ARMUTSKONFERENZ fordert "Mindestsicherungs-ABC"

Wien (OTS) - Armutskonferenz fordert umfassende Mindestsicherung (A), verstärkte Investition in soziale Dienstleistungen für Einkommensschwache (B) und Qualitätssteigerung der Arbeitsmarktpolitik (C)

"Wenn unsere Gesellschaft ein großes Haus ist, können wir nicht achselzuckend hinnehmen, dass immer mehr Menschen im dunklen Keller verschwinden", weist DIE ARMUTSKONFERENZ zwei Wochen nach Präsentation des Sozialberichts der Regierung auf notwendige Massnhamen zur Armutsvermeidung hin. "Das Ziel muss jetzt sein zu verhindern, dass Menschen in den Kelller hinunterstürzen - und nicht ihn zu vergrössern, so Martin Schenk, Sozialexperte der Armutskonferenz.

Um die Armut zurückzudrängen, schlägt die Armutskonferenz ein Mindestsicherungs ABC vor. Ein solches "Mindestsicherungs-ABC" umfasst die materielle Mindestsicherung (A), soziale Dienstleistungen (B) und aktive Arbeitsmarktpolitik (C). Besonders die Bedeutung sozialer Dienstleistungen für die Armutsbekämpfung wurde bisher unterschätzt. Das Instrument einer materiellen Mindestsicherung (A) ist nur dann wirkungsvoll, wenn es mit -für alle in gleicher Qualität zugänglichen- sozialen Dienstleistungen (B) wie Kinderbetreuung, öffentlicher Verkehr, einem durchlässigen Bildungssystem oder sozialem Wohnbau verknüpft ist. "Einer Alleinerzieherin nützt eine Grundsicherung von 700Euro gar nichts, wenn gleichzeitig die Miete auf 600Euro ansteigt, es keine Kinderbetreuung gibt, beim Arzt stets gezahlt werden muss, Gebühren steigen, die U-Bahn keinen Sozialtarif kennt, die Schule keine kostenlose Nachmittagsförderung für ihr Kind anbietet, die Pensionsversicherung privat gezahlt werden soll.", berichtet Sozialexperte Schenk von der ARMUTSKONFERENZ, dem österreichischen Anti-Armutsnetzwerk, das über 100 000 Hilfesuchende im Jahr unterstützt und betreut.

"Der Anstieg der Armut wird verhindert:

  • wenn Zukunft nicht von der Herkunft abhängig ist,
  • wenn Kinder gleiche Bildungschancen haben,
  • wenn man vom Job, den man hat, leben kann
  • wenn Qualifizierung am Arbeitsmarkt für Benachteiligte möglich ist.
  • wenn die sozialen Lebensbedingungen in der Gesundheitsvorsorge stärker bercüksichtigt werden
  • wenn es ein ein qualitativ gut ausgebautes Kinderbetreuungsnetz gibt", so DIE ARMUTSKONFERENZ.

A) Materielle Mindestsicherung

Materielle Existenzsicherung gilt es in der Pension, in Phasen der Erwerbslosigkeit, bei der Notstandshilfe, in der Sozialhilfe, und im Krankenversicherungsschutz.zu etablieren.", so DIE ARMUTSKONFERENZ weiter. Es braucht dafür einenRechtsanspruch auf diese Leistungen, umfassenden Versicherungsschutz, und ein System der Bedarfsprüfung, das nicht zur langfristigen Verfestigung der Armut führt.

B) Soziale Dienstleistungen

Soziale Dienstleistungen stellen einen bisher unterschätzten Beitrag zu Armutsbekämpfung und -vermeidung dar und sind im österreichischen Sozialsytem unterrepräsentiert. Der Zugang zu Gesundheitsdiensten, Beratungsstellen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Bildungsmaßnahmen muss unabhängig von Herkunft und Einkommen gesichert sein.

C) Qualität der Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen müssen - um armutsbekämpfend zu wirken - auf Freiwilligkeit basieren, existenzsichernde Löhne garantieren und der betroffenen Zielgruppe langfristige Perspektiven eröffnen.

DIE ARMUTSKONFERENZ. - Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung.

Wir betreuen und unterstützen im Jahr über 100 000 Hilfesuchende:
www.armut.at

Rückfragen & Kontakt:

Die Armutskonferenz
Tel.: 01/ 408 06 95 oder 0664/ 544 55 54
Koordinationsbüro: 01/ 402 69 44

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