Kranzl.: Bildungspolitik darf kein Experimentierfeld für Einsparungen sein

Bildungspolitisches Gesamtkonzept ist wichtiger als punktuelle Sparmaßnahmen

St. Pölten (SPI) - "Gerade jetzt, angesichts der besorgniserregenden Daten der PISA-Studie, erneut eine Diskussion um die Schließung kleiner und kleinster Schulen zu führen, halte ich nicht für sinnvoll. Der Bildungspolitik muss endlich ein Gesamtkonzept zu Grunde liegen - es muss Schluss sein, mit dem Flickwerk aus Einzelvorschlägen und Einsparungen. Die Ausbildung unserer Kinder bestimmt über deren Zukunft und nicht zuletzt auch über die Zukunft unseres Landes. Es ist daher klar abzulehnen, Bildungspolitik ausschließlich an Hand von Kostenfaktoren zu messen. Die Grundlage zur Beurteilung von Bildungspolitik muss vielmehr das pädagogische Angebot sein", kommentiert die NÖ Pflichtschullandesrätin, Christa Kranzl, jüngste Medienberichte zum Wahrnehmungsbericht des Rechnungshofes über Kostenfaktoren im Schulwesen. In dem Bericht merkt der Rechnungshof unter anderem an, dass die in den Stellenplanrichtlinien vorgesehenen Klassenschülerzahlen von 22 Schüler je Volksschulklasse und 25 Schüler je Hauptschulklasse tatsächlich deutlich unterschritten werden und wies auf das Einsparungspotential von rund 14,5 Millionen Euro hin.****

"Die Festlegung der Klassenschülerzahl ist viel mehr als eine Kostenfrage. Je mehr SchülerInnen in einer Klasse gemeinsam unterrichtet werden, desto weniger Zeit bleibt der LehrerIn, sich mit dem einzelnen Kind zu befassen. In der Volksschule ist es aber für die Kinder besonders wichtig, dass jede einzelne SchülerIn von der LehrerIn individuell betreut werden kann. Für die LehrerInnen ist es nur auf diese Weise möglich, Schwächen der Kinder rasch zu erkennen und auf diese auch entsprechend reagieren zu können. Es geht schließlich um Kinder und ihre Zukunft, nicht um reine Buchhaltung", so Kranzl weiter.

"Wenn gerade jetzt, nachdem es von Seiten der Bundespolitik endlich Ansätze gibt, die Bildungspolitik nachhaltig zu reformieren, wieder Schulschließungen diskutiert werden, so lässt das für mich nur einen Schluss zu: Die nächste Welle von Schulschließungen liegt bereits in der Schublade - die Bevölkerung soll lediglich über die kommende Gemeinderatswahl hinweg vertröstet werden. Die Schließung kleiner und kleinster Schulen bedeutet im ländlich strukturierten Niederösterreich, dass bereits 6-jährige zu Pendlern gemacht werden. Schulschließungen beeinflussen aber auch die Entwicklung der Gemeinden negativ. Wenn erst die Schule geschlossen wird, folgt vielleicht bald der Kindergarten und es gibt für junge Familien keinen Anreiz mehr, in der Gemeinde zu bleiben, geschweige denn sich dort anzusiedeln. Schule ist auch ein grundlegender Faktor der Infrastruktur", so Kranzl weiter. "Einsparungspotentiale zu nutzen und Synergien zwischen Schulen zu fördern, ist sinnvoll. Der Ausbildung unserer Kinder muss aber der Stellenwert zugebilligt werden, der ihr zusteht - verbunden mit dem klaren Bekenntnis, das Bildung eine Aufgabe der öffentlichen Hand ist und dieser daher auch etwas kosten darf - weil die Ausbildung unserer Kinder einfach unendlich viel wert ist", so Kranzl abschließend.
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