ARBÖ: Vom Ausländer-Strafregister bis zu neuen Fahrverboten

ARBÖ-Tipps für Semesterferienfahrten nach Italien

Wien (OTS) - Österreichischen Autofahrern, die es in den Semesterferien in italienische Gefilde - etwa nach Südtirol oder ins Trentino - zieht, ruft ARBÖ-Verkehrsjuristin Dr. Barbara Auracher-Jäger neue und alte Verkehrsregeln in Italien in Erinnerung.

Dr. Auracher-Jäger: "Die wichtigsten Änderungen vorweg: Warnweste nicht vergessen, auf die neuen zeitweiligen Fahrverbote in Bozen, Meran, Brixen und Bruneck achten und bedenken, dass nun auch das Ausländer-Strafregister in Rom funktioniert." Leicht erhöht wurden in Italien im Dezember 2004 auch noch die Geldstrafen, die im Sommer 2003 gleichzeitig mit der Einführung des Punkteführerscheins erhöht worden waren. Auf Autobahnen gilt ausnahmslos Tempolimit 130 bzw. beim Schlechtwetter 110 km/h.

Noch ein praktischer Tipp für alle, die von den "Carabinieri" oder der "Polizia Stradale" bei einer Übertretung erwischt werden und sich die Möglichkeit offen halten wollen, Berufung ("Rekurs") einzulegen:
"Auf jeden Fall die Mindeststrafe zahlen, sonst kann das Auto auch noch 60 Tage lang beschlagnahmt werden. Wichtig ist jedoch, dass man ausdrücklich festhält, dass es sich dabei nur um eine Kaution handelt", informiert die ARBÖ-Verkehrsjuristin. Wer zahlt, ohne die Bezahlung als Kaution zu deklarieren, akzeptiert damit automatisch die Geldstrafe und beraubt sich jeder Möglichkeit, dagegen zu berufen. Diese Möglichkeit einer Kautionszahlung ist bei ausländischen Autofahrern allerdings noch viel zu wenig bekannt. (Von den Italienern darf die Polizei kein Bargeld mehr kassieren. Strafgelder italienischer Lenker werden ausnahmslos überwiesen).

Die Möglichkeit, Berufung einzulegen, wird um so wichtiger, weil es seit Mai 2004 in Italien ein eigenes Punkteführerscheinregister extra für ausländische Lenker gibt. Bei vielen Verkehrsdelikten werden in Italien ja nicht nur Geldstrafen kassiert, sondern auch noch Punkte abgezogen. Über den aktuellen Punktestand können sich Ausländer unter der Telefonnummer 0039/06/848 782 782 informieren.

Auch autofahrende Touristen bekommen - genauso wie italienische Lenker - von vornherein 20 Punkte gutgeschrieben. Sind diese aufgebraucht, gibt es ein Fahrverbot in Italien. Dieses kann - je nachdem wie schnell die Punkte verbraucht wurden - ein halbes bis zwei Jahre lang dauern. Dr. Auracher-Jäger: "Wer alle zwanzig Punkte innerhalb eines einzigen Jahres abgebucht bekommt, darf zwei Jahre lang nicht mehr in Italien fahren. Wer alle Punkte innerhalb von zwei Jahren verliert, muss mit einem einjährigen Fahrverbot rechnen. Und wer die 20 Punkte innerhalb von drei Jahren konsumiert hat, darf ein halbes Jahr lang nicht fahren."

Von den zeitweiligen neuen Fahrverboten in Bozen, Brixen, Meran und Bruneck sind nur über zehn Jahre alte Pkw betroffen. Sie dürfen an Werktagen (Montag bis Samstag) zu gewissen Stoßzeiten (von 7 bis 9 in der Früh, 12.00 bis 14.00 Uhr mittags und 17 bis 19.00 Uhr Abends) nicht ins Stadtzentrum fahren. Für ältere Busse und Lkw (Erstzulassung vor 31.12. 1994) gilt dieses Fahrverbot zwischen 7 und 19 Uhr. Davon betroffen sind schätzungsweise nur fünf Prozent der Fahrzeuge.

