Industrie drängt auf Senkung der Strom-Netztarife

Damianisch: Die durch die EU-Benchmarking Studie angeheizte Diskussion über die überhöhten Netztarife vieler Stromverteilnetzbetreiber spiegelt Brisanz des Themas wider

Wien (PWK098) - "Es ist einsichtig, dass die Netzbetreiber ihre Transportgebühren möglichst hoch festsetzen wollen. Doch gerade die Verteilnetzbetreiber, die immer noch ein Monopol haben, müssen sich einer genauen Aufsicht durch E-Control und die Stromkonsumenten stellen!", schaltet sich Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der WKÖ, in die laufende Strompreis-Diskussion ein.

Der vom Kunden zu zahlende Strompreis setzt sich nur noch zu einem geringen Teil aus dem im liberalisierten Markt frei verhandelbaren Energiepreis zusammen. Der größere Anteil besteht aus Steuern, Zuschlägen (wie den zuletzt schon wieder gestiegenen Ökostromzuschlägen) und eben den Netzgebühren. Wenn der Kostenanteil der Netzgebühren hoch bleibt, dann verkleinert sich unweigerlich der frei verhandelbare Energiekostenanteil. "Die Spanne,in der sich alternative Anbieter bewegen können und damit der Wettbewerbsspielraum, verringert sich dadurch dramatisch. Weil in Österreich die vollständige Trennung von Netzgesellschaften und Stromvertriebsgesellschaften (sog. Entflechtung) noch immer nicht vollzogen ist, kann es weiterhin zu Quersubentionierungen kommen, bei denen Mittel aus dem Monopolbereich Netz in den im Wettbewerb stehenden Stromvertrieb umgeschichtet werden", stellt Damianisch fest.

Dass diese Markabschottung funktioniert, zeige sich an den niedrigen Wechselraten, die im Industriebereich mit knapp 7 Prozent im Jahr 2003 sehr gering waren. Im Kleinkundenbereich wechselten kaum mehr als 1 Prozent der Kunden ihren Anbieter. "Dies schädigt besonders die vielen kleinen und mittleren Industriebetriebe", zeigt sich Damianisch besorgt.

Gegen die Aufforderung des VEÖ, beim internationalen Strompreisvergleich die Details nicht aus den Augen zu verlieren und nicht "Äpfel mit Birnen zu vergleichen", sei wohl nichts einzuwenden. Es müsse jedoch klargestellt werden, dass für die Stromkonsumenten nicht die Details sondern die Ergebnisse zählen. Angesichts der kaum vorhanden Lieferantenwechsel und der überhöhten Energiekosten ist, so Damianisch, nur ein Ergebnis klar erkennbar: Der Wettbewerb im Strommarkt funktioniert nicht und die Ursachen dafür müssen beseitigt werden.

Nach den Informationen der Bundessparte Industrie sind die österreichischen Industriestrompreise am viertteuersten und nicht, wie vom VEÖ ausgeführt, am drittgünstigsten.

Es ist daher unausweichlich, die Netzkosten weiter auf das absolut notwendige Minimum zu reduzieren. Die österreichische Industrie unterstützt die E-Control bei der weiteren Senkung der Netztarife und fordert die Weitergabe der Kostensenkung an die Kunden.

Die Verteilnetzbetreiber müssen ihre Kostensenkungspotenziale voll ausnützen und so die Kosten dieses Monopolbereiches weiter senken. "Es stimmt auch nachdenklich, dass es in Österreich über 130 Verteilnetzbetreiber gibt, die alle eine entsprechende Infrastruktur benötigen. Großbritannien bewältigt die Stromversorgung durch 15 Verteilnetzbetreiber. Hier sollte auf eine Strukturbereinigung hingearbeitet werden", unterstreicht Damianisch.

Die berechtigte Forderung der österreichischen Wirtschaft nach wettbewerbsorientierten Rahmenbedingungen als "Wahlkampfpromotion" abzutun ist nicht zulässig. Die Heranführung der Verteilnetztarife an das wettbewerbsfähige effiziente Minimum ist und bleibt ein Ziel der Industrie. WKÖ Präsident Christoph Leitl unterstützt die österreichische Wirtschaft mit seiner Forderung nach österreichweiter Senkung der Verteilnetztarife. (hp)

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