"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Ein guter Anfang" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 15. Februar 2005

Innsbruck (OTS) - Noch überwiegt in erster Linie die Taktik, hier wie dort, trotzdem brachte der Bildungsgipfel einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung.
Als nach dem Schock der PISA-Studie SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer die Zweidrittelmehrheit in Schulfragen ohne Auflagen zur Disposition stellte, brachte er die Volkspartei über Nacht in die Defensive. Die ÖVP sah sich über Wochen in der Rolle der Reformverweigerin. Die wiederkehrenden Losungen - Gesamtschule, ein Horror und Ganztagsschule ist Zwangstagsschule - zeigten keine Wirkung mehr. Die Volkspartei musste zur Kenntnis nehmen, dass ihr ideologisches Schulprogramm längst zur realpolitischen Minderheitsposition verkommen ist. Krampfhaft wurde nach einem Ausweg gesucht, gefunden wurde er nicht.
Um der Opposition (und den auf ihre Chance lauernden Freiheitlichen) nicht ein anhaltendes Thema bis hin zum Wahlkampf zu liefern, gelang der angeschlagenen Bildungsministerin eine Art Befreiung, die ihr von vielen nicht mehr zugetraut worden ist. Elisabeth Gehrer konnte zwar beim Bildungsgipfel keine inhaltlichen Akzente setzen, doch sie nahm den Ball der SPÖ auf und sprach sich nun (trotz der anderslautenden Äußerungen der Ministerin in den vergangenen Wochen) selbst für das Ende der Zweidrittelmehrheit in Schulfragen aus.
Damit wurde eine Voraussetzung geschaffen, die tatsächlich zu einer umfassenden Schulreform führen könnte. Allerdings erfuhren wir bislang über das pädagogische Programm der Zukunft, welches auch Antworten auf die gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit geben sollten, reichlich wenig. Wenn es den politischen Parteien also tatsächlich um eine weit reichende Reform geht, dann sollte nun die Zeit der taktischen Spielchen vorbei sein. Vielleicht ein frommer Wunsch. Doch die Voraussetzungen für eine Erfüllung wurde geschaffen.

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