Achtung: Über diese vorübergehenden Fahrverbote hinaus kann es auch noch zu Notmaßnahmen und zusätzlichen Fahrverboten kommen. Wenn der Feinstaubwert (PM 10) vier Tage hintereinander die 50 Mikrogramm pro Kubikmeter-Grenze überschreitet, wird das Fahrverbot auf den ganzen Tag (von 7 bis 19 Uhr) und auch auf jüngere, fünf Jahre alte Diesel-Pkw bzw. jüngere Lkw und Busse (Erstzulassung vor 31.12 2000) ausgedehnt Freie Fahrt haben auf alle Fälle Dieselfahrzeuge mit Partikelfilter.

Zur Erinnerung die wichtigsten Geldstrafen und Punkteabzüge in Italien:

Zu Punkteabzügen kommt man in Italien relativ rasch:
Geschwindigkeitsübertretung um über 40 km/h - zehn Punkte weg. Im Rückwärtsgang auf der Autobahn fahren - wieder zehn Punkte verloren. Betrunken (es gilt die 0,5 Promillegrenze) oder unter Drogeneinfluss Auto fahren - jedes Mal minus zehn Punkte. Unfall mit schweren Verletzungen, weil der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde:
acht Punkte abgezogen. Bei Rot über die Kreuzung fahren - sechs Punkte gestrichen. Telefonieren beim Autofahren - fünf Punkte fort. Kinder ohne Kindersitz ungesichert mitnehmen: fünf Punkte abgebucht. Motorradfahren ohne Helm - fünf Punkte futsch. Ohne Gurt fahren: fünf Punkte weniger. Fernlichter falsch benutzen - drei Punkte gestrichen. Sich beim Bezahlen der Maut falsch einreihen - zwei Punkte eingebüßt. Bei einer Panne keine Warnweste anziehen: Verlust von zwei Punkten.

Die wichtigsten Verkehrsregeln "Made in Italy":

* Licht bei Tag
Außerhalb bewohnter Ortschaften müssen alle Fahrzeuge das Abblendlicht bei Tag eingeschaltet haben, Mopeds und Motorräder sogar innerhalb bewohnter Ortschaften.

* Handyverbot
Die Verwendung von Handys während des Fahrens ist untersagt. Die Verwendung von Freisprechanlagen bzw. Ohrstöpsel zum Telefonieren ist erlaubt, wenn die Hörfunktion nicht eingeschränkt ist und sie nicht mit Händen bedient werden müssen.

* Alkohol am Steuer
Fahren mit mehr als 0,5 Promille ist verboten.

* Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen
Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen beträgt 130 km/h. Bei schlechten Fahrverhältnissen, wie Regen, schlechte Sicht etc. beträgt die Höchstgeschwindigkeit 110 km/h, auf jeden Fall muss die Geschwindigkeit der jeweiligen Situation angepasst werden. Bisher wurde auf keiner einzigen Strecke die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h angehoben - wie dies rechtlich möglich wäre.

* Rechtsfahrgebot
Besteht die Fahrbahn aus zwei oder mehreren Fahrspuren, muss auf der rechten Fahrspur gefahren werden, wenn diese frei ist. Die linke und mittlere Fahrspur ist nur zum Überholen vorgesehen.

* Einreihen an Mautstellen
Auf mautpflichtigen Autobahnen müssen sich Fahrzeuge in die ihrer Zahlungsart entsprechenden Spur einreihen.

* Kinderbeförderung
Kinder unter 12 Jahren, die kleiner als 150 cm sind, müssen durch homologierte Kindersitze bzw. Sicherheitsgurte gesichert werden. Kinder unter 3 Jahren können in Begleitung einer mindestens 16-jährigen Person ohne Verwendung eines Sicherheitssystems auf den Rücksitzen mitgenommen werden.

Dr. Auracher-Jäger zusammenfassend: "Bei Übertretung der Straßenverkehrsordnung können in Italien, wie gesagt, verschiedene Sanktionen, auch nebeneinander, verhängt werden: Neben Geldstrafen kann es zum Führerscheinentzug, zu strafrechtlichen Sanktionen und zu Punkteabzügen kommen."

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