Industriekonjunktur: Fortgesetzter mäßiger Aufschwung - Geschäftsklima nochmals leicht verbessert

GS Beyrer: Unternehmen brauchen Signale, dass sie willkommen sind!Forderung nach wachstumsunterstützender Zinspolitik, Arbeitszeitflexibilisierung und Deregulierungsoffensive

Wien (PDI) - Wien (PdI) - Die jüngste Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung, an der sich 363 Unternehmen mit 220.000 Beschäftigten beteiligt haben, lässt nach Einschätzung von IV-Generalsekretär Mag. Markus Beyrer "eine - wenngleich nicht ungetrübte - Fortsetzung des moderaten Aufschwunges" erwarten. Nach 27 Punkten im dritten Quartal stieg das Konjunkturbarometer nochmals leicht um zwei auf 29 Punkte. "Die weitere Verbesserung des Geschäftsklimas reflektiert - nach einem Zwischentief im vorangegangenen Quartal - insbesondere die auf Sicht von sechs Monaten wieder günstiger eingeschätzte Geschäftslage", so der IV-Generalsekretär.

Allerdings beeinträchtigen die hohen Öl- und Rohstoffpreise und die Aufwertung des Euro gegenüber dem US Dollar vorübergehend die konjunkturellen Auftriebskräfte, ergänzte IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein: "Während der Ausblick für die nächsten Monate gut ist, fällt die Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage gegenüber dem Vorquartal etwas schwächer aus. Die Unternehmen sehen sich mit einem zunehmenden Preisdruck konfrontiert. Die dadurch negative Wirkung auf die Ertragslage wurde aber von er sich mit hohem Tempo expandierenden Weltwirtschaft aufgefangen."

Beyrer: Unternehmen signalisieren, dass sie willkommen sind!

Die österreichische Industrie spricht sich nach Analyse der Ergebnisse der Konjunkturumfrage für eine wachstumsunterstützende Zinspolitik aus, erklärte Beyrer: "In der Hälfte der Länder der Eurozone sinkt die Inflation bereits, während sie lediglich in drei Ländern noch steigt, sodass wir erwarten, dass die EZB von Zinserhöhungen Abstand nehmen wird." Trotz besserer Aussichten werden in den nächsten Monaten zu wenig neue Jobs geschaffen. "Da müssen wir ansetzen - deshalb unterstreicht die Industriellenvereinigung ihre Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten", erklärte Beyrer: "Einige zehntausend zusätzliche Arbeitsplätze sind möglich, wenn die Unternehmen die Möglichkeit zur besseren Auslastung ihrer Produktionskapazitäten bekommen." Bei Scheitern der Flexibilisierungsvorschläge drohe Österreichs Industrie wieder der dauernde schleichende Beschäftigungsabbau, trotz guter Bedingungen für Investitionen.

"Derzeit wäre das Zeitfenster für neue Investitionen in Österreich nahezu optimal - sowohl wegen der guten Mengenkonjunktur, den Impulsen aus der Steuerreform und der niedrigen Zinsen", erklärte Beyrer, "die Politik muss den Unternehmen in den nächsten Wochen und Monaten signalisieren, dass sie willkommen sind und ihnen gegenüber entsprechend positive Signale aussenden."

Der IV-Generalsekretär betonte: "Der Staat hat in den vergangenen 60 Jahren immer mehr Hürden für Investitionen aufgestellt, die Situation für neue Investitionen wird zunehmend kritisch, daher fordern wir eine Deregulierungsoffensive in Bund und Ländern. Der Staat muss den Bürgern und Unternehmen auch signalisieren, dass er sich als Dienstleister versteht." Das - vorläufige - Scheitern des Österreich-Konvents ist ein Signal in die falsche Richtung, obwohl dort über viele positive Ansätze Konsens erzielt wurde. Die Abschaffung der Kameralistik und die Einführung einer Gesetzesfolgenabschätzung würde Einsparungen bringen und eine effizientere Verwaltung ermöglichen.

