInnen Österreichs
Andrea Hofbauer
Grüngasse 9/Top 20, 1050 Wien
Tel.: 0664-1328 930
www.ernaehrung.or.at
e-mail: andrea_m_hofbauer@hotmail.com

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