WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11.2.2005: Siemens schafft es - schade um VA Tech - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Siemens hat es also geschafft. Wie erwartet waren 65 Euro ein Angebot, das fast niemand ablehnen konnte: Der deutsche Konzern hält die laut Übernahmeangebot erforderlichen 90 Prozent der Aktien, um sich die VA Tech einzuverleiben. Jetzt fehlt nur noch die kartellrechtliche Zustimmung, dann ist der Mischkonzern namens VA Tech Geschichte.
Das ist gut so. Denn Siemens ist ein Weltkonzern, und unter diesem Dach wird sich das, was einmal VA Tech geheissen hat, sicher besser entfalten können als alleine.
Trotzdem mischen sich unter den allgemeinen Jubel auch ein paar Tränen: Die Wiener Börse verliert eine attraktive Aktie - auch wenn es die einzige ehemals Verstaatlichte ist, die (jetzt kann man schon sagen: bis zum Schluss) ihren Ausgabekurs nicht mehr erreicht hat (dass alle anderen im Plus sind bzw. bei ihrem Totalverkauf waren, ist notabene eine stolze Erfolgsbilanz der viel geschmähten österreichischen Verstaatlichtenpolitik). Dass sich mit Raiffeisen International ein anderes, neues Schwergewicht bereits am Horizont zeigt, ist ein schwacher Trost: Schön wäre natürlich ein Kurszettel mit VA Tech und Raiffeisen International.
Weiterer Wermutstropfen: Siemens ist nicht gerade das, was man als "waschechten Österreicher" bezeichnen könnte. Zwar gilt Siemens Österreich als leistungsfähigste Landesgesellschaft des Weltkonzerns, und das garantiert - vom Beispiel HVB/BA-CA vielleicht einmal abgesehen - ein grosses Stück Unabhängigkeit. Aber letztlich werden jetzt auch die Entscheidungen über das künftige Schicksal der VA Tech in München getroffen.
Ein bisschen traurig stimmt schliesslich auch, dass ausgerechnet die zukunftsträchtige Kraftwerkssparte VA Tech Hydro voraussichtlich den kartellrechtlichen Auflagen zum Opfer fallen wird. Gemeinsam mit den bereits im Siemens-Konzern angesammelten Kraftwerksbaukapazitäten ergäbe sich ein Weltmarktanteil von rund 60 Prozent - sicher mehr, als ein Kartellgericht akzeptieren kann. Aber da besteht zumindest die Hoffnung, dass sich dafür ein österreichischer Käufer findet. Für diese Sparte, die in Zeiten der Umsetzung des Kyoto-Protokolls besondere Bedeutung erhält, wird ja Mirko Kovats grosses Interesse nachgesagt. Und am Geld sollte es ihm - nach dem VA Tech-Deal mit Siemens - nicht mangeln.
Aber genug der Traurigkeit: VA Tech war gestern, morgen ist Siemens. Alles Gute!

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