"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Bush und Kim" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 11. Februar 2005

Innsbruck (OTS) - Noch darf die Welt rätseln, ob Nordkorea tatsächlich über Atomwaffen verfügt. Mit der gestrigen Ankündigung hat der Menschen verachtende Diktator Kim Jong Il indes für einen Paukenschlag gesorgt, der beachtliche Fernwirkungen hat.
Die bilateralen Verhandlungen seines Vorgängers Clinton waren für US-Präsident Bush nie einer ernsthaften Überlegung wert. Und er legte nach. Bush setzte Nordkorea mit dem Irak und den Iran auf seine Achse des Bösen. Eine Erfolgsstrategie ist daraus nicht geworden.
Als das Saddam-Regime niedergerungen war, bestand für Washington kein Zweifel, die beiden anderen Bösewichte würden klein beigeben. Die Zuversicht wuchs noch, als der Libyer Ghaddafi reumütig bekannte, um den Preis neuer Harmonie mit den USA und dem Westen insgesamt wolle er auf Atomwaffen verzichten.
Weitere Dominos nach Bushs Atomstrategie hat es nicht gegeben. Der Iran, dem Bush und Außenministerin Rice zuletzt erneut drohten, pocht entschlossener denn je darauf, über seine nuklearen Ziele selbst zu entscheiden. Mit den Europäern und der UNO-Atomenergiebehörde steht Teheran darüber immerhin noch in Verhandlungen. Interessante Angebote für Wirtschaftskooperation bleiben Voraussetzung für befriedigende Ergebnisse.
Im Falle von Nordkorea hofft die UNO-Atomenergiebehörde unverdrossen auf die Rückkehr ihrer Kontrollore in Kims Land. Wie dies geschehen soll, steht in den Sternen. Und der amerikanische Präsident, der mit messianischer Überzeugung unterwegs ist, die Welt sicherer zu machen, steht vor einem brisanten Krisenfall. Losschlagen wie im Fall Irak, schied mit Rücksicht auf Südkorea und Japan von Beginn an aus. Nur realistische Wege zur Eindämmung der nordkoreanischen Gefahr hat Washington bislang auch nicht beschritten.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion - Tel.: 05 04 03/ DW 601

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001