WirtschaftsBlatt Kommentar vom 12.2.2005: Lehrstuhl,gesponsert von… - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Am Montag ist Bildungsgipfel. Auf ihm wird nicht nur über vieles, sondern über alles geredet werden: über Vorschule, Gesamtschule, Kinder, Lehrer, Universitätsprofessoren, Pisa-Defizit, Lehrlingsausbildung und hundert Themen mehr. Das ist löblich, allerdings: Auch auf höchster Ebene sind grosse Arbeitsgruppen in seltensten Fällen effizient und in keinem Fall kreativ. Ein Bildungsgipfel ist ein Marktplatz für viele Standpunkte und wenig Ideen.
Dennoch sollte ein Thema keinesfalls untergehen. Es ist das in Österreich nur ansatzweise bewältigte Verhältnis zwischen Wirtschaft und Bildung, insbesondere auch Wirtschaft und Universitäten. Beide Seiten könnten viel für einander tun. Damit ist nicht der Vorschlag der Grünen gemeint, die Schulpflicht von neun auf zwölf Jahre zu verlängern. Das kling nämlich gerade so, als würde die Schule in einen Parkplatz fürs Leben umgebaut, damit die Unternehmen länger von Jobsuchenden verschont blieben.
Wenn allgemein geklagt wird, dass die Universitäten zu wenig Geld und zu viele Studierende haben, so müsste sich endlich das amerikanische Prinzip des Fund-Raisings auf Hochschulboden verbreiten. Grosse Unternehmen, die Interesse an gezielter Forschung und guter Ausbildung der Spezialisten haben, finanzieren einen Studiengang, vielleicht sogar das Labor dazu. Fallweise gibt es das schon, überall wäre das Prinzip sowieso nicht anwendbar, was zugleich den heiklen Punkt des Bildungs-Sponsoring bildet: Wenn für Kybernetik oder High-Tech-Medizin Geld fliesst, dürfen Paläontologie und Sanskrit dennoch nicht unter die Armutsgrenze rutschen. Es muss ein sinnvolles Miteinander von staatlicher und privater Investition geben.
Nicht nur Österreich, sondern die ganze EU hinkt den USA bei den privaten Investitionen in die höhere Bildung nach. Private Geldgeber buttern, gemessen am BIP, in den USA fünf Mal so viel in die Hochschulen und die berufliche Weiterbildung wie die EU. Japan drei Mal so viel. Das ist in der Wirtschaftskammer-Broschüre "Auf dem Weg nach Lissabon" nachzulesen. Hätten die Autoren schönere Zahlen gehabt, hätten sie sie gern verwendet.
Zum gesunden Wechselspiel zwischen Universität undWirtschaft gehören freilich nicht nur einsatzfreudige Unternehmen, sondern dynamische Hochschulprofessoren. Sie müssen die Hemmschwellen gegenüber Geld, Eigenmarketing und das Wirtschaftliche schlechthin überwinden. Den Jungen unter ihnen wird das leichter fallen.

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