WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4.2.2005: EM-Stadien: Versagen verboten - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Die Tatsache, dass stets jene Warteschlange die langsamere ist, in der wir selbst stehen, dass ein gesuchter Gegenstand immer dort liegt, wo wir ihn zuletzt suchen, und dass Klopapier überall reisst, nur nicht an der Perforation, hat 1949 der US-Air Force Captain Edward A. Murphy in ein allgemeines Gesetz zusammengefasst, das seither als Murpy’s Law bekannt ist: Was schief gehen kann, geht auch schief.
Die Groteske um das EM-Stadion in Klagenfurt zeigt möglicherweise die erste Erweiterung des Murphy-Gesetzes: Dort geht ja offensichtlich auch schief, was eigentlich gar nicht mehr schief gehen könnte. Nachdem sich Land und Gemeinde nach endlosen Streitigkeiten endlich geeinigt haben, lässt nun eine unbedachte Veröffentlichung der Einreichprojekte vielleicht die Ausschreibung und damit den ohnehin schon engen Zeitplan platzen.
Wir könnten schmunzelnd zur Tagesordnung übergehen und allenfalls Burgenländer-Witze künftig mit Kärntnern in der Titelrolle erzählen -aber die Sache ist ernster.
Über den wirtschaftlichen Wert sportlicher Grossereignisse kann man lange diskutieren - es ist evident, dass die Bilder einer tief verschneiten Planai im gleissenden Sonnenlicht, die anlässlich der Ski-WM in Schladming in alle Welt getragen wurden, den Fremdenverkehr gefördert haben. Welchen Werbewert Bilder aus acht ziemlich gleich aussehenden EM-Stadien haben werden (von denen zudem immerhin die Hälfte in der Schweiz steht), ist schwer abzuschätzen: Haben Sie bei der letzten EM in Portugal immer gewusst, aus welcher Stadt da jeweils übertragen wurde und wo die liegt?
Wenn wir uns aber einmal beworben und den Zuschlag erhalten haben, sieht das anders aus: Die Blamage, eine solche Zusage nicht einhalten zu können (und notabene nicht zu schaffen, was Portugal 2004 gelungen ist und was auch Griechenland - mit Olympia - irgendwie hingekriegt hat), würde objektiv auch dem internationalen Standing unserer Wirtschaft schaden: Österreichische Tourismus-Manager, die rund um den Globus Hotels leiten, gelten als geniale Organisationstalente und blendende Improvisateure. Österreichische Werkzeuge, Maschinen und Anlagen, unsere wichtigsten Exportartikel, haben den Ruf äusserster Präzision und Zuverlässigkeit. Es hat lange gedauert, diesen Ruf zu erringen - mit einer Lachnummer à la EM-Stadion wäre er schnell wieder verloren.
Damit wird das Finden eines vierten EM-Stadions zur nationalen Pflicht. Versagen ist verboten.

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