WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17.2.2005: Die Liberalen brauchen eine neue Heimat - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Eine Adresse, eine Telefonnummer, eine Homepage und sogar einen eigenen Bundessprecher haben sie - Sie werden’s mir nicht glauben - noch immer. Leider haben die Liberalen, die früher Liberales Forum hiessen, aber längst keine politische Bedeutung mehr. Es fehlt ihnen an Geld, es fehlt die mediale Beachtung, sie haben praktisch keine Mitglieder mehr und obendrein keine wirklich überzeugenden Funktionäre: Ein paar völlig unbekannte Hansln spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit recht amateurhaft Politik - das ist alles, was von Heide Schmidts viel versprechendem Anlauf im Februar 1993 übrig blieb.
Allerdings ist es jammerschade, dass es in Österreich seit Oktober 1999 - damals flog das LIF aus dem Parlament - praktisch keine Heimat für Liberale mehr gibt. Und ich bin überzeugt, dass die Chancen für eine solche politische Gruppierung derzeit noch weitaus besser als damals stünden. Gerade im Bereich der Wirtschaft ist ein nicht unbeträchtliches Potenzial zu orten - jüngere, gut ausgebildete, karrierebewusste, intelligenzbetonte Menschen, die nicht in Schwarz, Rot, Blau oder Grün kategorisierbar bzw. mit den vier im Parlament vertretenen Parteien nicht wirklich happy sind. Eine solche Partei für Liberale könnte wahrscheinlich Aufsteiger und Freiberufler ebenso ansprechen wie gehobene Angestellte und absolute Top-Führungskräfte. Sie hätte auch bei all jenen Protestwählern, die von Schüssel, Haubner, Gusenbauer und Van der Bellen längst übersättigt sind, durchaus Aussichten auf Erfolg.
Der Neustart einer liberalen Partei würde primär drei Dinge erfordern: Erstens braucht man dafür ziemlich viel Geld, zweitens einige kompetente, engagierte Spitzenkandidaten und drittens ein solides, kreatives Programm. Dieser Punkt wäre als erster abzuhaken, sofern man zu allen aktuellen Themen - von A wie Abfangjäger bis Z wie Zuwanderung - klar Stellung bezieht. Punkt zwei würde schon weitaus schwieriger sein, weil es letztlich nur wenige parteiungebundene Persönlichkeiten gibt, die - so wie seinerzeit Heide Schmidt oder Johannes Strohmayer - für potenzielle liberale Wähler geeignete Galionsfiguren wären. Aus dem Bereich Wirtschaft fielen mir aber durchaus einige ein. Übrigens wären das auch ideale Sponsoren eines solchen Projekts. Punkt eins, genügend Geld, wäre letztlich die höchste Hürde für eine liberale Partei. Denn das LIF scheiterte nicht nur an der toxischen Schärfe von ideologischen Schmidt-Positionen, sondern trotz Hans Peter Haselsteiner zweifellos auch am fehlenden Kapital.

Rückfragen & Kontakt:

Redaktion WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 60 117/279
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001