AK gegen Debatte über Verlängerung der Arbeitszeit

Goach: Industrie will Löhne kürzen - Flexibilisierung als Vorwand

Klagenfurt (OTS) - Eine Absage erteilt die Arbeiterkammer Kärnten den Forderungen der Industrie nach einer Verlängerung der Arbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden täglich. "Diese Vorstöße zielen nur darauf ab, Lohn-kürzungen durch die Flexibilisierungs-Hintertür einzuführen", kritisiert Kärntens AK-Präsident Günther Goach. Den Unternehmen gehe es allein darum, Überstunden in Normalarbeitsstunden umzuwandeln, um sich die Überstundenzuschläge zu sparen. Die Konsequenz: noch höhere Gewinne für die Unternehmer und Lohn- und Gehaltskürzungen für die Beschäftigten. "Was die Industrie will, ist eine Lohnkürzung von über einer Milliarde Euro zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagt Goach. Einkommenskürzungen führen aber in eine ökonomische Sackgasse. Bei ohnehin schwacher Inlandsnachfrage auf eine Kürzung der Massenkaufkraft zu setzen, verschlechtert die konjunkturelle Lage und erhöht die Arbeitslosigkeit. "Auch die Wirtschaft wünscht sich eine höhere Kaufkraft, eine Lohnkürzung führt aber sicher nicht dorthin", betont Goach.
Weiters kritisiert die AK, dass die Industriellenvereinigung mit unrichtigen und verzerrenden Zahlen ein Bild der österreichischen Wirtschaft zeichne, das nicht der Realität entspreche. Die Eigenkapitalquote der Industrie liegt mit 39 Prozent im Jahr 2003 im EU-Schnitt mit 40,3 Prozent. Zusätzlich werden die Großunternehmen durch die Steuerreform neuerlich massiv entlastet.
Das Argument der Industrie, eine längere Arbeitszeit würde die Wettbewerbsfähigkeit steigern und Arbeitsplätze sichern, weist die Arbeiterkammer zurück. Der Anteil der Löhne an den Gesamtkosten der Industrie beträgt durchschnittlich nur zehn bis 15 Prozent.
Für internationale Vergleiche sind außerdem die Lohnstückkosten (Arbeitskosten pro erzeugter Ware) aussagekräftig. Diese sinken in Österreich seit Jahren, weil die Produktivität stärker steigt als die Löhne.
Nach der Herbstprognose der EU-Kommission sind die Lohnstück-kosten in der Gesamtwirtschaft in den Jahren 2001 bis 2005 in Österreich mit 5,3 Prozent deutlich weniger stark gestiegen als zB in Finnland mit rund 9 und Schweden mit fast 7 Prozent. Damit liegt Österreich wesentlich besser als der EU-Durchschnitt mit 10,5 Prozent.
Auch die immer wieder behaupteten starren Tages- und Wochenarbeitszeiten in Österreich gibt es in Wahrheit nicht. Arbeitszeitgesetz und Kollektivverträge ermöglichen ein hohes Ausmaß an Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Allein in Kärnten gibt es schon jetzt rund 2500 flexible Regelungen, die in Betriebsvereinbarungen festgelegt sind. Die Flexibilisierung finde laufend statt. "Gute Unternehmer schaffen es, Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, die beiden Seiten nützen: den Beschäftigten und den Betrieben", sagt Goach.
Daher ist für Goach klar, dass es der Industrie mit der Arbeitszeitdebatte nur um den Griff in die Taschen der Arbeitnehmer geht. "Anstatt den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen, müssen endlich wirksame Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit ergriffen werden", fordert Goach.
Bereits jetzt gehören die Arbeitnehmer in Österreich zu den fleißigsten in Europa. 43 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche. Der von der Arbeiterkammer regelmäßig durchgeführte Arbeitsklima-Index zeigt außerdem, dass Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit mit steigender Stundenzahl massiv sinken.

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