Umweltdachverband: Mit 160 km/h noch schneller weg von Kyoto!

Forderung nach Erhöhung des Tempolimits torpediert Klimaschutz-Bemühungen. Verkehr ist und bleibt Hauptverursacher der Treibhausproblematik. Gegenmaßnahmen längst überfällig!

Wien (OTS) - "Das Theater um die 'Lizenz zum Rasen' sollte rasch wieder vom Spielplan genommen werden", sagt Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes. Der Vorschlag von Verkehrsminister Gorbach, das Tempolimit auf Autobahnen auf 160 km/h zu erhöhen, ist aus Sicht des Umweltdachverbandes mehr als fragwürdig.

"Was ist das für eine Politik, die Klimaschutz predigt und dabei auf den Schadstoffaustoß und die Energievergeudung vergisst?", fragt Heilingbrunner. Immerhin hat sich Österreich vertraglich verpflichtet, seine Treibhausgas-Emissionen bis 2008/2012 um 13 Prozent zu reduzieren. Die Erreichung dieses Kyoto-Ziels wird mit solchen Aktionen jedoch nicht forciert, sondern im Gegenteil torpediert.

"Der Gorbach-Vorstoß ist ein weiterer Beweis für das katastrophale Scheitern der Verkehrspolitik. Personen- und Güterverkehr auf der Schiene gehen drastisch zurück, die Transitproblematik explodiert, Die Luft- und Feinstaubbelastung steigt weiter und die Erfüllung der Klimaschutzverpflichtungen wird immer unwahrscheinlicher", so Heilingbrunner.

Freie Hand für Luftverpester

Während die Industrie Klimaschutzziele verpflichtend einhalten muss (Stichwort Klimazertifikate), gibt Gorbach mit seinem Tempo 160-Vorstoß den wenigen Rasern in Österreich und dem Transitverkehr freie Hand, die Luft weiter zu verpesten. Das ist unverantwortlich und verstößt gegen nationale wie internationale Klimaschutz-Verpflichtungen.

160 km/h Tempolimit fördert nur tödliche Raserei auf Autobahnen

"Derzeit ist es üblich, Temposünder erst weit über der gesetzlich vorgeschriebenen Tempolimit-Grenze zu bestrafen. Die absurde Forderung nach einer gesetzlichen Limiterhöhung auf 160 km/h würde die Tempoüberschreitungen nur noch weiter in gefährliche Höhen treiben. Es darf deshalb zu keinem Freibrief für Raserei auf Kosten der Umwelt und Sicherheit kommen", sagt Heilingbrunner.

Geschwindigkeitsrausch erhöht Unfallgefahr

Dass eine Erhöhung des Tempolimits auch in Sachen Verkehrssicherheit ein Schuss ins Knie wäre, beweist allein schon die Statistik: Bei mehr als einem Drittel der tödlichen Unfälle ist zu hohe Geschwindigkeit die Ursache. Im Schnitt der letzten fünf Jahre kamen allein auf Österreichs Autobahnen bei 2.450 Verkehrsunfällen pro Jahr 144 Menschen ums Leben, 3.876 wurden verletzt. "Möchtegern-Schumachers haben auf der Autobahn nichts verloren. Unsere Forderung lautet: konsequente Kontrollen und höhere Strafen für Temposünder!", so Heilingbrunner.

"Gut möglich, dass es sich bei diesem verantwortungslosen Gorbach-Vorstoß um ein Retourfoul am Koalitionspartner, ausgelöst durch die Wehrdienstverkürzung, handelt. Doch Herr Verkehrsminister, auf dem Rücken der Umwelt und der Sicherheit der Menschen dürfen keine Fouls innerhalb der Regierung ausgetragen werden. Überlegen Sie sich andere Fouls", so Heilingbrunner.

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