Liesinger Brauerei: Industriedenkmal mit bewegter Geschichte

Wien (OTS) - Das seit Freitag Früh in Brand stehende ehemalige Betriebsgebäude der Liesinger Brauerei - seit 8.30 Uhr herrscht Alarmstufe 3, 100 Feuerwehr-Leute befinden ich vor Ort im Einsatz -kann auf eine bewegte Geschichte zurück blicken. Gegründet von Johann Georg Held (1796 - 1850), der dort Besitzer eines zwischen Breitenfurter Strasse und Rudolf-Weißdorn-Gasse gelegenen Felsenkellers war, konnte im Jahr 1828 die Genehmigung zum Bau einer Brauerei erreichen. Im Jahr 1839 war es dann so weit: das erste "Oberliesinger Felsenkeller-Bräu" konnte ausgeschenkt werden. Aufgrund der Nähe zur 1841 eröffneten Südbahnstrecke nahm das Unternehmen einen großen Aufschwung. Zu seinem Tod bestimmte Held eigentümlicherweise, dass die florierende Brauerei eingestellt, das Brauhaus öffentlich versteigert und all sein Besitz verkauft werden soll. Nichtsdestrotrotz ging das Geschäft weiter: Helds Erben wurden von den Mitbesitzern Moriz Faber und Theodor Löwenthal ausbezahlt und der Betrieb wurde weiter geführt. 1872 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Jahr 1898 errichtete das Architekten-Duo Ferdinand Fellner und Herman Helmer den charakteristischen Turm auf dem Brauerei-Gelände. Das neue Gebäude, das mit einem großen Tanzsaal und einem Restaurationsbetrieb ausgestattet war, galt über Jahre hinweg als beliebtes Ausflugslokal. Zwischen 1900 und 1914 entstanden für die Brauerei-Arbeiter und deren Familien diverse Wohnhäuser. 1928 erfolgte die Fusion mit der Österreichischen Brau-AG. Nach 1945 zählte die Liesinger Brauerei zu den ersten Berieben, die wieder voll arbeiten konnten. Der Grund: Der Besitz war zwar in sowjetischer Hand, andererseits konnte dadurch aber die Versorgung mit Gerste sicher gestellt und 500 Arbeiter konnten beschäftigt werden. Ende der 60er Jahre entstand noch eine Siloanlage für 22.000 Tonnen Gerste. 1973 wurde das letzte Bier in Liesing gebraut, in den nächsten Jahren wurde noch Limonade und Bier abgefüllt. 1990 wurde der letzte große Schornstein und das Kesselhaus abgetragen. Heute erinnert auf dem ehemaligen Gelände noch ein eigenes Brauereimuseum an die Geschichte der Brauerei.

Geschichte des Brauereiwesens in Wien

Brauhäuser gibt es in Wien bereits seit dem 13. Jahrhundert. Das Bier wurde aber damals vorwiegend noch in eigenen Haushalten hergestellt. Der "Kampf" zwischen Wein und Bier ist ebenfalls schon recht lange belegbar: So wurde etwa in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus Rücksicht auf die Wiener Weinbauern das uneingeschränkte Brauen und Ausschenken von Bier eingeschränkt. In Wien gab es noch bis ins 19. Jahrhundert eine Unzahl an kleineren Brauereien. Auch die Stadt Wien verfügte über einen eigene Brauerei, die im Jahr 1905 gegründet wurde. Noch im Jahr 1929 existierten in Wien 20 Brauerei-Betriebe. 1983 waren es nur mehr zwei Betriebe. (Schluss) hch

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