"Kleine Zeitung" Kommentar: "Noch mehr Tempo - so setzt der Minister ein verkehrtes Signal" (von Christian Weniger)

Ausgabe vom 11.02.2005

Graz (OTS) - Tempolimits auf Autobahnen eignen sich noch allemal für hitzige Diskussionen. Im Vorjahr wurde in Deutschland debattiert, wo vor allem Richtwerte für die Nutzung der schnellen Straßen existieren. Dort schworen sich Politiker sämtlicher Parteien darauf ein, eine generelle Tempobegrenzung für deutsche Autobahnen zu schaffen - mit 130 Stundenkilometern.

Genau dieses Limit gilt auch in Österreich, bisher noch generell. Geht es freilich nach Verkehrsminister Hubert Gorbach, soll diese Begrenzung nach oben aufgemacht werden. Bis 160 Stundenkilometer, wünscht der Minister, auf dreispurigen Autobahnen und wenn das Wetter passt.

Nun ist es durch und durch die Aufgabe der Politik, Zeichen zu setzen. Schon allein mit seiner Ankündigung setzte der Minister ein Signal, allerdings ein völlig falsches.

Bei Debatten um mehr Sicherheit auf Straßen bleibt ein Faktum unverrückbar, es kommt aus dem Innenministerium: 35 Prozent der Verkehrsunfälle passieren wegen Geschwindigkeitsübertretungen.

Auf Österreichs Straßen starben im Vorjahr 876 Menschen, ein erklecklicher Teil dieser Opferbilanz ist auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert strengere Tempolimits, um die Sicherheit zu erhöhen. Schon eine Verringerung der Durchschnittsgeschwindigkeit um drei Stundenkilometer würde bis zu 6000 Tote weniger bedeuten, rechnet die WHO vor.

Nach einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit gelten unsere Autofahrer als undisziplinierte Tempobolzer. Aus erlaubten 160 Stundenkilometern werden dann in der Realität schnell 180.

Wenn in einem Land die Tempodisziplin auf den Straßen ohnehin Sorgen bereitet, würde es einem Verkehrsminister gut anstehen, alles zu tun, um die Lust auf Geschwindigkeit zu drosseln und nicht noch anzuheizen.

Schon im Sommer 2003 ließ der steirische VP-Klubobmann Christopher Drexler einen Versuchsballon steigen und forderte die Anhebung auf 160 Stundenkilometer. Es war ein wirklich heißer Sommer, in dem ein weitgehend unbekannter Landespolitiker versuchte sich österreichweit bekannt zu machen. Deshalb verdiente Drexler doch etwas Nachsicht.

Aber jetzt stecken wir im Winter. Klirrende Temperaturen laden ein, einen kühlen Kopf zu bewahren. Hubert Gorbach könnte es sich leisten, auf den Rat mahnender Experten zu hören, statt um den billigen Applaus jener zu heischen, die gerne Vollgas geben. ****

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