Die Ergebnisse im Detail: Konjunkturbarometer unverändert, aber Zukunftsaussichten getrübt

Das IV-Konjunkturbarometer als Mittelwert der Antworten zur gegenwärtigen Geschäftslage und zur Geschäftslage in 6 Monaten ist gegenüber dem Herbst weiter leicht angestiegen: Während die befragten Unternehmen die gegenwärtige Geschäftslage etwas ungünstiger einschätzen (der Saldo aus den Prozentanteilen positiver und negativer Beurteilungen fiel von 48 auf 44 Punkte), hegen sie bei einem Horizont von sechs Monaten wieder deutlich optimistischere Erwartungen bezüglich der Geschäftslage: Der Saldo stieg auf 14 Punkte (nach 7 im Herbst) und damit den besten Wert seit dem ersten Quartal 2004.

"Zwar rechnen die Unternehmen mit einer in absoluten Werten stagnierenden Produktionstätigkeit während des laufenden ersten Quartals, in saisonbereinigter Betrachtung nimmt die Kapazitätsauslastung jedoch noch weiter leicht zu", erläuterte Helmenstein. Ursächlich hierfür sei der anziehende Gesamtauftragsbestand (auf +45) bei auch gegenüber dem letzten Umfragetermin wieder etwas gestiegenen Auslandsaufträgen (auf +41).

"Der zunehmende Preisdruck veranlasst die befragten Unternehmen allerdings zu einer zurückhaltenden Personalpolitik. Einem abermaligen Rückgang des (beschäftigungsgewichteten) Anteils der Unternehmen, welche einen steigenden Beschäftigtenstand (8%) erwarten, steht ein unveränderter Anteil von Unternehmen (20%) gegenüber, welche eine Reduktion ihres Beschäftigtenstandes vorhersehen", so der IV-Chefökonom.

Die derzeitig positive Ertragslage verändert sich nur marginal von 20 auf 21 Punkte, während die in sechs Monaten erwartete Ertragslage um die Nulllinie pendelt. Bei Werten von +1 nach -2 in der Herbstumfrage gehen die Unternehmen per Saldo mithin davon aus, dass sich ihre Ertragslage in naher Zukunft weder verbessern noch verschlechtern wird.

Die Branchenergebnisse

Die IV wertet im Rahmen ihrer Konjunkturumfrage die Antworten über die Beurteilung des Auftragsbestands auch nach der jeweiligen Fachverbandszugehörigkeit aus. Für die anhaltend gute Konjunkturlage spricht die Beobachtung, dass keine Branche außer Textil einen Minussaldo von positiven und negativen Einschätzungen aufweist. Der Österreich-Durchschnitt liegt bei +45.

Die höchsten positiven Überhänge verzeichnen Bergwerke und Eisenerzeugung (+97), Lederverarbeitung (+57 , bei allerdings markant abnehmender Tendenz), Metall (weiter um 6 Punkte auf +94 angestiegen), Maschinen- und Stahlbau, Gießerei (+40 Punkte auf +63) und Bau (+59) auf.

Im Mittelfeld sind die Branchen Fahrzeuge, Nahrungs- und Genussmittel, Papier- und Pappeverarbeitung sowie Elektro positioniert. Unterdurchschnittlich liegen Chemie (minus 12 Punkte auf 43), Papier (Anstieg um 20 Punkte auf 30), Eisen- und Metallwaren (Einbruch um 38 Punkte auf 17 ), Holzverarbeitung (lediglich noch 17 Punkte nach 43 im Vorquartal), Stein und Keramik.

Die Textilbranche liegt als einzige mit -2 im Saldo (nach +14) beim Auftragsbestand derzeit im Minus.

Neuerlicher Kursanstieg der Österreich-Aktie auf 81 Euro

Die Kursentwicklung der Österreich-Aktie basiert auf einer Befragung von 13 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, welche die konjunkturelle Entwicklung, wichtige Standortfaktoren und die politische Situation in den Kategorien "unverändert, besser/schlechter bzw. deutlich besser/deutlich schlechter" bewerten. Der Kurs der Aktie stieg im 4. Quartal 2004 von 79 Euro um knapp 3% auf 81 Euro.

Während die Einschätzung der Konjunkturlage im Vergleich zur letzten Befragung vor 3 Monaten nochmals günstiger ausfällt, verschlechtern sich die Bewertungen in den Kategorien politische Situation und Standortfaktoren jeweils geringfügig.
Besonders positiv werden von den Panelisten die Bereiche Steuerpolitik (Unternehmensbesteuerung), Privatisierung sowie Effizienz und Sicherung des Sozialsystems bewertet, negativ hingegen die Bildungspolitik, die Haushaltsgebarung sowie die Staats- und Bürokratiereform.

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