Spitalsausbildung: "Katastrophale Situation in Wien"

Ärztekammer ortet schwere Versäumnisse - Jeder fünfte Turnusarzt kommt nicht über die Hürde "Arztprüfung"

Wien (OTS) - Schwere Vorwürfe richtet die Obfrau der Sektion Turnusärzte der Ärztekammer für Wien, Martina Platzer, an die Ausbildungsverantwortlichen in den Gemeinde-Wien-Spitälern. Turnusärzte würden zu reinen Systemerhaltern degradiert und überwiegend zu nicht ausbildungsrelevanten Routinetätigkeiten herangezogen werden. Und sie präsentiert erstmals auch konkrete Zahlen: "In Wien schaffen 18 Prozent die seit einiger Zeit vorgeschriebene Arztprüfung nicht, bundesweit sind es lediglich 6 Prozent." Dies sei "ein deutliches Zeichen für die katastrophale Situation in Wien". ****

Turnusärzte sollten an Morgenbesprechungen und Visiten teilnehmen. Die Realität sehe aber anders aus: "Blutdruckmessen, Infusionen anhängen, Injektionen verabreichen, Blutabnahmen und jede Menge Bürokratie halten die jungen Kolleginnen und Kollegen von den wirklich wichtigen Dingen ab."

Für die Turnusärztevertreterin wären Bed-side-teaching sowie eigenständiges Führen von Patienten unter Supervision eines Facharztes die einzige Chance, im Studium Erlerntes auch anzuwenden. Die für die Ausbildung Verantwortlichen würden diese Verantwortung aber nur in den wenigsten Fällen wahrnehmen. Platzer: "Die Spitalserhalter ziehen sich auf den Standpunkt zurück, sie hätten schließlich nur einen Arbeitsvertrag und keinen Ausbildungsvertrag mit uns Turnusärzten."

Sämtliche Versprechungen der letzten Jahre, die Ausbildung zu verbessern, seien nicht eingelöst worden. "Vieles, wie die zuletzt so gerne zitierten Tutoren beziehungsweise Ausbildungsassistenten, existieren nur auf dem geduldigem Papier", betonte Platzer.

5-Punkte-Forderungskatalog der Turnusärzte

Es müsse nun sehr rasch sehr viel geschehen, um die auch vom Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer vor kurzem als "skandalös" bezeichnete Ausbildungsqualität zu heben. "Einen Vertrauensvorschuss kann es von uns Turnusärzten nicht mehr geben, wir erwarten uns Taten."

Konkret richtet Platzer fünf Forderungen an den Krankenanstaltenverbund: - Abgrenzung der ärztlichen Tätigkeiten zu

den Pflegeaufgaben,
- regelmäßige Teilnahme von Turnusärzten bei den Visiten,
- regelmäßiges Bed-side-Teaching,
- zwingende Teilnahme der Turnusärzte bei den Morgenbesprechungen, - eigenständiges Bettenführen. (hpp)

(Forts.)

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