ÖGJ-Lindner: "Finger weg von der Lehrlingsentschädigung, Herr Vizekanzler!"

Ausbildungsfonds und überbetriebliche Ausbildungsverbünde gefordert

Wien (ÖGJ/ÖGB) - "Die von Vizekanzler Gorbach vorgeschlagene Erlassung der Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit kommt für die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) auf keinen Fall in Frage", so ÖGJ-Bundessekretär Mario Lindner. Die Berufsschulzeit aus der Arbeitszeit herauszurechnen liefe auf eine reine Einkommenskürzung für die Lehrlinge, die wahrlich nicht zu den GroßverdienerInnen gehören, hinaus. Derzeit reißt es bei den Unternehmern ein, statt normale Lehrverhältnisse anzubieten, nur mehr JASG-Auffangnetz-Plätze zu vergeben, womit sich die Unternehmen einen Großteil der Lehrlingsentschädigung ersparen wollen. "Und Gorbach will Einkommenskürzungen für Lehrlinge offenbar auch noch gesetzlich regeln - aber sicher nicht mit Zustimmung der ÖGJ", so Lindner.++++

Skeptisch steht der ÖGJ-Bundessekretär auch dem von Gorbach vorgeschlagenen "Ausbildungsfreibetrag für Unternehmer" gegenüber:
"Schon derzeit erhalten die Firmen 1.000 Euro Förderung pro Lehrling und Lehrjahr. Gebracht hat das aber nichts - noch immer stehen 14.000 Lehrlinge ohne betriebliche Lehrstelle da." Lindner fordert hingegen einen Ausbildungsfonds, über den auch nicht ausbildende Unternehmen ihren Beitrag zur Finanzierung der Berufsausbildung leisten.

Verbesserungen könnte hingegen Gorbachs Vorschlag bringen, dass Lehrlinge ihre Lehrjahre in verschiedenen Betrieben verbringen. "Das darf aber nicht so aussehen, dass der Betrieb den Lehrling einfach nach einem Jahr hinauswirft und sagt, jetzt soll er sich für das nächste Jahr einfach eine neue Firma suchen", so Lindner. Die Gewerkschaftsjugend fordert überbetriebliche Ausbildungsverbünde, um die Lehrlinge vielseitig ausbilden zu können. "Dafür muss aber schon am Beginn der Lehrzeit der gesamte Ausbildungsverlauf feststehen", schließt Lindner.(fk)

ÖGB, 10. Februar
2005
Nr. 80

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