Spitalsausbildung 2: Vor Schulterschluss mit Krankenanstaltenverbund

"Erste Bewährungsprobe für neue Führung" - KAV-Generaldirektor Marhold reagiert mit eigenem Ausbildungszentrum

Wien (OTS) - Ähnlich dramatisch beurteilt auch die Obfrau der
Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsidentin der Ärztekammer für Wien, Gabriele Kogelbauer, die Situation. Ihrer Erfahrung nach hätten Turnusärzte noch mehr als andere ärztliche Berufsgruppen unter einer überbordenden Administration, "das heißt patientenferner Tätigkeit", zu leiden. Die Zeit für Visiten und das Lernen am Krankenbett komme dabei viel zu kurz. ****

Zugespitzt habe sich die Situation zusätzlich durch die Veränderungen im Pflegedienst. "Hier ist es in den letzten Jahren zu einer Überdokumentation gekommen, die dazu geführt hat, dass das Pflegepersonal deutlich weniger Zeit am Krankenbett verbringen kann", so Kogelbauer. Sie wisse aus persönlicher Erfahrung, dass Krankenschwestern selbst damit äußerst unglücklich seien. "Hier muss das Pendel wieder zurückschlagen, um aus der an sich notwendigen ärztlichen und Pflegedokumentation etwas für die Patienten Sinnvolles zu machen."

Die Spitalsärztesprecherin ist überzeugt, dass bei einer vernünftigen, gemeinsamen Dokumentation dem Pflegepersonal genügend Zeit bleiben müsste, Tätigkeiten am Krankenbett wie beispielsweise Blutdruck messen, EKG schreiben, Spritzen verabreichen, Infusionen vorzubereiten, et cetera. zu übernehmen. Damit würden Turnusärzte von diesen Aufgaben freigestellt und könnten sich verstärkt den ärztlichen Erfordernissen im Rahmen ihrer Ausbildung widmen. Ein nach Einführung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes erfolgter Erlass vom damaligen Direktor der Teilunternehmung Prim. Dr. Ludwig Kaspar und der damaligen Pflegdirektorin Charlotte Staudinger, der eine Übernahme von Tätigkeiten des Pflegedienstes aus dem mitverantwortlichen Bereich ausgesetzt hat, muss zurückgenommen werden, fordert Kogelbauer.

Schulterschluss Ärztekammer und Krankenanstaltenverbund

Kogelbauer ist jedenfalls davon überzeugt, dass die neue KAV-Führung das Problem der Spitalsausbildung sehr ernst nehme und Missstände beseitigen will. "Ich habe bereits einige Gespräche mit den Spitzen des Krankenanstaltenverbunds geführt und glaube, dass der von uns eingeschlagene Weg des Konsenses gemeinsam mit dem Krankenanstaltenverbund zielführend sein wird", so Kogelbauer, die dabei von einem "notwendigen Schulterschluss zwischen Ärztekammer und Krankenanstaltenverbund" spricht.

Jedenfalls werde von Seiten der Ärzteschaft die neue KAV-Führung vor allem am Maß des Engagements, die vorhandenen Missstände in der Spitalsausbildung in Wien zu beseitigen, gemessen werden. "Ich erwarte mir, dass die im Rahmen der Gehaltsreform 2000 mit ausverhandelte und im Gesetz verankerte `Ausbildungsoffensive’ raschest umgesetzt wird."

Eigenes Ausbildungszentrum in Wien geplant

Genau das verspricht die Führung des Wiener Krankenanstaltenverbunds. "Wir nehmen die Kritik an der Ausbildungssituation der Turnusärzte in Wien sehr ernst. Es liegt in unsere Verantwortung, für eine fundierte Ausbildung der Jungärzte zu sorgen", betont dazu der designierte und ab 1. März 2005 offiziell im Amt befindliche neue Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds, Wilhelm Marhold. Eine zeitgemäße und qualitativ hochwertige Ausbildung sei daher das gemeinsame Ziel von Krankenanstaltenverbund und Ärztekammer.

Unter der Leitung von Charlotte Staudinger (Geschäftsbereich "Qualitätsarbeit") und unter der Führung von Ärztinnen und Ärzten sowie im Thema erfahrenen Mitarbeitern des KAV soll daher schon bald ein eigenes KAV-internes Ausbildungszentrum zur Koordinierung sämtlicher Ausbildungsagenden innerhalb der KAV-Spitäler entstehen. Neben kurzfristig umsetzbaren Sofortmaßnahmen sollen auch längerfristig wirkende Ausbildungsmaßnahmen zur Qualitätsverbesserung umgesetzt werden. Marhold: "Eine besondere Aufgabe ist dabei die Ausarbeitung entsprechender Vorgaben und Richtlinien zur besseren Abklärung der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen Turnusärzte und Pflege." Das Zentrum wird im Geschäftsbereich "Qualitätsarbeit" der Generaldirektion des KAV angesiedelt sein.

Konkrete Zielsetzungen des neuen Zentrums sind der Aufbau einer einheitlichen Ausbildungsstruktur, verbindlich anzuwendende Instrumente zur Qualitätssicherung der Turnusärzteausbildung sowie die Erstellung eines KAV-internen Benchmarking-Systems. Im Rahmen eines Erfahrungsaustausches mit den Ärztlichen Direktoren der "Ausbildungshäuser" und eines eigenen Tages für Turnusärzte und Tutoren in der Generaldirektion sollen kurzfristig umsetzbare Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und sofort wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Ist-Situation herausgearbeitet und den Häusern zur Implementierung übergeben werden. (hpp)

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