"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eene Frau regeert dat Land alleen!" (von Stefan May)

Ausgabe vom 21.02.2005

Graz (OTS) - Als die gebürtige Rheinländerin vor zwölf Jahren ihr Amt als erste und bis jetzt einzige Ministerpräsidentin Deutschlands antrat, war die Skepsis gegenüber Heide Simonis bei den Nordländern groß. Nicht nur, weil das Vertrauen in die Politik nach ihren beiden Vorgängern ramponiert war. "Eene eenzige Frau regeert dat wunnerschöne Land ganz alleen. Dat dörf doch nit sin!" So hallte es ihr anfangs auf einer Veranstaltung des Bauernverbands entgegen.

Die Ministerpräsidentin (SPD) zitiert dieses Erlebnis auf ihrer Homepage. Dort zeigt sie sich so, wie es ihre Landsleute von ihr gewohnt sind: mit viel Schmuck und stets mit Hut. Im Wahlkampf 1996 gab es sogar ein Plakat, das statt ihr nur 15 Hüte zeigte.

Auch diesmal war der Wahlkampf auf die bei den scheuen "Nordlichtern" populäre Landesmutter zugeschnitten: "He!de" prangte auffordernd auf den Plakaten, mit Rufzeichen als Aufforderung an Unentschlossene.

Ein Mütterchen ist die seit 34 Jahren mit einem Uni-Professor Verheiratete aber nicht. Simonis ist energisch und emanzipiert. Zu ihrem zehnjährigen Regierungsjubiläum brachte sie das Buch "Unter Männern" heraus. Politischen Auseinandersetzungen geht sie nicht aus dem Weg. Manchmal kommen auch bundespolitische Einwürfe deutlich linker Weltanschauung vom Land am Meer. Etwa, wenn Simonis eine Erhöhung der Mehrwertsteuer verlangt oder sich Gedanken über die Vermögenssteuer macht. Sogar Kanzler Gerhard Schröder gab kürzlich zu, beim Telefonieren mit ihr "kriegt man schon das Zittern". So groß ist der Respekt vor ihrer Eloquenz.

Unehrlichkeit und Wortbruch sind der 61-Jährigen ein Gräuel, Erbe ihrer preußisch-konservativen Erziehung. Im Umgang mit ihren Landesbürgern gilt die Ministerpräsidentin als volksnah. Ihre große Leidenschaft, der Besuch von Flohmärkten, ist inzwischen über die Landesgrenzen hinaus bekannt, die Sammlung an Gläsern, Tischdecken und Kaffeekannen riesig.

Nach eigenen Aussagen war dies die letzte Wahl, zu der Heide Simonis angetreten ist, die sich selbst als "Vollblutpolitikerin seit vielen Jahren" bezeichnet. Mit einem Seitenhieb auf ihren CDU-Amtskollegen in Baden-Württemberg sagte sie: "Ich will nicht aus dem Amt geschubst werden wie Erwin Teufel." ****

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